Der CryptoMonday Cologne

Der CryptoMonday CGN ruft die Kölner Bitcoin Meetup Community jeden Monat zum Austausch rund um Blockchain Technologie auf. Was passiert in der Kryptowelt, welche interessanten Projekte und Use Cases gibt es derzeit? Beim CryptoMonday stellen wir diese für und mit der Community vor.

Lukas Fiedler: Der Altcoinspekulant

Lukas Fiedler beschäftigt sich in diversen Projekten mit Kryptowährungen und Initial Coin Offerings (ICOs), einigen wird er als “Der Altcoinspekulant” bekannt sein. Der Altcoinspekulant ist ein Blog zum Thema Kryptowährungen, den Lukas von Marc Bettinger übernommen hat. Über diesen Blog kam Lukas zu IPCHAIN Database, ein Projket in dem er mittlerweile selbst aktiv ist.

Was sind ICOs?

Immer häufiger finanzieren sich Blockchain Projekte über ICOs und Token Sales. Über diese Methode lässt sich für Startups Geld in einem relativ kurzen Zeitraum einsammeln.

Eine ICO, Initial Coin Offering, meint, dass man virtuelle Coins nicht wie bei Bitcoin durch Miner entstehen lässt, sondern sie vorab verkauft. […] Eine ICO ist nicht die einzige, aber bislang die bei weitem erfolgreichste Anwendung von Blockchain-Token. (Bitcoinblog)

The Rise of ICOs

Seit 2014 sind ICOs bereits Thema, allerding kam das ganze erst mit der DAO im Jahr 2016 richtig in Fahrt. DAO — Decentralized Autonomous Organisation. Erstmals sammelte ein ICO über 140 Millionen US $.

Dezentral, autonom, menschenlos: Die Investmentfirma DAO existiert nur als Code. 140 Millionen US-Dollar hat sie gesammelt. Zwei Deutsche haben sie programmiert. (Die ZEIT)

Nach dem Erfolg von DAO ging es dann im Jahr 2017 richtig los, seitdem schießen täglich unzählige neue ICOs aus dem Boden, der Markt wird unübersichtlich. Welche ICO Typen gibt es also, wie erkennt man Scam und wonach wählt man sein Investment am besten aus?

ICO Typen

Airdrops

Keine klassische Form von ICOs, vielmehr eine Form der Token Distribution, sagt Lukas Fiedler und ist selbst vorsichtig: “Airdrops werden sehr gerne als Marketinginstrument benutzt und erfüllen darüber hinaus häufig keinen Sinn.”

In wenigen Fällen verhelfen Airdrops einem Projekt tatsächlich zum Leben, wenn dadurch etwa eine Community aufgebaut wird. In der Regel rät Lukas vom späteren Kauf solcher Token auf der Börse allerding ab.

New Ecosystem (IOTA, etc.)

Unter dem “Neuen Ökosystem” versteht Lukas Fiedler ICOs wie IOTA, oder Lisk. Also ICOs, die ihre eigenen Blockchains betreiben und eigene Ökosysteme aufbauen.

Interface ICOs

Interface ICOs sind solche, die wir dieser Tage am häufigsten sehen. Lukas´ Beispiel sind Startups, die mit dem ICO ihr eigenes Ethereum Wallet mitliefern. Dort kann dann mit Fiatgeld oder verschiedenen digitalen Währungen investiert werden.

Simple ERC20- oder Smart Contract ICOs

Bei den klassischen ERC20 ICOs haben wir einen Smart Contract, an den Ether gesendet und direkt im Austausch Token ausgeschüttet werden.

Ende 2015 haben die Ethereum-Entwickler Fabian Vogelsteller und Vitalik Buterin den ERC20 Token Standard veröffentlicht. Dieser ist “ein Standard Interface für Token” auf der Ethereum Blockchain. Dieser enthält “die Basisfunktion, Token zu transferieren” und soll es jedem Token auf Ethereum erlauben, “von anderen Anwendungen, von Wallets zu dezentralen Börsen, benutzt zu werden.” (Bitcoinblog)

How to analyse an ICO

1. Use Case

Erste und für Lukas Fiedler wichtigste Frage bei der Analyse eines ICOs ist der Use Case und damit verbunden die zentralen Fragen: bringt der ICO überhaupt Nutzen auf dem Markt und würde ich selbst für dieses Produkt oder die Dienstleistung Geld bezahlen? Existiert dementsprechend ein Markt und welche Wettbewerber konkurrieren bereits mit dem Anbieter? Wie ist der Status der Entwicklung?

Besonders zum gegenwärtigen Zeitpunkt sollte man sich auch die Frage stellen, warum setzt ein Projekt auf Blockchain? Macht die Technologie im jeweiligen Use Case wirklich Sinn, oder handelt es sich lediglich um ein Buzzword um die Attraktivität für etwaige Investoren zu steigern?

2. ICO Struktur

Ist man davon überzeugt, dass es sich um einen sinnvollen Use Case handelt, sollte man sich die ICO Struktur genauer ansehen.

Um welchen ICO Typ handelt es sich und wieviel Prozent behält der ICO von seinen eigenen Token ein?

Eine interessante Frage, denn wie Lukas Fiedler berichtet, gibt es momentan den Trend bei ICOs, nur 30–40% ihrer Token zu verkaufen und den Rest im Team zu halten. Seine Herangehensweise: liegt der Verkauf der Token unter 50%, kommt der ICO für ihn als Investor nicht in Frage.

Hat das Projekt ein Hard Cap?

