Mit der Entstehung von Bitcoin vor 10 Jahren erhob sich zeitgleich eine neue Form der Anlageklasse: Kryptowährungen beziehungsweise Crypto Assets im Englischen. Diese – im Vergleich zu anderen Assets wie Aktien oder Gold – noch junge Anlageklasse unterscheidet sich fundamental von den bestehenden Vermögenswerten. Sei es hinsichtlich der Renditechancen, der Volatilität oder einfach der zugrunde liegenden Technologie, die disruptiv ist und dem klassischen Bankensektor konträr gegenübersteht. Daher bedarf es Indikatoren und Methoden, die über den Preis und das Handelsvolumen hinausgehen, um die Entwicklung und den Kurs von Kryptowährungen wie Bitcoin zu verstehen. Mit dem heutigen Artikel „Bitcoin Chartanalyse verstehen – Ein Überblick der wichtigsten Indikatoren“ möchten wir den Grundstein legen und aufzeigen, welche Indikatoren es gibt und inwieweit diese zur Bewertung von Crypto Assets wie Bitcoin hilfreich sind.

Bitcoin Chartanalyse verstehen auf Basis von Indikatoren

Bevor wir tiefer in das Thema eintauchen, ein paar Vorworte zur generellen Situation bei Bitcoin und Kryptowährungen im Allgemeinen. Auf die Gefahr mich zu wiederholen, muss ich betonen, dass der Markt für Kryptowährungen noch ein sehr junger Markt ist. Konkret heißt das, dass erprobte Indikatoren und Methoden zur Chartanalyse, die für klassische Vermögenswerte bereits seit Dekaden eingesetzt werden, noch keine längeren Tests im Kryptomarkt durchlaufen konnten.

Erst seit Anfang 2017 beispielsweise erreicht der Markt tägliche Handelsvolumina im Milliarden US-Dollar Bereich. Des Weiteren gibt es nach wie vor nur eine begrenzte Anzahl an verlässlichen Datenquellen, während Exchanges vorgeworfen wird, die eigenen Handelsvolumina zu waschen. Parallel dazu existiert der Kryptomarkt seit der letzten Finanzkrise und hat somit noch nie eine globale (makroökonomische) Rezession miterleben respektive durchlaufen müssen.

Daher ist es umso wichtiger, einen holistischen (d.h. ganzheitlichen) Ansatz zur Bewertung und dem Verständnis von Kryptowährungen wie Bitcoin und deren Kursentwicklung zu verwenden. Wir möchten im Folgenden also betrachten, welche Indikatoren es gibt, die uns beim Thema „Bitcoin Chartanalyse verstehen“, weiterhelfen.


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Chartanalyse verstehen: ein holistischer Ansatz

Das Thema Chartanalyse erinnert mich ein wenig an Religion. Jeder hat hierbei seine eigenen Glaubenssätze und seine eigenen Lieblingsindikatoren. Während die einen auf rein technische Indikatoren setzen, ergänzen die anderen Technische Analysen mit Fundamentaldaten und schwören auf Indikatoren wie BTC Hashrate oder Anzahl an Transaktionen. Um einige Fragen und offene Punkte hierbei zu nennen: Kann alles nur durch Preis und Volumen analysiert werden? – Wohl eher nicht. Wie wichtig ist die On-Chain-Aktivität und beispielsweise das tägliche Transaktionsvolumen? Spielt die Hashrate eine Rolle? Wie relevant ist das Wachstum eines Netzwerks und somit die Anzahl an User?

Mit all diesen Fragen möchte ich auf eine wichtige Botschaft hinaus: Bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist man gut beraten, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen, der nicht nur technische Indikatoren aus der Bitcoin Chartanalyse (auch wenn diese insbesondere kurzfristig sehr wichtig sind) berücksichtigt, sondern eben das gesamte Bild betrachtet. Und genau damit beginnen wir jetzt.

Indikatoren, um Bitcoin und andere Kryptowährungen zu analysieren

Die einzige, wahre und magische Lösung zur 100%-Analyse von Kryptowährungen gibt es natürlich nicht. Dennoch gibt es zwei fundamentale Fragen, die uns bei der Lösung des Problems helfen. Anders formuliert: es gibt zwei Fragen, die wir beantworten müssen, um eine gute Strategie zu erhalten, die uns bei der Analyse und Bewertung von Crypto-Assets hilft.

