Die Motivation vieler Menschen ist Geld. Ob das nun gut oder schlecht ist, möchte ich offen lassen. Darüber kann man lange diskutieren – es ist jedoch in vielen Fällen Fakt. Und genau dieser Wunsch (man könnte auch sagen Gier) nach schnellem Geld hat bereits viele Menschen Unsummen an Geld – investiert in Scam Projekte – gekostet. In vielen anderen Fällen ist es nicht die Gier, sondern die Hoffnung „mehr aus seinem Leben zu machen, finanziell frei zu werden und ein Leben zu führen, von dem andere nur träumen.“ Egal wie wir das Blatt drehen, die Story ist immer die gleiche:

Gib einem Menschen das Gefühl mehr aus seinem Leben machen zu können. Gib ihm das Gefühl, dass jeder aber auch wirklich jeder die eigenen Träume verwirklichen kann. Denn mit ‚dem richtigen Netzwerk, Durchhaltevermögen, Disziplin und natürlich dem richtigen ‚Business‘ kann es jeder schaffen. 

Vor einigen Jahren war der Begriff „Exit Scam“ prägend und fast schon ein Synonym der Kryptoindustrie. Wir reden von einer Zeit vor ca. 2-3 Jahren als der Markt voll war von Cash Grab Firmen, die auf dem Papier vielleicht gut aussahen, aber wenig bis keinen substanziellen Wert dahinter hatten. Wir reden von Firmen wie Bitconnect oder OneCoin, bei denen Millionen und Milliarden an Investoren-Geldern verloren gingen. Und wir reden auch von Firmen wie Plus- oder CloudToken, die es auch in der heutigen Zeit noch versuchen.

Daher möchten wir mit dem heutigen Scam Guide einen kleinen Überblick der heißesten Red Flags geben, mit denen du neue Projekte prüfen kannst. Auch wenn der Artikel etwas länger ist, lohnt sich das Lesen bis zum Schluss, damit du bei deinem nächsten Invest keine Fehler machst!

Scam Alarm – wie alles begann

Beginnen wir mit dem Begriff des Exit-Scams: im grundlegenden Sinn ist ein Exit-Scam ein betrügerisches System, bei dem die Organisatoren nach einem anfänglichen ICO (oder einer permanenten Einzahlungswelle durch MLM) mit den Geldern der Investoren verschwinden, nachdem bereits eine beträchtliche Geldsumme erworben wurde.

Um den Term ‚beträchtliche Geldsumme‘ zu quantifizieren, ein kleines Beispiel: alleine der Plus Token Scam kostete die Anleger mehr als 3 Milliarden US-Dollar.

Bitconnect und OneCoin als Scam Vorreiter

Andere bemerkenswerte und prominente Beispiele sind Bitconnect und OneCoin, wobei der erst genannte Fall wahrscheinlich der berühmteste Altcoin Scam aller Zeiten ist. Alleine durch Bitconnect verloren Investoren mehr als 3 Milliarden Dollar – die Masche ähnelte dem Vorgehen einiger bekannter Firmen, die aktuell auf dem Markt sind: ein einmaliges Investment wird mit (garantierten) hohen Renditen respektive Zinsen vergütet. Wir sprechen hier von 5-10% pro Monat. Nehmen wir nun 10 Prozent Zinsen pro Monat an – ein System kann demnach mindestens 10 Monate das eingezahlte Geld an den Investor zurückzahlen bis es zum ersten Mal ‚frisches‘ Geld benötigt. Dieses frische Geld wiederum kann nun das eingezahlte Geld anderer Mitglieder sein. Mit diesem einfachen Trick können Firmen sich problemlos über einen Zeitraum von mehreren Monaten (bis hin zu Jahren) finanzieren.

