Wenn es um Bitcoin und seine Funktion geht, dann scheiden sich selbst die Geister der Krypto-Enthusiasten. In der Regel kann man diese grob in drei Lager unterteilen: Solche, die Bitcoin als ein Mittel zur Wertaufbewahrung, als  ein Tauschmittel, oder als beides ansehen.

Tyler Winklevoss, den Mitbegründer von der Crypto-Börse Gemini, gehört anscheinend dem ersten Lager an. Für ihn ist Bitcoin ein Wertspeicher, der seiner Meinung nach sogar bessere Eigenschaften aufweist als Gold. Dieses Statement möchte ich zum Anlass dafür nehmen, zu einigen viel zu wenig diskutierten, aber fundamentalen Fragen zurückzukehren.

Warum erachten wir Gold eigentlich als wertvoll? Und wie passt Bitcoin dabei ins Bild? Ist Bitcoin wie Gold oder sogar besser als Gold?

„Bitcoin schlägt Gold auf der ganzen Linie“

Durch den signifikanten Anstieg des Bitcoin Kurses in den letzten Wochen schlägt der Vater aller Kryptowährungen wieder hohe Wellen. Bitcoin taucht zuletzt vermehrt in den Mainstream Medien auf, nicht nur aufgrund des steigenden Kurses, sondern auch durch die jüngsten Errungenschaften wie die Nutzung der Bitcoin-Blockchain durch Microsoft und die Aufnahme von Bitcoin, Ethereum und Bitcoin Cash in das Flexa-Netzwerk und damit als Zahlungsmittel in über 30.000 Shops.

Diese erhöhte Aufmerksamkeit spült neue Teilnehmer in den Markt und belebt fundamentale Grundsatzdiskussionen wieder. Ich möchte den kürzlich geschriebenen Tweet von Tyler Winklevoss über Bitcoin und Gold als Anlass dafür nehmen, um einige fundamentale Fragen aufzugreifen und zu diskutieren.

In seinem Tweet vom 16.05.19 schreibt Tyler, dass Bitcoin das Edelmetall Gold auf der ganzen Linie schlägt. Zudem vergleicht er die Marktkapitalisierung der beiden Assets, um auf das enorme Wachstumspotential hinzuweisen, das Bitcoin seiner Meinung nach inne hat.

Bitcoin oder Gold?

Dieser Vergleich zog auf Twitter sowohl Anhänger von Gold als auch Bitcoin an, um diese Behauptung zu diskutieren. Mati Greenspan, Chef-Analyst bei eToro, stellte in einer Antwort auf diesen Tweet beispielsweise die Vorteile von Gold heraus, denn seiner Meinung nach haben beide Assets ihre Stärken. Laut Greenspan ist Bitcoin digitales Gold und hat Vorteile gegenüber herkömmlichem Gold. Physisches Gold hat allerdings auch Vorteile gegenüber Bitcoin.

Doch was sind das für Vorteile? Was sind die Gemeinsamkeiten? Welche Funktionen hat Bitcoin und Gold? Sind sie ein Mittel zur Wertaufbewahrung, ein Tauschmittel oder beides? Eignen sich Bitcoin oder Gold auch als Geld?

Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir erst einmal einen Schritt zurück gehen und uns anschauen, warum Gold überhaupt einen so hohen Stellenwert genießt und welche Funktionen es in unserer Gesellschaft erfüllt. Darauf aufbauend können wir erst einen akkuraten Vergleich zu Bitcoin ziehen. Dabei sind Grundsatz-Diskussionen wie diese fundamental für jeden Interessierten und Investor, um den monetären Kontext, in dem Bitcoin sich bewegt, überhaupt nachvollziehen zu können.


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Warum Gold so wertvoll ist

Mit dem technologischen Fortschritt der Menschen stieg ebenfalls die Effizienz in der Produktion von Gütern, die den Handel und damit die Wirtschaft auf ein neues Niveau anhoben. Mit der steigenden Produktion von Gütern stieg ebenfalls der Einsatz verschiedener Rohstoffe darunter insbesondere der von Metallen stark an.

Dies hatte zur Folge, dass viele Metalle in großen Mengen produziert und nachgefragt wurden. Die hohe Nachfrage nach Metallen machte diese zu einem geeigneten Tauschmittel, das vielerorts als Bezahlung für andere Güter akzeptiert wurde. Zudem war der Herstellungsprozess der Metalle mit einem hohen Aufwand verbunden, sodass die Gefahr nicht gegeben war, dass der Markt mit einem zu hohen Angebot überflutet wird und eine rasante Entwertung der Metalle mit sich zieht.

Insbesondere für seltenere Metalle wie Gold und Silber bestand eine hohe Nachfrage. Die praktische Unzerstörbarkeit von Gold machte es Menschen möglich, Wert und Vermögen über Generationen hinweg abzuspeichern und dadurch einen weitreichenden Planungshorizont in die Zukunft zu entwickeln.

