Bitcoin (BTC) steht unter Druck. Nachdem die größte Kryptowährung nach Marktkapitalisierung seit Monatsbeginn bereits 14% an Wert verlor, geraten vor allem Spekulanten in Besorgnis. Während Decentralized Finance in den letzten Wochen noch als Markttreiber galt, wird insbesondere hier gerade massiv Kapital abgebaut.

Ergänzend zum Kryptomarkt sollte man unbedingt auch einen Blick auf den globalen Finanzmarkt werfen, der in Anbetracht vieler einzelner Unsicherheitsfaktoren (Covid-19 und die zweite Welle, Japans Premierminister Abe tritt zurück, US-Präsidentenwahl) in den vergangenen beiden Tagen auch Verluste verzeichnen musste.

Doch was bedeuten die jüngsten Rückgänge eigentlich für HODLer? Gibt es einen Grund zur Sorge oder gehört die aktuelle Korrektur viel mehr zu einem normalen und gesunden Erholungsprozess, den wir einfach aussitzen müssen?

Bitcoin (BTC) seit Monatsbeginn unter Druck

Beginnen wir den Artikel mit einem kurzen Blick auf den Chart. Dafür schauen wir uns den Bitcoin Kurs seit Monatsbeginn an. Dabei wird deutlich, dass das vierte Quartal kein guter Start für die größte und erste Kryptowährung war.

Bitcoin Kurs seit 01.09.2020

Nach einem kurzen positiven Start in den Monat endete das bisherige Monatshoch bei circa 12.000 USD. Seit diesem Hoch ging es mit Bitcoin bergab. Den vorläufigen Tiefpunkt erreichten wir gestern bei einem Kurswert von 10.000$.

Nichtsdestotrotz sollten wir zunächst auf die mittelfristige Performance blicken. Dabei es ist nun wichtig durchzuatmen und auch zu realisieren, dass Gewinne und Vermögenszuwächse über mittel- bis langfristige Zeiträume entstehen. Gerade HODLer sind sich dieser Tatsache bewusst.

Daher nochmals die Wiederholung: Lasst euch bitte nicht von kurzfristigen Bewegungen aus dem Gleichgewicht bringen oder verunsichern.

BTCUSD Performance

Wir sehen hier zweifelsfrei, dass eine YTD-Performance von 43,40% sowie eine Jahresperformance von 40,62% kein Grund zur Sorge sein sollte.

Makroökonomische Situation bleibt dominierender Faktor

Springen wir nun kurz vom Kryptomarkt in Richtung globaler Finanzmarkt. In der Einleitung habe ich bereits die Unsicherheit am Finanzmarkt angedeutet. Vorweg: Unsicherheit ist immer schlecht für den Finanzmarkt und Preisstabilität.

Faktor 1: Präsidentenwahl in den USA

Nun ist es aktuell so, dass einige Faktoren zusammenkommen. Im November stehen in den USA die Präsidentschaftswahlen an. Natürlich wird die Wahl der amerikanischen Bevölkerung Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Ohne jegliche Bewertung abzugeben, kann man wohl sagen, dass Biden und Trump unterschiedliche wirtschaftliche Profile haben.

Faktor 2: Rücktritt in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt

Hinzu kommen weitere Unsicherheitsfaktoren. Da wäre zum einen der gesundheitlich bedingte Rücktritt des japanischen Premierministers Abe. An dieser Stelle sei nochmals betont, dass Japan nach den USA und China die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist. Betont sei außerdem, dass Premierminister Abe eine sehr eigene Interpretation von Wirtschaftspolitik hatte.

Faktor 3: Covid-19 und die Massenarbeitslosigkeit

Als dritten Faktor müssen wir nun auch die „Spätfolgen“ von Covid-19 betrachten. Möglicherweise hat der ein oder andere Leser die Diskussion um die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes mitbekommen. Dieses dient als kurzfristiges (!) Instrument, um Massenarbeitslosigkeit zu verhindern. Nun ist es aber so, dass die Verlängerung Unternehmen am Leben hält, die aus der marktwirtschaftlichen Perspektive nicht mehr wettbewerbsfähig sind.

