Eine der elementarsten und wichtigsten Charakteristiken, die Bitcoin anbietet, ist der Verzicht auf dritte Instanzen. Bitcoin gibt seinen Nutzern die vollständige Kontrolle über ihre eigenen Wallets sowie die darin enthaltenen Gelder – das heißt konkret auch, dass Bitcoin von inflationäre Maßnahmen einer Zentralbank in Form von Negativzinsen geschützt ist. Bitcoin und Negativzinsen? – Unvorstellbar. Des Weiteren können die eigenen BTC nicht einfach eingefroren werden. Noch unterliegen sie irgendwelchen Sanktionen, die definieren, welche Zahlungsflüsse getätigt werden dürfen und welche nicht.

In der aktuellen wirtschaftlichen Situation, in der wir uns befinden, ist ein Thema, das immer wieder auftaucht das Thema Negativzinsen. Gerade in Deutschland, dem Land der Sparer, ist dies ein großes Thema. Oft ist jedoch nicht gerade klar, was genau hinter dem Begriff steckt und welche Relation Bitcoin dazu hat.

Was also sind Negativzinsen? Wie funktionieren diese und wie kann uns Bitcoin vor einer schleichenden Enteignung durch Negativzinsen schützen? Werfen wir einen Blick darauf!

Bitcoin und Negativzinsen – Was sind Negativzinsen?

Seit der letzten großen Finanzkrise im Jahr 2008 hat sich die Geldpolitik der Zentralbank substanziell verändert. Der Begriff der ‚lockeren Geldpolitik‘, der im Englischen besser als Quantitative Easing (QE) bekannt ist, findet auch immer häufiger in unserem Sprachgebrauch Verwendung und beschreibt das aktuelle Verhalten der Zentralbanken. Neben dieser expansiven Geldpolitik, die durch das permanente Drucken von neuem Geld logischerweise auch mehr Geld in Umlauf bringt, sind Negativzinsen – gerade in letzter Zeit – ein neues Tool der Zentralbanken geworden. Dieses Phänomen betrifft nicht nur die Zentralbank von Europa, sondern auch die von Japan und anderen großen Volkswirtschaften.

Das Ziel von Negativzinsen liegt zunächst darin, die wirtschaftliche Aktivität zu stimulieren, indem man für das ‚Halten‘ von Geld auf dem Konto ‚bestraft‘ wird. Anders formuliert: wer Geld auf dem Konto lagert, muss für die Lagerung zahlen, anstatt dafür eine Belohnung in Form von Zinsen zu erhalten. Was zunächst nur Großbanken betraf, betrifft mittlerweile auch Privatbanken. Das heißt, dass zunächst nur Großbanken für das nächtliche Lagern von Geldern bei den Zentralbanken, Strafzinsen zahlen mussten. Mittlerweile haben allerdings auch Privatbanken wie beispielsweise die Schweizer Bank Julius Bär, Negativzinsen für ihre wohlhabenden Kunden eingeführt.

Keynesianische Wirtschaftspolitik: Deflation als Teufel

Nochmals: das Ziel, welches durch eine negative Zinspolitik verfolgt wird, ist es die Umlaufgeschwindigkeit von Geld in der Wirtschaft mindestens aufrechtzuerhalten, bestenfalls aber zu erhöhen, um Deflation zu vermeiden. Deflation würde heißen, dass unsere Kaufkraft steigt, da das Preisniveau für Güter und Dienstleistungen permanent rückläufig ist; anders formuliert: Waren und Dienstleistungen werden günstiger.

Einige (nicht aber alle!) Ökonomen sehen dies als enorm kritisch, da fallende Preise dazu führten, dass Menschen eher Geld horten als es auszugeben. Dieses Horten von Geld wiederum führte zu einer Stagnation der Wirtschaft, was zu einem Rückgang des Produktionsniveaus und als Konsequenz dessen auch zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit führte. Damit wäre die Deflationsspirale in Gang gesetzt. Diese Theorie entstammt von John Keynes und mag manchen als keynesianische Wirtschaftspolitik bekannt sein.


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Bitcoin und Negativzinsen: wirtschaftliche Folgen

Zu den wirtschaftlichen Folgen von Negativzinsen gibt es ein breites Spektrum an Meinungen. Er herrscht jedoch Konsens darüber, dass Negativzinsen nicht nur Sparer belasten, sondern auch das Geschäftsmodell von Banken auf die Probe stellen und deren Profitabilität senken.

Der CEO von UniCredit sagte beispielsweise, dass Negativzinsen gut für die Gesellschaft seien, jedoch schlecht für die Banken. Damit meint er, dass die Kreditkosten für Investitionen nun so niedrig sind wie nie zuvor, was gut für die Verbraucher ist, wenn diese Investitionen tätigen möchten. Auf der anderen Seite leiden Banken darunter, dass sie mit ihrem Geschäftsmodell ‚Kreditvergabe‘ eben keine Unsummen an Geld mehr machen können.

Man kann dies wohl so zusammenfassen: Viele Banken stehen unter einem enormen Druck. Denn sie müssen eine Entscheidung treffen, ob sie die Negativzinsen an ihre Kunden weiterreichen und somit dem Risiko eines Kundenschwundes unterliegen oder die Kosten selbst tragen und somit die eigene Profitabilität schmälern.

