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Was sind Governance-Token?

Zuletzt aktualisiert am 22nd Dec 2022
Hinweis

Governance-Token ermöglichen es den Besitzern, über Fragen bezüglich der Entwicklung und des Betriebs eines Blockchain-Projekts abzustimmen. Sie fungieren als integraler Bestandteil eines Abstimmungsmechanismus, der es den Mitgliedern der Gemeinschaft ermöglicht, ein dezentralisiertes Governance-Modell zu erreichen.

Governance-Token: eine Einleitung

Der Besitz von Governance-Token ist eine Methode, die eingesetzt wird, um Blockchain-basierten Projekten wie dezentralen Anwendungen oder autonomen Organisationen dabei zu helfen, sich selbst zu verwalten.

Dieses Governance-Modell zielt darauf ab, die Entscheidungsbefugnis gerecht auf alle Beteiligten zu verteilen, anstatt sich auf eine einzelne Person oder eine Gruppe von Personen zu konzentrieren. Governance-Token repräsentieren den Anteil einer Person am Projekt.

Diese Token ermöglichen die Erstellung von Governance-Ideen und die Abstimmung über diese. Token können von Community-Mitgliedern gekauft werden, um die Funktion und Richtung eines Protokolls direkt zu beeinflussen. Mit Governance-Token ist es möglich, für verschiedene Gebühren zu stimmen, User-Interface-Anpassungen vorzunehmen, Belohnungen für Änderungsgebühren zu verteilen, den Entwicklungsfonds zu aktualisieren und vieles mehr.

In Blockchain-Netzwerken verwenden dezentrale autonome Organisationen (DAOs), dezentrale Anwendungen (DApps), und dezentrale Finanzbereiche (DeFi) häufig Governance-Token, um die Dezentralisierung aufrechtzuerhalten. Bevor wir uns genauer mit Governance-Token beschäftigen, ist es wichtig, diese Entitäten zu verstehen und ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie sie sich von ihren zentralisierten Gegenstücken unterscheiden.

Zentralisierte vs. dezentralisierte Organisationen

Blockchain-basierte Projekte übernehmen die Dezentralisierungseigenschaften der Technologie. Anstelle einer zentralen Verwaltung verfolgen sie ein Bottom-up-Managementmodell. Diese Projekte, wie z. B. Anwendungen, Plattformen oder Organisationen, sind im Besitz der Nutzer und werden von ihnen betrieben.

Governance-Token stellen eine Repräsentation des Eigentums an solchen Projekten dar. Traditionelle Organisationen können einen Vorstand beschäftigen, der die Zukunft der Organisation lenkt. Auch wenn sie sich anhören, was die Aktionäre zu sagen haben, treffen sie letztendlich die Entscheidungen allein. Dezentralisierte Organisationen unterscheiden sich von zentralisierten Organisationen in zwei wesentlichen Punkten:

Dezentrale Communitys werden durch kodifizierte Geschäftsbedingungen, sogenannte Smart Contracts, reguliert. Diese Verträge laufen auf Open-Source-Code, der unveränderlich ist und sich selbst ausführt: Sie lösen eine vorprogrammierte Aktion aus, wenn bestimmte Anforderungen erfüllt sind. Sie dienen dazu, die Organisation öffentlich überprüfbar und transparent zu machen.

Wie funktioniert die Abstimmung?

Governance-Token ermöglichen die Dezentralisierung der Entscheidungsfindung für Blockchain-Projekte. In den meisten Fällen sind die Stimmrechte proportional zur Anzahl der Token, die ein Teilnehmer besitzt. Das bedeutet, dass ein Token normalerweise einer Stimme entspricht.

Es gibt aber auch andere Methoden zur Bestimmung des Wertes eines Governance-Token. In einigen Fällen haben Token, die vor längerer Zeit ausgegeben wurden, einen höheren Wert als solche, die erst vor kurzer Zeit verteilt wurden. Manche Organisationen nutzen eventuell andere Abstimmungsmechanismen wie Vierfach-Abstimmungen für eine gerechtere Machtverteilung.

Schlägt ein Teilnehmer eine Richtungsänderung, ein Update oder eine Anpassung vor, wird eine Abstimmung eingeleitet und die Teilnehmer geben ihre Stimme ab. Die Abstimmungen sind in der Regel in Smart Contracts eingebettet. Wenn eine kollektive Entscheidung getroffen wird, führen die Smart Contracts das Ergebnis automatisch aus.

Governance-Token in Aktion

Zuweisung – Die Art und Weise, wie unterschiedliche Projekte Token zuweisen, hängt unter anderem von Dingen wie der Nutzenfunktion, der Art der Organisation, den gewünschten Ergebnissen und vielem mehr ab.

MakerDAO, eine Organisation, die den Stablecoin DAI entwickelt hat, gab eine der frühesten Formen von Governance-Token heraus: MKR. Jeder kann MKR kaufen und ein Mitspracherecht bei den Abläufen der Organisation haben.

