Er ist wieder da: Der Trash-Talk gegen Bitcoin aus dem Jahre 2017 ist zurück. Wortführer ist dabei ein Analyst der Bank of America, der einige langjährige Kritikpunkte an BTC erneut aufkochen lässt.

Der Analyst der Bank of America, Francisco Blanch, hat Bitcoin (BTC) als „außerordentlich volatil“, „unpraktisch“ und ein umweltschädliches Asset, das als Vermögensspeicher oder Inflationsschutz unbrauchbar ist, verunglimpft. Blanch behauptet zudem, dass die Kryptowährung eine unpraktische Zahlungsmethode sei, da sie nur 1.400 Transaktionen pro Stunde bewältigen könne. Ein Witz verglichen zu den 236 Millionen Transaktionen, die von Visa verarbeitet werden.

Bitcoin hat nichts mit Diversifikation, stabilen Renditen und Inflationsschutz zu tun

Der Bericht, der die harte Haltung widerspiegelt, welche traditionelle Finanzinstitute in den vergangenen Jahren gegen Kryptowährungen eingenommen haben, steht in starkem Kontrast zu anderen großen Banken wie Goldman Sachs und JPMorgan, die vom Trash-Talk gegenüber Bitcoin zu Schmeicheleien übergewechselt sind und BTC inzwischen als Vermögenswert akzeptiert haben.

Blanch widerspricht nämlich der Vorstellung, dass das fixe Angebot von 21 Millionen Bitcoins zwangsläufig den Preisanstieg im Laufe der Zeit vorantreiben wird. Er argumentiert, dass der Preis von BTC durch Angebot und Nachfrage getrieben wird und die schwankende Nachfrage sei das Einzige, was den Preis vorantreibt, da das Angebot – nun ja – eben fix ist. Blanch wies auch die Idee zurück, dass Bitcoin ein sicherer Hafen ist.

Bitcoin ist auch mit Risiko-Assets korreliert, er ist nicht an die Inflation gebunden und bleibt außergewöhnlich volatil, was ihn als Vermögensspeicher oder Zahlungsmechanismus unpraktisch macht. Daher ist das Hauptargument für das Halten von Bitcoin nicht Diversifikation, stabile Renditen oder Inflationsschutz, sondern die schiere Preissteigerung, die davon abhängt, dass die Nachfrage nach Bitcoin das Angebot übersteigt.

Nach Äußerungen wie diesen, fragt man sich doch, was, der Meinung von Blanch zur Folge, sonst zu einer Steigerung eines Vermögenswertes führen soll, wenn nicht eine Nachfrage, die das Angebot übersteigt. Das Bitcoin zudem die beste Wertentwicklung über 10 Jahre aufweist, scheint auch nicht von Belangen zu sein.

Bitcoin (BTC) Performance im Vergleich zu anderen Vermögenswerten
ROI verschiedener Vermögenswerte über die letzten 10 Jahre. Quelle: Twitter, Charlie Bilello

Die Umweltbelastung durch Bitcoin Mining ist nicht mehr zeitgemäß

Ein ganz anderer, aber gerne hervorgebrachter Kritikpunkt, ist die Wahrnehmung der negativen Auswirkungen von Bitcoin auf die Umwelt. Der Meinung von Blanch nach, könnte sie eine Bedrohung für die zunehmende Akzeptanz durch Unternehmen und Institutionen darstellen, da sie im Widerspruch zur „Triple Bottom Line“-Buchhaltung steht, auf die sich klimabewusste Aktionäre zunehmend konzentrieren.

Der Analyst der Bank of America stellte fest, dass Bitcoin einen höheren Kohlenstoff-Ausstoß aufweist als jede andere menschliche Aktivität in Bezug auf Dollar-zu-Dollar-Zuflüsse. Der Bericht schätzt, dass der durch das Bitcoin-Netzwerk verursachte Energieverbrauch in den letzten zwei Jahren um mehr als 200% gestiegen und nun vergleichbar mit den Niederlanden, Griechenland und der Tschechischen Republik sei.

In dem Bericht der Bank steht weiter geschrieben, dass drei Viertel des BTC-Minings in China stattfindet, wo mehr als die Hälfte des Stroms durch Kohle erzeugt wird. Weiter heißt es, dass die Hälfte des chinesischen Minings in der Provinz Xinjiang stattfindet, wo 80% des Stroms aus Kohle stammt.

