Zwei Promoter des Crypto-Ponzi-Schemas OneCoin wurden im vergangenen Monat in Mexiko tot aufgefunden.

In einem Bericht von La Tercera vom vergangenen Freitag hieß es, dass die Leichen, die als Oscar Brito Ibarra und Ignacio Ibarra (offenbar allerdings nicht miteinander verwandt) identifiziert wurden. Ihre Leichname sollen am 30. Juni von der örtlichen Polizei in Koffern gefunden worden seien. Die Koffer wurden auf einem leeren Grundstück in Mazatlan in der Region Sinaloa deponiert, einer Küstenstadt, die etwa 1.000 Kilometer von der Hauptstadt des Landes, Mexiko-Stadt, entfernt liegt.

Die Todesursache war nach Angaben der örtlichen Polizei, die den Fall als Doppelmord behandelt, Ersticken.

OneCoin soll 4 Milliarden Dollar ergaunert haben

OneCoin gehört aufgrund seiner globalen Verbreitung zu den bekanntesten Crypto-Scams. Das Ponzi Schema wird mittlerweile auch offiziell von Staatsanwälten in den USA und anderswo als offensichtlicher Scam bezeichnet.

Das Gesicht hinter OneCoin war das Paar Konstantin Ignatow und Ruja Ignatova, wobei letztere besser unter ihrem Pseudonym ‚CryptoQueen‘ bekannt ist. Sie und Sebastian Greenwood waren die Drahtzieher eines globalen Scams, der in Summe 4 Milliarden US-Dollar in die Kassen der Betrüger spülte.

Im November letzten Jahres verurteilte eine Jury den Anwalt von OneCoin, Mark Scott, der für schuldig befunden wurde, 400 Millionen Dollar für das System gewaschen zu haben.

Der mutmaßliche Anführer des Betrugs, Konstantin Ignatow, wurde bereits zum zweiten Mal verurteilt, während er weiterhin mit der US-Staatsanwaltschaft zusammenarbeitet.

Ruja Ignatowa, die Gründerin von OneCoin, ist nach wie vor auf der Flucht vor der Strafverfolgung. Die offizielle Webseite des Scams wurde Ende 2019 abgeschaltet, doch in vielen Teilen der Welt wird das Projekt nach wie vor beworben.

Wurde den Opfern ihre Betrügereien zum Verhängnis?

Auch wenn viele Details zum Doppelmord noch fehlen, ist bekannt, dass Oscar Brito Ibarra und Ignacio Ibarra in Verbindung zu OneCoin standen.

Oscar war chilenischer Staatsbürger, während Ignacio aus Argentinien stammte. Beide Männer, die als Komplizen bekannt gewesen sind, waren zwei Tage zuvor in Villa Carey, einem anderen Stadtteil von Mazatlan, entführt worden.

Die beiden waren an der Promotion des vermeintlichen Crypto-„Investitionsprogramms“ OneCoin in ganz Lateinamerika beteiligt gewesen. Berichten zufolge hatten sie zahlreiche Personen davon überzeugt, über eine Organisation namens Latin American Automotive Marketing Company (CLA), die Kryptowährungen für Autokäufe akzeptierte, in OneCoin zu investieren.

Bei der CLA förderten Oscar und Ignacio Autoverkäufe an die Opfer, indem sie behaupteten, sie könnten bessere Angebote erhalten, wenn sie das OneCoin-System für den Kauf verwendeten.

Im Juni reiste das Duo nach Mazatlan, um für die CLA zu werben, aber kurz nach ihrer Ankunft wurden beide tot aufgefunden. Inwieweit ihr Tod in direkter Verbindung mit ihren OneCoin-Machenschaften steht, scheint derzeit unbekannt zu sein.

Der Staatsanwalt Raziel Garcia, der in Sinaloa in diesem Fall ermittelt, sagte gegenüber La Tercera:

Das Einzige, was ich Ihnen sagen kann, weil es sich um eine Morduntersuchung handelt und es viel Geheimhaltung gibt, ist, dass sie weit fortgeschritten sind, sehr weit fortgeschritten.

Sind Oscar und Ignacio Opfer des Kartells geworden?

Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der U.S. Drug Enforcement Administration (DEA) bietet eine These an, die möglicherweise zu den Umständen ihres Todes geführt haben könnten.

Der Studie zufolge haben einige mexikanische Kartelle, wie Los Zetas, Jalisco Nueva Generación und das Sinaloa-Kartell, seit einiger Zeit Geld mit virtuellen Währungen gewaschen. In dem Dokument heißt es:

Es gibt Beweise für die Verwendung von Kryptowährung durch mexikanische transnationale kriminelle Organisationen als Mittel zum Transfer ihres internationalen Reichtums.

Der interne Krieg des Sinaloa-Kartells hat sich in den letzten Monaten verschärft. Der Konflikt um die Nachfolge des ehemaligen Anführers „Chapo“ hat die Zahl der Gewaltverbrechen in Sinaloa erhöht. Allein im Mai wurden 72 Tötungsdelikte registriert.

Seine Freunde bestehen jedoch darauf, dass Oscar nicht in ein solches Geschäft verwickelt gewesen wäre. Es passte nicht zu seinem Profil. Sie befürchten, dass er das Geschäft, in das er verwickelt war nie wirklich verstanden hat. Eine Quelle sagte aus:

Er war ein Mann von Integrität, er hatte Werte, er wollte vorankommen.

Bislang hat sich die Familie Brito Ibarra geweigert, öffentlich über den Tod ihres ältesten Sohnes zu sprechen. Ihre Energien konzentrieren sich darauf, den Leichnam für seine Beerdigung in Santiago zu überführen. Die Schließung der Grenzen und das Coronavirus haben das Verfahren, an dem auch das chilenische Außenministerium beteiligt ist, verzögert.