Eines der Themen (vielleicht auch das Thema), das in den letzten Wochen die meiste mediale Aufmerksamkeit auf sich zog, war Facebook mit seinem Coin namens Libra. Libra wird eine ‚Kryptowährung‘ sein, die in ihrer Funktion mit einem Stablecoin zu vergleichen ist und es den Nutzern des Facebook Kosmos (Facebook, WhatsApp und Messenger) ermöglichen soll, Zahlungen damit zu tätigen.

Mit Libra bricht Facebook einige der best-practices hinsichtlich Design und Konzeption einer (dezentralen) Kryptowährung (Stichwort Validatoren und Zentralisierung). Ferner möchte Facebook mit einem neuen Standard eine noch größere Kontrolle über unsere digitalen Identitäten erlangen.

In dem ersten Teil des Artikels hast du erfahren, was hinter dem Begriff der ‚digitalen Identität‘ steckt und welcher Zusammenhang zu Facebook und Libra besteht. In diesem zweiten Teil wirst du erfahren, warum es so wichtig ist die Kontrolle über die digitale Identität zu behalten und wie du dies erreichen kannst.

Unser Artikel basiert auf dem aktuellsten Blog Post von helix id, ein Startup, welches sich dem Thema Selbst-Souveräner und digitaler Identitäten (SSID) widmet und diese mit Hilfe von Blockchain lösen will.

Eine Zusammenfassung des ersten Artikels

Im ersten Teil des Artikels wurde klar, dass Facebook mit der Einführung von Libra seinen Wissens- und Wettbewerbsvorteil weiter ausbauen wird. Die Macht in Facebooks Händen wird stark konzentriert. Durch Libra erhält der Social Media Gigant mehr Wissen über deine digitale Identität. Libra ist hierbei eines der Tools von Facebook, um Wissen über die digitale Identität zu sammeln. Eine andere Möglichkeit Daten zu sammeln, erhält Facebook über den Login via Facebook Button.

Und so endete der erste Artikel mit der offenen Frage, wie eine völlig dezentrale Verwaltung der eigenen Identität aussehen könnte und welche Konsequenzen dies (allgemein und auch für Facebook) hätte?

Wie könnte eine solche Lösung aussehen?

Eine schnell umsetzbare (und kurz gegriffene) Lösung wäre es, den Facebook Single-Sign-On durch einen anderen zentralen Anbieter zu ersetzen. Dieser Problemlösungsansatz erinnert an die Politik. Die gleichen Versprechungen und Inhalte werden jetzt von einem anderen Gesicht postuliert, die Probleme bleiben aber bestehen, solange der Prozess der gleiche (hier also zentral) bleibt.

Solange deine gesamte Historie, Reputation und Kontakte an einem einzigen Anbieter hängt, behält dieser die Hoheit über den “Datenschatz”. Diesem Anbieter müsste man also bedingungslos vertrauen. Denn läuft bei ihm etwas schief, kann dies weitreichende Auswirkungen haben. So wird die eigene digitale Identität nämlich auch verwendet, um beispielsweise Bezahlvorgänge zu autorisieren.

Und so könnte man schlussendlich sagen: „Wir befinden uns im Jahr 2019 nach Christus. Ein großer Teil unserer Privatsphäre wird von Facebook kontrolliert… Betrifft dies alle Menschen? Nein! Eine kleine, unbeugsame Gruppe leistet Widerstand: die Cypherpunks.“

Cypherpunks – die Wegbereiter der Privatsphäre?

Gegen den Missbrauch derartiger Macht wehren sich Cypherpunks. Eine der ursprünglichsten Ziele von Cypherpunks, zu denen auch Satoshi Nakamoto zählte, ist nämlich die Bewahrung der anonymen, digitalen Identität. Damit zählen „selbst-souveräne Identitäten“ (SSI) neben digitalem Geld zu einer der wichtigsten Visionen der Cypherpunks. Diese herausragende Bedeutung wurde eigens in ihrem Manifest dokumentiert.

When my identity is revealed by the underlying mechanism of the transaction, I have no privacy. I cannot here selectively reveal myself; I must always reveal myself.

Aus heutiger Sicht ist man zumindest einer der beiden Forderungen näher gekommen – nämlich dem digitalem Geld. Jetzt muss also der Fokus auf selbst-souveränen Identitäten liegen.

Ähnlich wie Kryptowährungen unser Verständnis von Geld und Unabhängigkeit verändern, werden auch SSIs den Umgang mit unserer eigenen Identität prägen. Das Konzept von dezentralen und übertragbaren Identitäten, vermeidet es einem einzelnen Anbieter vertrauen zu müssen, um seine Identität, Reputation, Daten und Privatsphäre zu verwalten.

SSIs gleichen den Staatsbürgerschaften mit nahezu grenzenloser Reisefreiheit. 

Welche Auswirkungen Self-Sovereign-Identities haben

Betrachten wir erneut ein Beispiel, um zu verdeutlichen welche Konsequenzen SSI haben können. Als Beispiel hierfür dient ein Uber-Fahrer.

Uber-Fahrer erhalten nach Beendigung ihrer Fahrt eine Bewertung durch den Kunden. Diese Reputation ist enorm wichtig, da sie vertrauensbildend wirkt und dem Fahrer zu mehr Aufträgen verhilft. Was aber, wenn Uber plötzlich seine Geschäftsbedingungen zum Nachteil der Fahrer ändert? Müssen diese die Bedingungen einfach so hinnehmen?