Ob man es nun für gut heißt oder nicht, in einer marktwirtschaftlich geprägten Volkswirtschaft sind Rezessionen feste Bestandteile eines Wirtschaftszyklus. Dabei muss man eben auch damit rechnen, dass nicht mehr wettbewerbsfähige Unternehmen insolvent gehen.

Als Konsequenz dessen können nun die häufig zitierten „Pleitewellen“ eintreffen und Menschen ihre Arbeit verlieren. Ein solches Szenario ist natürlich insbesondere für die jeweiligen individuellen Schicksale schmerzhaft. Die Wahrscheinlichkeit, dass es jedoch zu einem solchen Szenario kommt, ist nicht gering.

Kann Bitcoin (BTC) sich durchsetzen?

Kommen wir nun zurück zum Aktienmarkt und Bitcoin. Trifft das gerade beschriebene Szenario ein, sind Korrekturen am Aktienmarkt realistisch. Anders formuliert: Wie hoch können die Indizes noch steigen, wenn das Damoklesschwert der Entlassungen über uns schwebt? – Die kurzfristigen Erholungen sind außerdem auch ein Ergebnis der geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken.

Nun stellt sich also die große Frage, ob Bitcoin als Store of Value und digitales Gold von solchen Maßnahmen profitieren kann? – Eine feste Antwort hierauf gibt es mit Sicherheit nicht.

Werteversprechen von Bitcoin als Risikoabsicherung

Viele Investoren und Analysten glauben an Bitcoin als Absicherung in Risikozeiten. Sie sehen BTC als Hedge und erwarten daher konsequenterweise auf langfristige Sicht auch einen höheren Preis. Egal ob wir Raoul Pal, PlanB oder die Winklevoss-Zwillinge als Referenz nehmen: Sie alle schätzen die Härte von Bitcoin als eines der wichtigsten Eigenschaften. Gerade die von Jerome Powell beschlossenen Änderungen in der US-Geldpolitik verleihen dieser Eigenschaft nochmal eine stärkere Bedeutung.

Empirisch lässt sich dies auch nachfolgenden Chart zeigen. Dieser stellt nämlich den Bitcoin Preis, die Anzahl an HODLer sowie die Anzahl an Spekulanten ins Verhältnis. Als HODLer gelten dabei alle Adresse, die einen Bitcoin für mindestens 1 Jahr halten. Spekulanten sind diejenigen, die ihre BTC in den letzten 90 Tagen bewegt haben.

HODL und Spekulanten BTC

Bitcoin als langfristige Anlage: HODL

Der Blick auf den oben stehenden Chart zeigt also, dass die Anzahl an Hodler in den letzten zwei Jahren massiv zugenommen hat. Immer mehr Menschen betrachten die Kryptowährung als langfristige Anlage.

Damit schließt sich der Kreis: Auch die jüngsten Kursbewegungen sind kein Anlass die eigenen BTC zu verkaufen. Ein langfristiges Investment wird eben an der langfristigen Performance gemessen und nicht an dem, was in wenigen Tagen passiert. 


Bitcoin steigt stark im Preis und kann Kursgewinne verzeichnen. Das Bild zeigt eine Preiskurve sowie gestapelte Bitcoins.Bitcoin Sparplan: Immer wieder wird die Frage nach einer guten Investment-Strategie für BTC gestellt. Mit Hilfe des Cost Average Effekts minimierst du dein Risiko, kannst besser schlafen und profitierst nachhaltig von der langfristigen Entwicklung von Bitcoin und Co. – Einfacher geht es nicht! Wie ein Bitcoin Sparplan funktioniert.


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Daniel Wenz
Autor
Daniel ist 24, hat einen Bachelor of Science als Wirtschaftsingenieur und ist als Content Creator bei Cryptomonday tätig. Seit 2014 ist er aktiv im Krypto-Sektor unterwegs. Dass es dazu kam, hat er einer Vorlesung zu verdanken, in der über das disruptive Potenzial der Blockchain unterrichtet wurde. Seine Interessen umfassen die Technik und das breite Anwendungsgebiet der Technologie – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Um den Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern, hat er selbst ein kleines Startup gegründet. Er beschäftigt sich mit der Verbreitung von BTC-Automaten in Deutschland und wirkte maßgeblich an Videos und Büchern mit.