Dahinter verbirgt sich die Frage, ob es beim Token Sale eines Projektes eine realistische Obergrenze gibt. Investoren sollten ein Gefühl dafür bekommen, wieviel Geld in etwa benötigt wird, um ein Projekt zu realisieren.

Denn wichtig zu wissen ist, dass im Falle eines Soft-Caps, also ein Token Sale ohne Obergrenze, das überschüssige Geld nicht ausgeschüttet wird, sondern dem Startup gehört.

Wie sieht das rechtliche Setup eines ICOs aus?

Diese Frage ist nicht nur besonders zentral, sondern auch besonders kompliziert, zumal auch abhängig vom jeweiligen Recht des Landes, in dem ein ICO stattfindet.

Hier geht es nicht nur um wichtige steuerrechtliche Fragen, die vor und während eines Investments geklärt sein müssen, auch grundlegende Fragen sollten sich vorher gestellt werden: wie ist das Projekt grundsätzlich rechtlich gesichert? Ein Blick, wenn möglich, auf die Anwälte eines Projektes schadet nicht.

Macht der ICO einen KYC?

KYC — Know Your Customer. Natürlich will ein Projekt mit seinem ICO vorrangig eines: Geld einsammeln. Die Zeiten des Wilden Westens sind dafür allerdings vorbei, Regulierungen greifen stärker. Die Verifikation von Investoren und der Herkunft des Geldes sind Grundvoraussetzung geworden.

Eine Voraussetzung für Startups, ihren ICO rechtskonform zu gestalten, ist der KYC. Als KYC wird eine, speziell für etwa Kreditinstitute, vorgeschriebene Legitimationsprüfung von Neukunden zu Verhinderung von Geldwäsche bezeichnet.

Prüft ein ICO die Identität seiner Investoren nicht, sollte von einem Investment abgesehen werden, denn kein KYC kann bedeuten, dass Geld was in Form von Ether oder Bitcoin vorhanden ist, nie in Fiatgeld zurück getauscht werden kann.

[…] Das Legal Setup sollte man aktuell vor dem ICO (sogar vor dem Pre-ICO) erstellt haben. Ist dies nicht der Fall, so kann die Gründung einer Foundation oder der Erhalt eines Bankkontos äußerst schwierig werden, da man nachweisen muss, woher das Geld kommt, das man eingesammelt hat. Ich vermute daher stark, dass auch ein komplettes KYC zum Standard kommender ICOs wird. (Der Altcoinspekulant)

Wie hoch ist der effektive Bonus des ICO?

Viele ICOs werben besonders zu Beginn mit Pre-Sales und Boni für Investoren. Diese sollten sich allerdings genauer angeschaut werden und in keinem Fall alleinige Grundlage für ein Investment sein. Sehr hohe Boni für alle Investoren, die in der Staffelung nie auf 0% gehen, führen außerdem dazu, dass der effektive Bonus für den einzelnen nur noch gering ausfällt, warnt auch Lukas Fiedler.

Wichtig ist entsprechend ein detaillierterer Blick auf die genauen Bonusstrukturen eines ICOs.

3. Team

Wenn jetzt sowohl der Nutzen des Projektes, als auch sein Aufbau und die Struktur überzeugt haben, bleibt noch der Blick auf die Personen, die dahinter stehen: das Team.

Wie ist das Team aufgestellt, was kann man über die Personen in Erfahrung bringen? Sind die Team Mitglieder in entsprechenden Telegram Channels aktiv und sichtbar? Welche Erfahrung und Kompetenzen bringt das Team mit? Diese Fragen sind für ein gutes ICO Investment nicht minder entscheidend, als die Frage nach seinem Nutzen und seiner Struktur.

6 Tipps für erfolgreiches ICO Investment

Zusammengefasst gibt Lukas Fiedler all denjenigen, die zukünfitg in ICOs investieren möchten sechs Ratschläge mit auf den Weg:

  1. Highest Bonus Possible. Wenn man in einen ICO investieren möchte, entweder zum höchstmöglichen (effektiven) Bonus, oder gar nicht.
  2. Don´t FOMO. Vermeidet die “Fear Of Missing Out” und trefft keine irrationalen, unüberlegten Investitionsentscheidungen.
  3. HODL. Verkauft nicht mit Verlust und geht von Beginn an nur mit Geld rein, dass ihr zur Not auch verlieren könnt.
  4. Buy out your initial invest. Setzt euch ein Limit, ab dem ihr euer initiales Investment wieder rauszieht, um keinen Verlust machen zu können.
  5. Zahlt Steuern. Setzt euch mit den Steuerregularien für euer Trading auseinander und zahlt die entsprechenden Steuern. Findet in Idealfall einen Steuerberater, der auf diese Form des Investments spezialisiert ist, denn derzeit kursieren viele unterschiedliche Informationen zu dem Thema.
  6. Diversifiziert euer Portfolio. Keine willkürlichen ICO Investments, zu denen man sich nicht ausreichend informiert hat, setzt euer Portfolio sinnvoll zusammen. Wie ihr das allgemein- nicht ICO spezifisch- am besten macht, könnt ihr hier nachlesen.
[Titelbild: R_Tee/Shutterstock.com]
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Autor
Lara zieht als als Product Ownerin und Redakteurin die Fäden hinter den Kulissen von Base58. Als Marketing- und Content-Managerin für einen Coworking Space und Startup-Hub mit Fokus auf Innovation, fand sie ihre Begeisterung für die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen. Lara studierte Islamwissenschaften, Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen und arbeitete als Dozentin sowie an interdisziplinären Forschungsinstituten.