Plattformunabhängige SSI könnten Uber-Fahrer befähigen ihre guten Bewertungen leicht auf eine andere App mitzunehmen auf denen ihnen bessere Konditionen angeboten werden. Dies könnte ein Mitspracherecht bei den AGB sein, eine eigene Preisgestaltung oder sogar die Bildung von Gewerkschaften und ähnlichen Interessensgruppen.

Schnell wird deutlich: dieser neue Mechanismus würde zwischen Plattformen eine neue Welle der Konkurrenz auslösen. Diese kämpften jetzt darum, wer die besten Funktionen und Freiheiten anbietet, anstatt darum zu kämpfen, wer die größte Marktmacht hat und somit besser Nutzerdaten evaluiert.


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Werden die eigenen Daten zum Geschäftsmodell?

Für Facebook wären Selbst-Souveräne Identitäten das Ende des Datenmonopols. Damit würde sich konsequenterweise auch ihr Geschäftsmodell ändern. Anstatt, dass Nutzer im Facebook-Ökosystem gezwungen wären ihre Daten (wie aktuell) herzugeben, wäre Facebook nun gezwungen sein Geschäftsmodell zu verändern. Denn schließlich könnten Nutzer selbst entscheiden, wer Zugriff auf deren Daten erhält, diese verwertet und anschließend daran verdient. Dies könnte sogar dazu führen, dass Facebook uns plötzlich bezahlen muss, falls es unsere Daten verwenden möchte.

In den nächsten Jahren werden außerdem All-in-one-Wallets auf den Markt kommen, die eine Vielzahl an Funktionen anbieten werden: 

Alle Funktionen für Kryptowährungen, die Verwaltung digitaler Identitäten, die eigene Datenkontrolle und privates Messaging, sowie die Möglichkeit auf Online Dienste wie Shopping zuzugreifen. Ferner sind auch der Zugriff auf Dienste der öffentlichen Verwaltung oder gar die Beteiligung an Wahlen denkbar. Die Funktionen würden damit den “Super-Apps” á la WeChat und Facebook ähneln, hätten jedoch den gravierenden Unterschied, dass sie dezentral und selbst-souverän sind.

Nun ist es so, dass das Konzept selbst-souveräner Identitäten kein futuristisches Hirngespinst ist. SSI sind bereits im Einsatz und viele internationale Startups sammeln bereits Investorengelder ein, um an der Weiterentwicklung dieser Applikationen (und somit auch an einem Mehrwert für uns) zu arbeiten.

Ein gutes, deutsches Beispiel hierfür ist das Frankfurter Startup Blockchain HELIX. Dieses stellt beispielsweise mit der helix id eine Lösung im Bereich von Self-Sovereign-Identities bereit. Mit der (Weiter-)Entwicklung der Applikation wird helix id eine sichere Identity Lösung vorstellen, die eine einfache Anbindung an digitale und analoge Ökosysteme bietet.

Eine erste Anbindung findet die SSID Lösung von helix id übrigens in der am Dienstag vorgestellten Mobility Blockchain Platform von Daimler, in Zusammenarbeit mit 3 weiteren Startups.

Wir alle sind Cypherpunks

Facebook plant also mit seiner Integration aller Messaging-Services und Libra genau das Gegenteil der dezentralen Vision der Cypherpunks.

Befürworter von Kryptowährungen sollten sich nicht darauf verlassen, dass Facebooks zentrale Macht im Internet durch Regulierung gestoppt wird und die allgemeine Medienlandschaft über die Unterschiede zwischen Libra und anderen Kryptowährungen aufklären wird.

Stattdessen müssen wir alle weiter mit unserem Enthusiasmus und der Kraft der Worte Überzeugungsarbeit leisten. Wir sind diejenigen, die Kryptowährungen und Selbst Souveräne Identitäten nutzen sollten, um somit ein Gegengewicht zu “den ganz Großen” zu  schaffen. 

Deswegen solltest du unbedingt einen Blick auf helixid.io werfen und die Lösung mal genauer anschauen. Wir werden dazu noch näher berichten und das Projekt weiter für euch verfolgen.

Wie denkst über Self-Sovereign-Identities und deren Relevanz? Hast du dich bereits mit dem Thema beschäftigt? Komm in unseren Telegram Chat und teile deine Gedanken mit uns. Abonniere zusätzlich unseren News Kanal, um keine News mehr zu verpassen.

[Bildquelle: Shutterstock]
Autor
Daniel ist 24, hat einen Bachelor of Science als Wirtschaftsingenieur und ist als Content Creator bei Cryptomonday tätig. Seit 2014 ist er aktiv im Krypto-Sektor unterwegs. Das es dazu kam, hat er einer Vorlesung zu verdanken, in der über das disruptive Potenzial der Blockchain unterrichtet wurde. Seine Interessen umfassen die Technik und das breite Anwendungsgebiet der Technologie – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Um den Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern, hat er selbst ein kleines Startup gegründet. Er beschäftigt sich mit der Verbreitung von BTC-Automaten in Deutschland und wirkte maßgeblich an Videos und Büchern mit.

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