  1. Welche Indikatoren (Chartanalyse + Fundamentaldaten) gibt es, die das Verhalten von Kryptowährungen beschreiben?
  2. Welche Datenquellen existieren (und sind auch noch relevant), um eine (bestimmte) Kryptowährung zu analysieren?

Die Antwort darauf wollen wir uns jetzt anschauen. Sie enthält zum einen Elemente der klassischen Markt- respektive Chartanalyse und zum anderen Elemente, die ganz spezifisch der Bitcoin Chartanalyse und dem Kryptomarkt zuzuordnen sind.

  1. Klassische Indikatoren
    1. Trendindikatoren
    2. (das) Momentum als Indikator
    3. Volatilität als Indikator
    4. Volumina als Indikatoren
  2. Kryptospezifische Indikatoren – Fundamentaldaten
    1. Netzwerkdaten
    2. Protokoll
  3. Datenquellen
    1. Exchanges als Datenquellen
    2. On-Chain-Aktivitäten, d.h. Blockchain als Datenquelle
    3. Social Media als Quelle
    4. Finanzmarkt als beeinflussender Faktor

Diese zwei respektive drei großen Punkte, d.h. Indikatoren aus der Chartanalyse und Fundamentaldaten sowie Datenquellen, sollten die Basis einer jeden holistischen Bewertung von Kryptowährungen darstellen. Im Folgenden gehen wir nun nochmals auf die einzelnen Indikatoren der Bitcoin Chartanalyse ein. Die beiden Aspekte Fundamentaldaten und Datenquellen werden wir in weiteren Artikeln genauer beleuchten.

Die wichtigsten Indikatoren im Überblick

Es gibt etliche Indikatoren, die relevant und hilfreich sind, um Bitcoin und andere Kryptowährungen zu analysieren. Die meisten von ihnen sind Indikatoren aus dem klassischen Finanzmarkt, die dort bereits seit Jahrzehnten zur Chartanalyse verwendet werden. Wenige andere Indikatoren sind jedoch spezifisch für die Bitcoin Chartanalyse und auch für andere Kryptowährungen geeignet. Im Folgenden gehen wir kurz auf die vier oben genannten Indikatoren (Momentum, Trend, Volatilität und Volumen) ein. In Zukunft werden wir die einzelnen Indikatoren noch im Detail beschreiben und erklären.

Trend als Indikator

Wie der Name Trend erahnen lässt, dienen Trend-Indikatoren dazu, Tradern den Trend, also die Richtung) einer Kryptowährung anzuzeigen, die sie gerade handeln. Hierbei gibt es grundsätzlich drei Möglichkeiten: der Trend einer Kryptowährung kann nach unten gehen (=bearish trend), er kann nach oben tendieren (=bullish trend) oder er befindet sich in einer Seitwärtsbewegung (=keine klare Richtung).

Beispiele hierfür sind der Moving Average Convergence Divergence (MACD) oder Expontential Movering Average (EMA). Letzterer Indikator nimmt die Kurse einer Kryptowährung für einen gewählten Zeitraum der Vergangenheit (5, 20, 50 oder 200 Tage) und gewichtet diese nach einem bestimmten Muster; in unserem Fall werden die Kurse der letzten Tage besonders stark gewichtet. Dadurch ergibt sich ein Durchschnittswert, der als Indikator zum aktuellen Kurs verwendet werden kann. Der MACD verwendet unter anderem den EMA und ist weiterer, populärer Indikator.


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Momentum als Indikator

Unter dem Begriff Momentum (auch Momentum-Indikator) verstehen wir bei der Bitcoin Chartanalyse Indikatoren, die die Stärke und Geschwindigkeit eines bestimmten Parameters einer Kryptowährung messen; normalerweise ist dies der Preis. Ein Momentum-Indikator entscheidet sich vom Trend-Indikator dadurch, dass er nicht notwendigerweise die Vergangenheit/historische Muster berücksichtigt.