Bereits hier sollte jeder kurz innehalten und sich folgende Frage stellen:

Würdest du einem Unbekannten auf der Straße, dessen Wohnanschrift und Namen du nicht kennst (=kein Impressum) 100 Euro in die Hand drücken, wenn er dir sagt, dass du dafür nicht nur einen genialen Kugelschreiber bekommst, sondern er jeden Monat bei dir klingelt und dir 10 % Zinsen zurückzahlt. Wenn du ihn dabei unterstützt, Kugelschreiber für 100 Euro ‚zu empfehlen‘ (schließlich mache man das ja auch mit Kino-Besuchen) dann bekommst du 15 Euro obendrauf. Genial, oder?

Nicht? Du hättest daran kein Interesse? Puh, Glück gehabt!

Nach dieser kurzen Einleitung möchten wir nun konkret einen Blick auf die Red Flags werfen und mit unserem Scam Guide beginnen.

Scam Guide – Wichtige Red Flags

Das Prinzip hinter einem Exit-Scam ist relativ einfach. Zunächst starten oder schlagen die Führungspersonen (gerne auch Founding Member genannt) eine neue Krypto-Plattform/Software/Technologie vor, die auf einem vielversprechenden Konzept basiert. Jetzt gibt es genau zwei Möglichkeiten der Geldbeschaffung:

  1. Durchführung eines Initial Coin Offerings (=ICO). Diese Art der Geldbeschaffung ist seit dem Jahr 2017 eigentlich passé. Die negativen Erfahrungen haben viele Leute aufschrecken lassen und den Begriff ICO aus den Vokabular vieler Scammer gestrichen.
  2. Vermarktung des Produkts durch Multi-Level-Marketing. Nein, MLM ist generell kein Scam. Es ist eine (legitime) Spezialform des Direktvertriebs. Häufig (nicht immer) ist MLM jedoch DIE Vertriebsstrategie von Scam Firmen.

Die Gründe für Multi-Level-Marketing sind hierbei vielseitig:

  • Abwälzen des Risikos auf viele ‚Kleinunternehmer‘ und einzelne Vertriebspartner
  • schneller und effizienter Aufbau einer großen Vertriebsstruktur
  • ‚leistungsgerechte‘ Bezahlung –> ‚wer nichts tut, verdient auch nichts‘
  • Einsammeln hoher Summen durch das Prinzip ‚Kleinvieh macht auch Mist‘
  • ‚erfahrene‘ Networker haben bereits ein großes Netzwerk und wissen wie Akquise funktioniert
  • Chancen geben durch aktive Partizipationsmöglichkeiten am Vertrieb

Nachdem nun ausreichend Gelder eingesammelt wurden, wird der Scheinbetrieb für wenige Monate aufrecht erhalten und schlussendlich geschlossen. Die Investoren haben ihre Gelder verloren und die ‚Führungspersonen/Leader‘ leben mit dem eingesammelten Geld. Auf dem Weg dorthin gibt es in der Regel jedoch eine Reihe von roten Fahnen (sog. Red Flags), nach denen Anleger Ausschau halten sollten. Diese schauen wir uns nun an:

Scam Hinweis 1: ein fehlendes/schlechtes Whitepaper

Eine neue Technologie, ein neues System oder ein neuer Coin wird angepriesen. Die erste Frage, die man sich dies bezüglich stellen sollte: Gibt es (wie in der Wissenschaft üblich) ein Whitepaper, das die Ideen des Systems oder Coins näher beschreibt? Wie sieht es beispielsweise mit der Token Metrik aus? Wie viele Token wird es geben und wie genau ist die Verteilung? Weitere Fragen sind: Wie viel Prozent werden an das Gründungsteam und wie viel an die Investoren ausgeschüttet? Ist die Roadmap der nächsten Monate einsehbar und auch realistisch? All das sind Fragen, die du dir stellen solltest.

Ja und falls es kein Whitepaper gibt? Dann helfen oft nur die ‚transparenten‘ Geschäftspräsentationen der kompetenten Vertriebspartner, die auf langjähriges Know-How in der IT und Blockchain-Branche zurückgreifen können. (Vorsicht, Ironie).


