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Steem Skandal spaltet Crypto Szene - Tron CEO und Börsen zerstören Dezentralisierung

Steem Skandal spaltet Crypto Szene - Tron CEO und Börsen zerstören Dezentralisierung

Zuletzt aktualisiert am 22nd Sep 2022
Hinweis

Justin Sun, CEO von Tron, gerät aktuell unter die Räder der Crypto-Community. Dieses mal geht es um keinen stupiden Marketing-Move, sondern die gewaltsame Übernahme der Steem Blockchain, nachdem Justin Sun die Social Media Plattform Steemit Inc. vor wenigen Wochen aufgekauft hat. In diesen Fall sind auch die großen Exchanges Binance, Huobi und Poloniex verwickelt, die wohl die STEEM Funds der eigenen User genutzt haben, um Justin Sun bei der Übernahme zu helfen. Dadurch wird die Kritik bezüglich delegated Proof-of-Stake (dPoS) immer heftiger.

Ich versuche etwas Licht ins Dunkel zu bringen, denn die Lage kann aktuell kaum verwirrender sein. Ebenso gehe ich anhand des aktuellen Beispiels auf die Vorteile einer echten dezentralen Blockchain wie bei Bitcoin ein. 

Justin Sun und die STEEM Token der Steemit Inc.

Am 14. Februar 2020 hat Justin Sun bekanntgegeben, dass er Steemit Inc. gekauft hat und die Plattform bald auf die Tron Blockchain integriert wird. Diese Ankündigung war aber nur der Anfang. Um die Zusammenhänge besser zu erkennen, muss man verstehen, dass Steemit nicht gleich Steem ist.

Steemit ist die größte dApp (dezentrale Applikation) auf Steem, eine Open-Source Blockchain. Somit hat Justin mit dem Kauf keinen direkten Einfluss über die Steem-Blockchain erhalten, sondern lediglich über eine der vielen dApps auf Steem. Oder doch nicht?

Denn Justin Sun hat mit dem Kauf von Steemit auch einen Pool von ca. 75 Mio. STEEM, den nativen Token der Steem-Blockchain erworben. Dieser Pool an „premined“ STEEMs wird von der Community auch als „Steemit Inc ninja-mined stake“ bezeichnet und ist verpönt in der Szene. Projekte die zum größten Teil aus dem „Nichts“ erschaffen wurden, also premined sind, haben mit Dezentralisierung nicht wirklich viel zu tun.

Das gilt besonders in diesem Fall, denn bei Steem handelt es sich um einen delegated Proof-of-Stake (dPoS) Konsensus-Algorithmus. Hier entscheiden die größten Stakeholder darüber, wer die Validatoren („Witnesses“) im Netzwerk darstellen. Diese erfüllen eine ähnliche Aufgabe wie die Miner bei Bitcoin und die Blockproducer bei EOS.

So weit so gut. Widmen wir uns nun nochmal dem „Ninja-mined stake“ und warum dieser immer wieder für Probleme gesorgt hat.

Ninja-Mined Stake der Steemit Inc.

Der „ninja-mined stake“ ist nicht nur die engste Verbindung zwischen Steemit und der Steem Blockchain, sondern auch Brandherd für Zentralisierung-Vorwürfe und FUD.

Der CEO von Steemit, Ned Scott, hat der Community immer wieder versichert, dass er seine STEEM Token nicht dazu nutzen wird, um für bestimmte Witnesses zu stimmen. Das hat der Community genug Gewissheit gegeben, dass der „ninja-mined stake“ nicht mehr relevant war.

Doch mit dem Kauf der Social Media Plattform ist der rechtmäßige Besitzer dieser Token Justin Sun. Zwar gibt es aktuell keine Details zu den genauen Kaufbedingungen aber durch die kürzliche Aktion von Justin Sun, ist davon auszugehen, dass die Token nun in seinem Besitz sind.

Das Drama fängt jetzt erst an…

Soft-Fork, um Justin an der Übernahme der Steem Blockchain zu hindern

Aufgrund dieser neu aufgekommenen Gefahr, die Macht im Netzwerk an Justin Sun zu verlieren, wurde am 23. Februar ein Soft Fork der STEEM Community Leader durchgeführt. Im Zuge dieses Forks wurden die Token der Steemit Inc. gesperrt. Somit könnte Justin die Token nicht mehr dazu nutzen, um in irgend einer Form Kontrolle über das Netzwerk zu bekommen.

Hier die offizielle Ankündigung der STEEM Community Leader:

In diesen frühen Phasen besteht die wichtigste Aufgabe für Wtinesses [Steems Version der Bitcoin Miner oder EOS-Block Producers] darin, die Sicherheit der Steem-Blockchain zu gewährleisten. Zu diesem Zweck haben wir ein temporäres Schutzprotokoll aktualisiert, um den Status quo, der derzeit in Bezug auf die Beteiligung von Steemit Inc. und deren beabsichtigte Verwendung festgelegt ist, aufrechtzuerhalten.


