In einer der bekanntesten Wirtschafts- und Finanzzeitungen der Bundesrepublik wurde vor nicht allzu langer Zeit ein Artikel zur Verteilung der Bitcoin veröffentlicht. Wir nehmen dies als Anlass zum Faktencheck und werfen einen Blick auf die Bitcoin Rich List. Konkret schauen wir uns die Anzahl der Adressen an, die mehr als 1.000 BTC auf ihrer Wallet halten.

1.000 BTC und mehr – die Anzahl der Adressen steigt

Halten wir zunächst folgenden Fakt fest: die Anzahl der Adressen, die mehr als 1.000 BTC besitzen, ist in den letzten 12 Monaten signifikant gestiegen. Dieser Anstieg kann also durchaus mit einem Zustrom an wohlhabenden Investoren assoziiert werden.

Doch wie steht es um die vorherigen Jahre und wie viele „Reiche“ sind überhaupt neu dazugekommen? Droht Bitcoin tatsächlich die Gefahr „zur Währung der Reichen“ zu werden?

Als Basis unserer Aussagen nehmen wir die Daten von Coin Metrics. Diese haben konkret einen Anstieg der Bitcoin Rich List Adressen um 30% seit September 2018 identifiziert. Selbst das Auslassen von Wallet-Adressen, die Exchanges zuzuordnen sind – dies macht natürlich Sinn – ändert das Ergebnis nur geringfügig und gibt uns ein ähnliches Bild.

0.01% aller Adressen gehören zur Bitcoin Rich List

Zum Zeitpunkt des Artikels gibt es 2146 Adressen, die mehr als 1.000 BTC halten. Diese Anzahl entspricht gerade einmal 0.01% aller Bitcoin-Adressen.

Bitcoin Rich List - Adressen über 1000 BTC

So lässt sich dem obigen Chart klar entnehmen, dass die Steigung in den letzten 12 Monaten besonders stark zunahm. Eine ähnliche Zunahme sahen wir zuletzt im Zeitraum von 2010 bis 2013. Die Kosten 1.000 BTC zu akkumulieren, lagen jedoch – gerade im Vergleich zu den letzten 12 Monaten – bei relativ geringen Beträgen. Nimmt man beispielsweise den 1. Juli 2013 mit einem Bitcoin Kurs von 97 USD als Referenz, sieht man schnell, dass es nicht allzu teuer war in die Bitcoin Rich List aufzusteigen. Mit gerade einmal 1000 * 97 USD = 97.000 US-Dollar war man dabei.

Bitcoin Mining im Jahr 2010: ein Traum für alle Early-Birds

Neben dem Preis gibt es ein weiteres gewichtiges Argument: Mining und die Mining Difficulty. So war die Schwierigkeit einen Bitcoin zu minen im Zeitraum von 2010 bis 2013 bedeutsam geringer als heutzutage. Gewöhnliche Hardware, das heißt ein ‚einfacher‘ Computer oder Laptop, reichten bereits aus, um BTC zu schürfen. In Anbetracht der damaligen Blockbelohnung, die im Vergleich zu heute auch zwei- bzw. viermal so hoch war, gingen auch „mehr Bitcoin über den Tisch“.

Will man heute jedoch im elitären Club der Bitcoin Rich List mitspielen, so muss man tiefer in die Tasche greifen. Mit einem Invest von 1000 * 9300 USD = 9.300.000 Dollar muss die eigene Brieftasche bereits etwas schwerer wiegen. Betrachten wir den Beginn des Anstiegs (nämlich den September 2018 bis Januar 2019) sehen wir, dass offensichtlich viele wohlhabende Investoren auf den Boden gewartet haben, und diesen auch anschließend nutzen, um sich bei Kursen von ca. 3000 – 7000 USD einzukaufen.

Der auf Twitter wohlbekannte Investor und Analyst Willy Woo (112.000 Follower) schließt sich dieser These an und glaubt, dass die Bitcoin Rich List vor allem durch eine erhöhte Nachfrage von wohlhabenden Investoren angetrieben wurde.

Die zwei Möglichkeiten, die wir haben, sind Folgende: es sind wohlhabende Investoren, die den Markt betreten oder es sind mehrere Cold Storage Walets von Exchanges und Custody-Providern. Die letzte Erklärung kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, passt jedoch nicht zu dem aktuellen Bild, das wir haben. Daher glaube ich an die erste Erklärung.