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Scam Hinweis 2: unrealistische Profit Versprechen

Dieser Scam Hinweis Nummer 2 ist wohl der Punkt, mit dem die meisten Menschen gelockt werden: dem Versprechen nach hohen Profiten.

Kurzum: eine Firma, die dir garantierte hohe Zinserträge verspricht, ist meistens Betrug. So versprach Bitconnect beispielsweise nach der Markteinführung seinen Stammkunden eine tägliche Rendite von 1% – das ist eine Zahl, die eine anfängliche Investition von 1.000 Dollar innerhalb von nur drei Jahren in etwas mehr als 50 Millionen Dollar verwandeln würde.

Ethereum Mitbegründer Vitalik Buterin wies bereits damals darauf hin, dass es sich um ein Ponzi-Schema handelt. Zu Recht, denn innerhalb weniger Monate schloss BitConnect alle seine Dienstleistungen und Webseiten, was zu einem Totalverlust der Anleger führte. Wie ich bereits in der Einleitung erwähnt habe, können solche System rein rechnerisch häufig nur wenige Monate (schlechtestenfalls wenige Jahre) existieren.

Ben Samcho, der CEO der israelischen Plattform CryptoJungle, hat dies ziemlich gut zusammengefasst:

Führen Sie eine ordentliche Recherche durch. Glauben Sie nicht einfach blind daran, dass ihnen jemand 6-8% pro Monat garantiert.  Suchen sie nach Grundlagen und Beweisen: Gibt es die angegebenen Partnerschaften beispielsweise wirklich? Über welchen Zeitraum konnten die versprochenen Gewinne ausgezahlt werden? Darüber hinaus sollten Sie besonders vorsichtig bei MLM-Systemen sein, die Provisionen auf mehrere Ebenen auszahlen.

Scam Hinweis 3: das Team hinter dem Projekt

Bereits 2017 konnten eine Reihe von ICOs erhebliche Geldbeträge von Investoren einsammeln, obwohl die Organisatoren keine konkreten Angaben über das eigentliche Führungspersonal des Projekts machten.

Oft waren die Betrüger sogar so dreist, dass Bilder und die dazugehörigen Identitäten von verschiedenen Social Media Plattformen kopiert und übernommen wurden – fiktive Geschäftsführer, die es so gar nicht gab. Auf der anderen Seite sollte man auch immer hellhörig werden, wenn es Indizien wie diese gibt:

  • Internet-Recherchen zeigen keine Treffer zu der Geschäftsführung
  • es gibt nur wenige Informationen zu den Gründungsmitgliedern
  • die Gründer werden als ‚heilige‘ angepriesen und sind das Non-Plus-Ultra

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Scam Hinweis 4: (k)ein funktionierendes Produkt?

Wenn ein Projekt noch kein marktreifes Produkt, sondern nur einen Prototypen vorzeigen kann, ist generelle Vorsicht geboten. Denn eine Investition, als Ausdruck der Erwartungshaltung an die Zukunft, ist immer mit Risiko verbunden. Bei den meisten Scam Firmen gibt es jedoch bereits (k)ein funktionierendes Produkt – zumindest wird dies so vorgetäuscht.

Wie ich bereits in dem einleitenden Abschnitt erklärt habe, können Zinsen von 6-8% rein mathematisch problemlos über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten ausgezahlt werden. Ab dem Moment, ab dem sich ein Einmal-Invest amortisiert hat, wird das frische Geld der neuen Kunden genutzt.

Eine vermeintliche ‚Live-Demo‘ einer Arbitrage-Software oder Ähnlichem ist daher noch lange kein Garant für ein funktionierendes System oder gar einen Beweiß. Ein solches Rendite-Versprechen in Kombination mit einer Firma, die noch extrem jung ist, heißt also Gefahr im Quadrat. Ein kurzes Gedankenexperiment hierzu:

6 bis 8 Prozent garantiert pro Monat: warum Fremdkapital?