Auch die beiden CEOs der zwei größten deutschen Banken, Christian Sewing (Deutsche Bank) und Martin Zielke (Commerzbank), äußerten sich zu den Negativzinsen und sagten, dass diese ernsthafte Auswirkungen auf einige Bereiche der Wirtschaft haben werden. Zielke sagte beispielsweise, dass die aktuelle Geldpolitik nicht nachhaltig sei. Der ehemaliger CEO der Schweizer Großbank UBS, Oswald Gruebel, bezeichnete die Niedrigzinspolitik gar als ‚verrückt‘.

Bitcoin und Negativzinsen – die Auswirkungen zusammengefasst

Die Auswirkungen auf den Durchschnittsbürger lassen sich mit drei Kernaussagen zusammen:

  1. Wertverlust des Guthabens auf der Bank durch die erhobenen Negativzinsen
  2. potentieller (weiterer) Wertverlust des Bankguthabens respektive des „Ersparten“ durch Inflation, wenn die exzessive Geldpolitik über einen längeren Zeitraum betrieben wird
  3. eine generell volatilere Weltwirtschaft, die sehr sensibel auf Zinsentscheidungen der Zentralbanken reagiert

Betrachten wir nun also im Folgenden inwiefern Bitcoin eine Lösung für das gegebene Problem der Negativzinsen darstellt.

Bitcoin und Negativzinsen – Bitcoin die Lösung?

Bitcoin ist per se so konzipiert, dass die Inflationsrate über die Zeit durch die regelmäßigen Halving-Events abnimmt. Wir können also von einem deflationären Konzept sprechen. Das heißt konkret, dass die Geldpolitik von Bitcoin in dessen Quellcode und Konsensus-Regeln festgelegt ist. Negativzinsen sind hierbei nicht existent. Wir stellen uns dennoch (kurz) die Frage: Sind Negativzinsen bei Bitcoin möglich?

Die Antwort lautet: Sie sind nicht vorgesehen, entsprechen auch zu keiner Weise dem Gedankengut von Bitcoin. Dennoch wäre es theoretisch möglich (sehr sehr sehr unwahrscheinlich), Negativzinsen für das Halten von Bitcoin auf der Wallet zu implementieren. Dafür benötigt es jedoch einen Konsens im Netzwerk – verwerfen wir dieses Szenario also, da die Mehrheit der Netzwerkteilnehmer dies natürlich ablehnen würde.

Die langanhaltende Debatte über die Blockgröße von Bitcoin (Stichwort: Bitcoin Cash Fork) hat bestens gezeigt, wie schwierig es ist, etwas an Bitcoins Mechanismen zu ändern. Ein Szenario bei dem also Gebühren respektive Steuern für Bitcoin eingeführt werden würde, wäre extrem kontrovers und würde, wenn überhaupt, erst dann zur Debatte stehen, wenn der maximale Bitcoin Supply erreicht wurde und die Transaktionsgebühren nicht als Incentive für Miner ausreichten. Aber auch hier gäbe es andere Lösungen.


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Bitcoin und Geldpolitik – kein Spielball für Machtpolitik

Auch wenn Bitcoin häufig für seine hohe Preisvolatilität kritisiert wird, ist dies genau das, was Bitcoin auch ausmacht. Denn sein Preis wird nicht durch eine Geldpolitik bestimmt, die politischem Druck unterliegt. Machtpolitische Interessen, die im Endeffekt negativ für den Nutzer sind, gibt es bei Bitcoin nicht. Anders formuliert: kein Donald Trump, Recep Tayyip Erdogan oder sonstwer kann Bitcoin vorschreiben, wie die Geldpolitik aussieht.

Auch das Attribut „digitales Gold“ könnte Bitcoin in den kommenden Monaten und Jahren dabei helfen, mehr und mehr ‚Traction‘ zu generieren. Denn die anhaltende Niedrig- respektive Negativzinspolitik wird Folgen für die Weltwirtschaft haben. Insbesondere dann, wenn einige Volkswirtschaften in eine Rezession abdriften und die Zentralbanken keine Möglichkeit der Zinssenkung mehr haben, um die Wirtschaft zu stimulieren. Ja dann, könnte Bitcoin mit seiner begrenzten Anzahl und seinem deflationären Ansatz einen starken Gegenpol darstellen. Wenn die Bitcoin Bullen Recht behalten, können solche makroökonomischen Faktoren in Kombination mit dem bevorstehenden Halving Event, den Bitcoin Kurs in neue Höhen treiben.

Fest steht zum aktuellen Zeitpunkt jedoch eines: auch wenn Bitcoin noch einige Hürden hinsichtlich Skalierbarkeit und Adoption überwinden muss, müssen wir uns als Teil der BTC-Community keine Gedanken über Negativzinsen auf BTC machen.

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[Bildquelle: Shutterstock]
Daniel Wenz
Autor
Daniel ist 24, hat einen Bachelor of Science als Wirtschaftsingenieur und ist als Content Creator bei Cryptomonday tätig. Seit 2014 ist er aktiv im Krypto-Sektor unterwegs. Dass es dazu kam, hat er einer Vorlesung zu verdanken, in der über das disruptive Potenzial der Blockchain unterrichtet wurde. Seine Interessen umfassen die Technik und das breite Anwendungsgebiet der Technologie – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Um den Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern, hat er selbst ein kleines Startup gegründet. Er beschäftigt sich mit der Verbreitung von BTC-Automaten in Deutschland und wirkte maßgeblich an Videos und Büchern mit.