Wie Gold zu Geld wurde

Durch seine Tauschbarkeit und physische Eigenschaft seinen Wert über Generationen hinweg zu bewahren, erfüllte Gold bereits 2 der 3 wichtige Eigenschaften, die nach dem allgemeinen Verständnis Geld inne haben muss: Die allgemeine Akzeptanz als Tauschmittel und die Fähigkeit Wert aufzubewahren.

Die absehbare und natürliche Konsequenz des Aufstiegs der Metalle war der Einsatz von Gold-, Silber- und Kupfermünzen im alltäglichen Handel. Die positiven Auswirkungen von universellen Tauschmitteln auf die Marktwirtschaft sind dabei nicht zu unterschätzen. Der Einsatz von diesen Münzen ermöglichte die Schaffung eines größeren Marktes, wodurch die Möglichkeiten durch Spezialisierung und der internationale Handel enorm zunahmen.

Allerdings hatte der Einsatz dieser Münzen auch zwei wesentliche Nachteile. Zum einen sorgte der Einsatz von verschiedenen monetären Mitteln für ökonomische Probleme aufgrund der Fluktuation ihres Wertes untereinander, was ihrer Funktion als effiziente Recheneinheit hinderlich machte und zum anderen konnten Regierungen und Fälscher den Anteil an den wertvollen Metallen in den Münzen reduzieren, um eine größere Menge an Münzen auf den Markt zu werfen.

Letzteres ist ein aktuelles und schwerwiegendes Dilemma, denn ein solches Vorgehen schmälert nicht nur den Wert der betreffenden monetären Mittel, sondern transferiert einen Teil ihrer Kaufkraft zu den Herausgebern solcher Münzen. Da nichts auf der Welt umsonst ist, wird kein zusätzliches Vermögen, sondern lediglich ein Transfer auf Kosten der Empfängern hin zu den Herausgebern der Münzen geschaffen.

Der Cantillon Effekt

Dieser Umstand ist auch als der Cantillon Effekt bekannt und beschreibt, dass die Begünstigten durch eine Erweiterung der Geldmenge diejenigen sind, welche die Möglichkeit besitzen, die zusätzliche Geldmenge auszugeben, bevor der Markt durch steigende Preise auf die erhöhte Geldmenge reagieren kann. Der Gewinn durch Geldschöpfung ist auch als Seigniorage bekannt und wird heutzutage durch das Monopol der Zentralbanken genutzt, um diese zu finanzieren.

Mit dem 19. Jahrhundert und der Entwicklung des modernen Bankensystems wurde der Einsatz von Papiergeld, dessen Wert durch seine Einlösbarkeit in Gold gewährleistet wurde, immer populärer. Anstatt Gold direkt zu handeln, wurde es durch seinen repräsentativen Ersatz, dem Papiergeld, im alltäglichen Handel abgelöst, was uns schließlich zum Goldstandard führt.


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Der Goldstandard und das Problem der Zentralisierung

Der Goldstandard erlaubte dem internationalen Handel durch die Einigung der größten Wirtschaftsmächte auf ein einheitliches auf Gold basierenden monetären Systems zu florieren und neue Größen zu erreichen. Allerdings hatte der Goldstandard auch einen essentiellen Nachteil und zwar eine steigende Zentralisierung der Goldvorräte in den Tresoren der Banken.

Da die Menge an Gold begrenzt, der Hunger der Menschen nach Mehr aber grenzenlos ist, führte dieser Umstand zu dem Unausweichlichen. Banken und Regierungen fingen an, mehr Papiergeld auszugeben, als sie mit ihrem Vorrat an Gold stemmen konnten, um ihre steigenden Kosten zu finanzieren oder um mehr Vermögen anzuhäufen.

Die rasant ansteigende Geldmenge gegenüber der nur allmählichen steigenden Goldmenge resultierte in einem Wertverfall des Papiergeldes und einen Vermögenstransfer von der breiten Masse in die Hände einiger Weniger. Während Banken und Regierungen ihr Vermögen in Gold und anderen Assets anlegten, sparten viele der einfachen Bürger ihr Vermögen in dem zunehmend entwerteten Papiergeld an.

Das Ende von Gold als Geld?

Letzten Endes verschwand offiziell die Rolle von Gold als monetäres Mittel und wurde durch einen neuen Standard basierend auf Staatsgeld ersetzt. Das Problem von Staatsgeld ist, dass seine Kaufkraft insbesondere auf der Fähigkeit aufbaut, dass die Geldschöpfer das Geldangebot nicht derart erhöhen, dass es an Wert verliert.

Entgegengesetzt der Meinung vieler, spielt Gold aber bis heute eine wichtige Rolle als monetäres Gut. Zentralbanken halten nach wie vor Gold als Reserve, um den Wert ihres Geldes zu untermauern. De facto halten Zentralbanken heutzutage sogar mehr Gold als während der Zeit unter dem Gold Standard.