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Tron-CEO bekommt zusammen mit Binance, Huobi und Poloniex die Mehrheit auf Steem

Daraufhin hat Justin Sun dieses Vorgehen in einem Blog stark angeprangert und darauf verwiesen, dass die gesperrten Funds dazu genutzt werden, um die Community weiterhin zu motivieren und Entwickler auf der Steem Blockchain zu bezahlen.

Zudem ist es nicht im Sinne einer dezentralen Blockchain, wo plötzlich Token gesperrt werden können und Nutzer möglicherweise nicht mehr an ihre Funds kommen. Seine Intention ist zusammen mit Tron für eine noch größere Reichweite zu sorgen und das Steemit Ökosystem weiter zu stärken.

Deswegen hat er sich dazu entschieden, die Steem Blockchain für einige Wochen zu übernehmen. Dies soll helfen die Ordnung der Community wieder herzustellen und gleichzeitig ein offenes Treffen mit den Community-Mitgliedern und Witnesses zu veranlassen, um über die weitere Pläne gemeinsam zu diskutieren. Ziel ist es, die Steem-Blockchain vor schlechten Akteuren zu schützen, Transparenz zu schaffen und Vorschläge und Ratschläge der Community zu erhalten.

Nach 4-6 Wochen wird die Kontrolle über die Steem Blockchain wieder an die Community abgegeben, so das Steemit Team (Justin Sun).

Doch wie hat Justin Sun es geschafft die Kontrolle über ein Netzwerk zu bekommen, wenn der einzige Stake, der er zu diesem Moment gehalten hat (Steemit Inc. Funds) gesperrt waren? Jetzt wird es nämlich erst richtig wild, denn hier können wir unseren Blick auf ein paar große Börsen werfen, die bunt in diesem Desaster mitgewirkt haben. Dabei sind: Binance, Huobi und Poloniex. Sidefact: Justin Sun ist Anteilseigner von Poloniex.

Mehr Drama gefällig? Einfach weiterlesen.

Binance und Co. haben die Funds der eigenen Nutzer für das Voting verwendet -- geht das?

Die Börsen haben die STEEM der eigenen Nutzer benutzt, um eine Mehrheit im Netzwerk zu erreichen und somit neue Witnesses zu bestimmen. Im gleichen Schritt wurden auch die gesperrten STEEM Token der Steemit Inc. freigeschaltet und auf die Exchanges übertragen, um die Machtstellung zu vergrößern.

Schlimm an der Geschichte ist wohl, dass Exchanges die Funds der eigenen Nutzer ausgenutzt haben, um eine Mehrheit auf der Steem Blockchain zu erreichen. Viel absurder ist aber, dass die STEEM Token, die für das Voting genutzt werden, für ca. 14 Wochen gesperrt sind.

Somit könnten die Nutzer, die ihre Token auf einer Exchange liegen haben und die unrechtmäßig für ein Voting genutzt wurden, keine STEEM Token mehr abheben. Das wäre natürlich der absolute Supergau. Diese Sperre könnte aber auch durch eine Mehrheit, die nun auf der Seite von Justin Sun liegt, aufgehoben werden.

Dezentralisierung Fehlanzeige. #ownyourkeys

CZ und Justin werden hart kritisiert

CZ, der CEO von Binance, muss sich nun auf Twitter harter Kritik stellen. Nach einem enormen Druck aus der Community, hat CZ angekündigt, dass das Voting von Binance vielleicht zurückgezogen wird. Er hätte wohl nicht gedacht, dass es so einen Shitstorm geben wird und dass seine eigene und die Reputation seiner Börse ebenfalls drunter leiden würde.

Justin Sun hingegen behauptet nach wie vor, dass es ein notwendiger Schritt war, um die „Hacker“ an der Übernahme des Netzwerkes zu hindern.

Damit das an dieser Stelle klar wird: unter „Hacker“ meint Justin legitime Validatoren der STEEM Community. Daraufhin gab es natürlich noch mehr Kritik aus der Community und Justin Sun sieht sich mit Scammer Vorwürfen konfrontiert. Mal wieder…

Viele Entwickler sind extrem enttäuscht von der aktuellen Situation. Es gibt mittlerweile einige dApps auf der Steem Blockchain und es wird fleißig an weiteren entwickelt. Durch die Übernahme von Justin alias Tron sehen sich einige Entwickler dazu genötigt, auf eine andere Blockchain zu wechseln, die „wirklich“ dezentral ist.

Dennoch halten sich die Community und die Entwickler an der Steem Blockchain fest und hoffen auf eine Lösung des Problems. Binance hat ja bereits zurückgerudert.

UPDATE von CZ

Dem Druck der Community zu Folge hat der Binance CEO „CZ“ das Vorum der Plattform zurückgenommen. Er will Neutralität behalten und sich als Börse nicht an einer Blockchain-Governance beteiligen. Späte Einsicht, aber immerhin die wohl einzig richtige Entscheidung. Doch was lernen wir nun aus diesem Drama?