Nehmen wir an, dass eine Firma eine unglaubliche Arbitrage-Software programmiert hat und mit einem Eigenkapital von 50 Millionen US-Dollar ausgestattet ist. Zusätzlich gehen wir von einer versprochenen Rendite in Höhe von 6 bis 8 Prozentpunkten pro Monat aus. Funktioniert die Software wie angegeben, würde das Programm jeden Monat 3 bis 4 Millionen USD erwirtschaften. Betrachten wir nun folgende Szenarien, die sich aus der Ausgangslage ergeben können:

  1. Die Firma hat keinerlei Interesse daran, weitere Investoren mit in’s Boot zu holen, da sie jeden Monat 3 bis 4 Millionen Dollar erwirtschaftet.
  2. Die 50 Millionen Dollar waren kein Eigen-, sondern Fremdkapital, das für die Entwicklung der Software benötigt wurde. Die Firma hat kein Interesse, weitere Investoren mit in’s Boot zu holen, da sie nach ca. 12 – 18 Monaten das geliehene Kapital zurückgezahlt hat (=Break-Even-Point) und nun jeden Monat 3 bis 4 Millionen Dollar erwirtschaftet.
  3. Die Firma benötigt (aus welchen Gründen auch immer) weiteres Kapital. Da die 6 bis 8 Prozent garantiert sind, sucht sie nach akkreditierten Investoren, die nur darauf warten, ihre Millionen gewinnbringend anzulegen.

Der aufmerksame Leser stellt wohl fest, dass bei all den drei genannten Szenarien keine Privat-Investoren und insbesondere keine Kleinanleger benötigt werden. Die Botschaft dahinter: keine seriös agierende Firma mit einem solchen ‚Rendite-System‘ benötigt Kleinanleger. Sie benötigt entweder gar kein Fremdkapital oder bezieht dies von einigen, wenigen Groß-Investoren.


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Scam Hinweis 5: kein Impressum

Last, but not least der Klassiker unter den Scam Projekten: das fehlende Impressum. Aus den Mündern der Scam-Promoter höre ich folgende Phrase bereits schallen:

Die Firma hat ihren Sitz aber gar nicht in Deutschland, sondern auf den Jungferninseln. Das hat nämlich Steuergründe und die Impressumspflicht besteht nur in Deutschland.

Das ist im Grunde genommen auch völlig richtig und dem möchte ich in erster Linie gar nicht widersprechen. Klar ist jedoch auch: ohne ein Impressum kann ein Privatanleger keine weiteren Informationen über die Geschäftsführung beziehungsweise deren Hauptsitz erfahren. Anders formuliert: der Investor vertraut zu 100% seiner ‚Upline‘ und deren Versprechen. Rechtsansprüche können unter keinen Umständen geltend gemacht werden und so fügt sich mit dem fehlenden Impressum das letzte Puzzle-Stück.

Mit dem heutigen (ausführlichen) Scam Guide wollen wir dir einen guten Überblick der Red Flags geben. Wir möchten dich vor Scams bewahren und deine Sinne für etwaige Projekte schärfen.

Auch wenn unser Guide nicht alle Indizien und Warnhinweise beinhaltet, sei dir immer einer Sache bewusst: wenn etwas nach Scam riecht, nach Scam schmeckt und wie ein Scam vermarktet wird, dann ist es meistens auch Scam! Hast du ein Projekt, das wir prüfen sollen und nach Scam riecht?

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[Bildquelle: Shutterstock]
Daniel Wenz
Autor
Daniel ist 24, hat einen Bachelor of Science als Wirtschaftsingenieur und ist als Content Creator bei Cryptomonday tätig. Seit 2014 ist er aktiv im Krypto-Sektor unterwegs. Das es dazu kam, hat er einer Vorlesung zu verdanken, in der über das disruptive Potenzial der Blockchain unterrichtet wurde. Seine Interessen umfassen die Technik und das breite Anwendungsgebiet der Technologie – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Um den Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern, hat er selbst ein kleines Startup gegründet. Er beschäftigt sich mit der Verbreitung von BTC-Automaten in Deutschland und wirkte maßgeblich an Videos und Büchern mit.

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