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Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Bitcoin und Gold

Nachdem wir wenn auch nur oberflächlich beleuchtet haben, wie Gold zu seinem Wert gekommen ist, können wir die Ursachen dafür ebenfalls bei Bitcoin suchen und verstehen, warum diese Relevanz haben. Bei der Suche nach Gemeinsamkeiten stößt man automatisch auch auf die Unterschiede der beiden Assets. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Gold uns Bitcoin sind dabei gekennzeichnet, aber nicht limitiert durch die folgende Auflistungen.

  • Bitcoin und Gold sind beide langlebig. Während Gold nur einem sehr langsamen physischen Verfall ausgesetzt ist, besitzt Bitcoin gar keine physische Form.
  • Sowohl das Vorkommen an Gold als auch Bitcoins ist begrenzt, was beiden Assets eine relative Seltenheit verleiht. Während die Vorkommnisse von Gold natürlich begrenzt sind, wurde die Anzahl an jemals existierenden Bitcoins durch sein Protokoll auf 21 Millionen BTC limitiert.
  • Gold kann aufgrund seiner physischen Eigenschaften nicht so einfach übertragen werden wie Bitcoin. Der Transfer einer größeren Goldmenge ist aufgrund seines Gewichts und physischen Umfangs ineffizient. Bitcoin kann nahezu sofort von einem Besitzer zum anderen übertragen werden.
  • Bitcoin kann hochpräzise aufgeteilt werden. Obwohl Gold teilbar ist, kann es nicht so leicht zerlegt werden wie Bitcoin, was das Bezahlen von Gütern mit geringem Wert schwer macht.
  • Gold hat aufgrund seines Nutzens als Gut in allen möglichen Bereichen wie Raumfahrten über Schmuck bis hin zu medizinischen Geräten einen hohen intrinsischen Wert. Dagegen gehen bis heute die Meinungen auseinander, ob Bitcoin überhaupt einen intrinsischen Wert besitzt. Es kann jedoch auch argumentiert werden, dass Bitcoin aufgrund des mit der Herstellung verbundenen Aufwandes, seiner Knappheit und seiner Funktion als autarke und anonyme Währung einen inneren Wert hat.
  • Ein weiterer wichtiger Unterschied zwischen Gold und Bitcoin ist die Quelle ihrer Entstehung. Bitcoins werden durch Computer und Software hergestellt, während Gold ein Edelmetall ist, das natürlich auf dem ganzen Planeten zu finden ist.
  • Bitcoin wird durch seine anwachsende Akzeptanz als Zahlungsmittel immer beliebter als Tauschmittel. Gold wird hingegen in den meisten Teilen der Welt nicht mehr als Zahlungsmittel verwendet oder gar akzeptiert.
  • Während Bitcoin noch sehr jung und neuartig ist, hat sich Gold bereits seit tausenden von Jahren als monetäres Gut bewiesen und viele andere Formen von Geld überdauert.
  • Um Bitcoin überhaupt handeln zu können, sind die am Handel beteiligten Parteien auf technische Hilfsmittel angewiesen, während zumindest kleine Mengen an Gold von Hand zu Hand problemlos und ohne weitere Hilfsmittel transferierbar sind.
  • Sowohl bei Bitcoin als auch bei Gold sind große Anteile der Gesamtmenge in den Händen weniger. Bei Gold sind es vorrangig Zentralbanken und Banken, während es bei Bitcoin eine Handvoll Individuen und Krypto-Börsen sind.

Ist Bitcoin besser als Gold?

Um zu der durch Tyler Winklevoss und seinem Tweet wiederbelebte Debatte zurückzukehren, wollen wir uns noch einmal die kürzlich Aussage vor Augen halten, ob Bitcoin besser als Gold ist.

Um eine adäquate Antwort auf diese Frage zu finden, müsste die erste Frage lauten: Besser wofür? Als Investition, als Geld oder als Wertaufbewahrungsmittel?

Um den Umfang dieses Artikels aber zu wahren, sollen diese Fragen Gegenstand zukünftiger Diskussionen sein. Dabei kann die Auflistung der obigen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Gold und Bitcoin als Grundlage dafür dienen.

Wichtig soll an dieser Stelle erst einmal sein, dass du verstanden hast, warum Gold für uns Menschen einen Wert hat und lange Zeit als Geld fungiert hat. Denn erst mit einem solchen Verständnis machen weiterführende Diskussionen überhaupt Sinn und ermöglichen es dir selbst, deine eigenen Schlüsse zu ziehen und Meinungen zu bilden.

Was denkst du über die Aussage des eToro Chef-Analysten? Befindet sich der Bitcoin Kurs momentan in einer parabolischen Wachstumsphase? Und befinden wir uns bereits in einer Altocin Season? Diskutiere mit uns in unserem Telegram Chat und abonniere unseren News Kanal.


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