Im Gegensatz dazu wird beim Leih- und Verleihprotokoll von Compound der Governance-Token COMP basierend auf der Benutzeraktivität in der Kette zugewiesen: Je mehr sich ein Teilnehmer mit dem Protokoll beschäftigt, leiht oder verleiht, desto mehr Token erhält er. Auf ähnliche Weise belohnt auch Curve, eine dezentrale Börse, die Liquiditätsverpflichtungen seiner Nutzer mit einer proportionalen Menge an Governance-Token, CRV, belohnt. In solchen Fällen werden Governance-Token verwendet, um die Teilnehmer dazu anzuregen, Beiträge zu leisten.

Wert – Governance-Token haben nicht unbedingt den gleichen Geldwert wie die Kryptowährung, die zu dem Blockchain-Ökosystem gehört, auf dem sie aufgebaut sind. Stattdessen ist der Wert von Governance-Token typischerweise an die Leistung des Projekts gebunden. Wenn das Projekt gut läuft, werden die Token aller Wahrscheinlichkeit nach wertvoller, da sie jetzt für ein wertvolles Protokoll verantwortlich sind.

Neben dem leistungsbasierten Wert zahlen einige Governance-Token auch Dividenden, oder ein bestimmter Betrag kann den Besitzern ermöglichen, Anteile am Projekt zu erwerben. In diesen Fällen verdienen die Besitzer der Token direkt an dem Gewinn, den ein Projekt erzielt.

Abstimmbare Parameter – Jede Organisation legt ihre eigenen Regeln für die Funktionsweise von Governance-Token fest, und die Art der getroffenen Entscheidungen variiert stark je nach Mission des Projekts. Dazu können die Implementierung eines neuen User-Interface-Updates, das Vornehmen von Sicherheitsänderungen, das Anpassen von Transaktionsgebühren, das Ernennen neuer Teammitglieder, die Auswahl des nächsten zu finanzierenden Projekts und vieles mehr gehören.

Was haben Governance-Token zu bieten?

  • Dezentralisierung von Macht: In erster Linie erfüllen Governance-Token ihre Utility-Funktion, die darin besteht, die Verteilung von Entscheidungsbefugnissen auf eine größere Anzahl von Personen in der Organisation fair und transparent zu ermöglichen. Sie erlauben es Nutzern, aktiv über die Zukunft des Protokolls zu entscheiden, anstatt ihre Befugnisse an Führungskräfte zu delegieren, und somit die Kontrolle über ihre Interessen zu behalten.

  • Wirtschaftlicher Anreiz: In den meisten Fällen bedeutet der Besitz von Governance-Token, finanziell in das Projekt investiert zu haben, da der Wert des Token steigt, wenn das Protokoll gut funktioniert und einen Gewinn abwirft. In einigen Fällen werden Token auch verwendet, um die Ressourcen des Protokolls zu verbessern, z. B. um die anfängliche Liquidität einer Assets-Swap-Plattform zu schaffen.

Vor welchen Herausforderungen stehen Governance-Token?

  • Unfaire Verteilung: Einzelpersonen oder Gruppen, die große Mengen an Kryptowährungen besitzen, stellen ein existenzielles Problem für Governance-Token dar und offenbaren einen Konstruktionsfehler im Mechanismus. Der Ein-Token-Eine-Stimme-Mechanismus stellt ein Risiko für die Dezentralisierung dar, da Einzelpersonen oder Gruppen mit Ressourcen zum Kauf großer Mengen von Governance-Token praktisch zu viel Macht über Entscheidungen haben.

  • Produktivität: Wenn es zu viele Entscheidungsträger gibt, verlangsamt dies den Betrieb erheblich. Dies gilt insbesondere für öffentliche Organisationen, wo es sehr viele Token-Besitzer gibt, die alle unterschiedliche Hintergründe haben. MakerDAO hat vorgeschlagen, in Governance-Unterabschnitte aufgeteilt zu werden.

Sind Governance-Token die Zukunft?

Innerhalb kurzer Zeit sind Governance-Token zu einem wesentlichen Bestandteil der Erzielung eines dezentralisierten Verwaltungsmodells und zu einer weitgehend funktionierenden Methode zum Schutz und zur Belohnung von Nutzerinteressen geworden. Heute gibt es über 2000 Formen von Governance-Token mit einer kollektiven Marktkapitalisierung von über 16 Mrd. USD.

Abgesehen davon gibt es Unsicherheiten bei Governance-Token, ähnlich wie bei jeder anderen Blockchain-bezogenen Erfindung oder jedem anderen Blockchain-Projekt. Die Zukunft wird von Faktoren wie Vorschriften abhängen, die entscheiden, welche Token rechtsverbindlich sind, oder der Reife dezentralisierter Organisation und das Ausmaß, in dem wichtige Entscheidungen in der Kette getroffen werden.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem Utility-Token und einem Governance-Token?
Kann man Governance-Token käuflich erwerben?
Steigen Governance-Token im Wert?

Weitere Informationen rund um Blockchain

Miriam Strohe

Miriam Strohe

Miriam liebt Semikolons, Gedankenstriche und Et-Zeichen. Sie lebt seit über zehn Jahren in London und verbringt ihre Zeit mit Schreiben, Übersetzen und Korrekturlesen in den Bereichen Theater, Kunst, Kultur, Sport und Finanzwesen.