Der Handel auf der Cryptobörse ShapeShift ist in Zukunft nur noch mit Account und nach KYC -(Know your Customer)-Prozess möglich. Zerstört sich ShapeShift dadurch selbst?

Die Cryptobörse ShapeShift ist dafür bekannt, dass man über sie anonym und ohne Angabe von privaten Daten Kryptowährungen handeln kann. Am Dienstag gab Shapeshift in einer Pressemitteilung bekannt, dass sich das ändern wird.

Das Unternehmen hat ein neues Treueprogramm mit dem Namen „ShapeShift-Mitgliedschaft“ eingeführt. Nutzer müssen für die Mitgliedschaft ein Konto an der Börse eröffnen und dort ,,grundlegenden persönlichen Daten“ angeben. Die Mitgliedschaft ist zwar derzeit noch freiwillig, wird aber in Kürze für alle Benutzer obligatorisch werden.

Mitglieder erhalten wohl „Sondervorteile“ wie ,,höhere Handelslimits, Belohnungen für das Handelsvolumen, bessere Preise, private Markt- und Handelsdaten sowie einen frühzeitigen Zugang zu neuen Coins, Produkten und Dienstleistungen„. Da aber Nutzer bald keine Wahl mehr haben und Mitglied werden müssen, um die Plattform nutzen zu können, sind dies nicht wirklich „Special Benefits“.

ShapeShift ändert das Geschäftsmodell

Die Einführung eines Benutzerkontos ist eine signifikante Veränderung gegenüber dem bestehenden Geschäftsmodell von ShapeShift. Eine „No-Account-Börse“ zu sein, war ihr Alleinstellungsmerkmal. Die Benutzer konnten dort Kryptowährungen handeln, ohne sich registrieren oder ihre persönlichen Daten angeben zu müssen.

Gründer und CEO Eric Voorhees begründet die Änderung mit den Wünschen vieler Nutzer, die gerne kontobezogene Funktionen hätten: Transaktionshistorie, gespeicherten/auf der weißen Liste stehenden Adressen und E-Mail-Benachrichtigungen etc. Außerdem sei ShapeShift interessiert an der Entwicklung von Token-basierten Loyalitätsprogramme.

Ein weiterer Grund, den Eric Voorhees nennt, sind Regularien:

,,Die Praxis, dass Kunden zur Übergabe personenbezogener Daten verpflichtet werden, ist eine, mit der wir seit ihrer Gründung zu kämpfen haben. Da die Digital-Asset-Technologie nach wie vor eine rechtliche Grauzone darstellt, müssen wir bei der Gestaltung des regulatorischen Umfelds umsichtig und umsichtig vorgehen.“

ShapeShift wird KYC und AML integrieren

Sehr wahrscheinlich ist, dass diese regulatorische Hürden die Ursache für die Änderung bei ShapeShift sind.
Der Crypto-Markt wird weltweit immer stärker reguliert. Cryptobörsen müssen ihre Kunden mit dem KYC (Know-your-Customer) und AML (Anti-Geldwäsche)-Gesetz prüfen, bevor sie die Nutzer zum Handeln zulassen.

Die Crypto-Community zeigt sich enttäuscht von der Ankündigung.

,,Ich bin sehr enttäuscht, dass @ShapeShift_io KYC einführt.
Dies zeigt nur, dass jede zentralisierte Einheit in diese Richtung gedrängt werden wird, weshalb LN [Lightning Network], Atomic Swaps und dezentrale Börsen der einzige Weg sind, sich der Überwachungsökonomie zu widersetzen.“

Angesichts der bevorstehenden Veränderung des Geschäftsmodells von Shapehift ist schwer zu erkennen, wie es als Unternehmen überleben kann. Ohne den „No-Accounts“-Vorteil wird es definitiv schwierig sein, mit populären Cryptobörsen wie Binance, BitMEX, OKEx, etc. zu konkurrieren.

[Bild: Jarretera/Shutterstock]
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Autor
Valerie ist Redakteurin für Base58. Seit dem DAO-Hack 2016 interessiert sie sich für die Auswirkungen der Blockchain-Technologie auf die Gesellschaft. Valerie studierte Politikwissenschaft und Soziologie. Sie arbeitete in verschiedenen Unternehmensberatungen und schrieb bereits für ein netzpolitisches Online-Magazin. Sie engagiert sich darüber hinaus in der netzpolitischen Szene zu rechtlichen und politischen Regularien der Blockchain.