Als Beispiel hierfür ist der RSI (=Relative Strength Index) zu nennen. Dieser misst die Geschwindigkeit und Stärke (=Amplitude) der Änderung eines aktuellen Trends. Er setzt also die Auf- und Abwärtsbewegungen einer Kryptowährung in einem gewissen Zeitraum in eine Relation. Anders formuliert: er dient dazu, (kurzfristige) Hoch- bzw. Tiefpunkte zu antizipieren und somit Trendwenden in der Kursentwicklung frühzeitig zu erkennen.

Volatilität als Indikator

Der Begriff Volatilität ist den meisten wahrscheinlich bekannt. Volatilität misst das Ausmaß der Schwankung eines Preises unabhängig von dessen Richtung. Anders formuliert: die Schwankungsintensität eines Preises einer gewissen Kryptowährung wird über einen Zeitraum gemessen. Eine hohe Volatilität entsteht also dann, wenn innerhalb kurzer Zeit der Preis häufig nach oben und unten geht – bildlich gesprochen wie bei einer Achterbahnfahrt. Dies ist vor allem im Kryptomarkt der Fall. Bei langsamen Bewegungen (wie in etablierten Anlageklassen) haben wir eine geringe Volatilität. Im Bezug zur Bitcoin Chartanalyse können wir hier beispielsweise Bollinger Bänder als Indikator nennen.

Volumen als Indikator

Volumen-Indikatoren geben uns relevante Metriken und Hinweise über (nun ja) eben das gehandelte Volumen eines spezifischen Assets. Dies kann einerseits das gehandelte Volumen für Kontrakte (also beispielsweise Futures) oder das gesamte gehandelte Volumen am Spotmarkt betreffen. Auch wenn Volumina als Indikatoren zunächst trivial klingen, sind sie hilfreich, um zu bestätigen bzw. abzulehnen, ob ein Trend eines Assets weiterhin anhält, abflacht oder umkehrt.

Ein relativ intuitiver Indikator ist hierbei der On-Balance Volume (OBV) Indikator. Dieser setzt das Marktvolumen und dessen Änderungen in Verbindung mit Preisbewegungen. So ist die Annahme, dass große Änderungen im Handelsvolumen auch zu großen Preisänderungen führen. Wenn das Handelsvolumen des Kryptomarkts also binnen wenigen Tagen stark ansteigt, ist nach dem OBV-Indikator davon auszugehen, dass die Preise bald nachziehen. Grund hierfür könnte beispielsweise das Interesse von Institutionellen Investoren sein. Auf der anderen Seite kann ein drastischer Rückgang des Handelsvolumens als Indikator für ein abfallendes Interesse und somit auch sinkende Preise interpretiert werden.

Bitcoin Chartanalyse verstehen – der Weg ist das Ziel

Wir konstatieren, dass neben den technischen Indikatoren zur Bitcoin Chartanalyse auch die Elemente Fundamentaldaten und Datenquellen eine essentielle Rolle für die Bewertung von Crypto-Assets spielen. Mit dem heutigen Artikel wollte ich zunächst einen Überblick geben und auf die Notwendigkeit eines holistischen Ansatzes hinweisen. Zusätzlich haben wir Indikatoren klassifiziert und einige Beispiele der jeweiligen Klassen genannt. Die Indikatoren als solche werden wir zukünftig nochmals genauer beleuchten.

Auch wenn (beziehungsweise gerade weil) wir nie mit hundertprozentiger Sicherheit Aussagen über die Zukunft treffen können und die Kryptowelt sich besonders durch ihre Eigenarten hervorhebt, ist es wichtig ein solides Framework zu haben, welches in unterschiedlichen Aspekten denkt und bewertet. Es ist wichtig zu verstehen, dass „alles zusammenhängt“ und die Summe der einzelnen Dinge das große Ganze bewegt.

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[Bildquelle: Shutterstock]
Autor
Daniel ist 24, hat einen Bachelor of Science als Wirtschaftsingenieur und ist als Content Creator bei Cryptomonday tätig. Seit 2014 ist er aktiv im Krypto-Sektor unterwegs. Das es dazu kam, hat er einer Vorlesung zu verdanken, in der über das disruptive Potenzial der Blockchain unterrichtet wurde. Seine Interessen umfassen die Technik und das breite Anwendungsgebiet der Technologie – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Um den Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern, hat er selbst ein kleines Startup gegründet. Er beschäftigt sich mit der Verbreitung von BTC-Automaten in Deutschland und wirkte maßgeblich an Videos und Büchern mit.

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