Diese Behauptung ignoriert die saisonale Migration von Minern nach Sichuan, um während der Regenzeit von der billigen Wasserkraft zu profitieren. Coinshares schätzt, dass Miner in der Provinz Sichuan für 50%-66% der globalen Hashrate verantwortlich sind. Diese Tendenz wird auch durch die 3rd Global Cryptoasset Benchmarking Studie, die von der University of Cambridge veröffentlicht wurde, unterstützt. Laut der Studie werden bereits bis zu 39% des gesamten Proof-of-Work-Minings weltweit mit erneuerbaren Energiequellen, meist Wasserkraft, durchgeführt. Andere Schätzungen setzen die Zahl hierfür noch weitaus höher an.

Bitcoin zu kaufen ist so umweltschädigend wie eine Flotte von Autos zu fahren

Ungeachtet dessen hält der Analyst in seinem Bericht fest, dass steigende Preise die Schwierigkeit des Minings erhöhen, was unweigerlich zum Kohlenstoffausstoß des Bitcoin-Minings beiträgt.

Die steigende Komplexität des Systems schafft letztlich einen ökologischen Teufelskreis aus steigenden Preisen, steigender Hashrate, steigendem Energieverbrauch und letztlich steigenden CO2-Emissionen.

In dem Bericht wird die Rechnung aufgestellt, dass eine Investition von 1 Milliarde Dollar in Bitcoin die gleichen Kohlenstoff-Emissionen erzeugt wie 1,2 Millionen benzinbetriebene Autos im Laufe eines Jahres. Das bedeutet, dass Teslas Investition von 1,5 Milliarden Dollar gleichbedeutend damit ist, jedes Jahr 1,8 Millionen benzinbetriebene Autos auf die Straßen zu bringen, was die ökologische Glaubwürdigkeit des Elektroautoherstellers untergräbt.

Doch nicht nur Tesla sondern auch die Einzelhändler bekamen ihr Fett weg. Der Analyst hält nämlich fest:

Ein einziger Bitcoin-Kauf zu einem Preis von ~50.000$ hat einen Kohlenstoff-Fußabdruck von 270 Tonnen, das Äquivalent von 60 ICE [Benzin] Autos.

Ohne weiter Kritik zu üben, wies Blanch auch darauf hin, dass 181 Unternehmen Risiken im Zusammenhang mit Bitcoin haben und zwar in Bezug auf „Geldwäsche, Korruption, Bestechung, Betrug und Verletzung des Datenschutzes“. Zudem stellen seiner Meinung nach die digitalen Währungen der Zentralbanken auch eine enorme langfristige Bedrohung für Bitcoin dar.

Während wir alle daran interessiert sind, oder es zumindest sollten, dass es zukünftig keinen Platz mehr für das Wirtschaften auf Kosten der Umwelt gibt, ignoriert Herr Blanch die bereits massive Bewegung des Bitcoin-Mining-Sektors in Richtung erneuerbarer und damit umweltfreundlicher Energie. Ungeachtet dessen kocht dieses Thema gegen Bitcoin immer wieder auf, doch warum?

Du sorgst dich um unsere Umwelt? Dann ist Bitcoin das falsche Thema

Gerade bei dem „umweltbewussten“ Deutschen mag diese Art der Kritik auf offene Ohren stoßen. So hört man nicht selten in Diskussionen „…aber was ist denn mit der hohen Umweltbelastung durch das Bitcoin Mining“.  Hier sind ein paar harte Fakten für uns:

Obwohl bereits rund 8% der Deutschen sich vegan oder vegetarisch ernähren, liegt der durchschnittliche Fleischkonsum in Deutschland (Kinder mit einbezogen) bei 60kg pro Bürger. 98 Prozent unseres Fleisches kommt dabei aus der Massentierhaltung. Eine Industrie, die unbestritten der größte CO-2-Treiber weltweit ist. Sie ist damit schädlicher für unsere Umwelt, als der gesamte Transportverkehr auf Straßen, auf See und in der Luft zusammengenommen.

Alleine die 4,5 Millionen Tonnen Sojaschrot, die pro Jahr in Deutschland in der Massentierhaltung verfüttert werden, machen in etwa 2,5 Millionen Tonnen CO-2-Ausstoß pro Jahr aus und diese Zahlen beziehen sich nur auf Deutschland alleine, einen zugegebenermaßen recht kleinen Fleck auf der Weltkarte mit einer verhältnismäßig übersichtlichen Bevölkerungsanzahl. Wer also das nächste Mal über die Umweltbelastung durch Bitcoin sinniert, kann sich zur Abwechslung diese Zahlen anstelle eines saftigen Steaks auf der Zunge zergehen lassen.

Wie sagt man im Englischen so schön? Keep your eyes on your own plate.