Die Bitcoin Verteilung – ein heikles Thema

Nun wissen wir also, dass gerade einmal 0.01% aller Bitcoin-Adressen auf der Bitcoin Rich List sind. Kommen wir nun jedoch zu dem (daraus resultierenden) Thema, das etwas unangenehmer ist: die Bitcoin Verteilung.

Wenn nun lediglich 0.01% aller Adressen mehr als 1.000 BTC halten, heißt dies im Umkehrschluss also auch, dass sehr wenige Leute sehr viele Bitcoin besitzen. Anders formuliert: die Bitcoin Verteilung ist in einem gewissen Maße zentral.

Doch wie „schlimm“ steht es tatsächlich um die Verteilung?

Bitcoin Verteilung

Die Antwort lautet: ein Blick auf die Bitcoin Rich List ist mit Nichten ein Grund zur Freude für Freunde von Gleichheit und Dezentralität. Denn 0.01% der Wallet-Adressen, das heißt eben 2140 Adressen, besitzen mehr als 40% aller sich im Umlauf befindlichen BTC.

Hierbei darf man jedoch – wie bereits erwähnt – nicht vergessen, dass viele dieser Adressen eben nicht nur den „Super-Reichen“ gehören, sondern auch Leute dabei sind, die sich frühzeitig mit der Technologie beschäftigt haben und im Rahmen von Mining eine enorme Anzahl an Bitcoin akkumuliert haben (siehe erster Chart Zeitraum ’10 bis ’13).


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Mehrheit der großen Adressen im Zeitraum von 2010 – 2013 geschaffen

Aus einer anderen Perspektive betrachtet, kann man nämlich sagen, dass „gerade einmal“ ~650 neue Adressen im Zeitraum von 2013 bis heute in den Club der Bitcoin Rich List dazugekommen sind. Dies bestätigt die eben gerade formulierte These. Auf der anderen Seite muss auch festgehalten werden, dass es sogenannte „dormant addresses“ gibt. Das sind Adressen, die bereit seit einigen Jahren ihre Bitcoin nicht mehr bewegt haben. Am Häufigsten betrifft dies eben gerade diesen Personenkreis, der vielleicht vor einigen Jahren kurzfristig sich für Bitcoin Mining interessierte, dann jedoch den Zugang zu seinem Wallet verlor. Gründe hierfür gibt es einige: Laptop verloren/verkauft/kaputt gegangen bzw. allgemein ein verlorener Zugang zu den Private Keys. Kurzum: diese BTC sind für immer verloren. Eine hierzu interessante Statistik und Auswertung findest du in unserem Artikel Bitcoin Anzahl im Faktencheck: Wie viele BTC sind für immer verloren?

Wir konstatieren: die Bitcoin Rich List ist eine interessante Liste, die uns Aufschluss darüber gibt, wie die Bitcoin Verteilung tatsächlich aussieht. Wir können hierbei festhalten, dass eine geringe Anzahl an Adressen (0.01% aller Adressen) eine hohe Anzahl an Bitcoin (~40% aller im Umlauf befindlichen BTC) besitzt. In Anbetracht der Tatsache, dass einige dieser Coins jedoch im Zeitraum von 2010 – 2013 akkumuliert wurden, kann nicht von der Rede sein, dass Bitcoin nur „eine Währung der Reichen“ sei.

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[Bildquelle: Shutterstock, Coinmetrics.io, Bitinfocharts.com]
QUELLEbitinfocharts
Autor
Daniel ist 24, hat einen Bachelor of Science als Wirtschaftsingenieur und ist als Content Creator bei Cryptomonday tätig. Seit 2014 ist er aktiv im Krypto-Sektor unterwegs. Das es dazu kam, hat er einer Vorlesung zu verdanken, in der über das disruptive Potenzial der Blockchain unterrichtet wurde. Seine Interessen umfassen die Technik und das breite Anwendungsgebiet der Technologie – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Um den Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern, hat er selbst ein kleines Startup gegründet. Er beschäftigt sich mit der Verbreitung von BTC-Automaten in Deutschland und wirkte maßgeblich an Videos und Büchern mit.

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