In der heutigen Analyse möchte ich drei Gründe aufzeigen, warum Bitcoin Cash nach wie vor deutlich unter seinem Allzeithoch vom November 2017 liegt. Zur Erinnerung: Bitcoin Cash (BCH) wurde ursprünglich am 1. August 2017 als Fork von Bitcoin eingeführt. Die Grundidee war, das Bitcoin (BTC)-Protokoll zu übernehmen, jedoch mit der Ergänzung, die Blockgrößenbegrenzung von 1MB auf 8MB zu erhöhen. Dadurch können im Vergleich zu Bitcoin mehr Transaktionen durch das Netzwerk zu niedrigeren Kosten verarbeitet werden. Darüber hinaus wurde damals bewusst auf die Übernahme des SegWit-Protokolls verzichtet. So viel zur Vorgeschichte.

Die heutige Analyse ist hart, aber ehrlich. Sie kann also sehr hilfreich sein, um dir einen Eindruck zu vermitteln, wie viele Hürden es tatsächlich noch im Krypto-Markt zu überwinden gilt. Außerdem kann sie eine gute Einschätzung für für deinen nächsten Kauf sein.

Bitcoin Cash – das Portrait eines Gescheiterten?

Während Bitcoin Cash am Anfang wenig bis gar keine große Aufmerksamkeit erhielt, änderte sich dies relativ schnell, als klar wurde, dass ein Hard-Fork zur Vergrößerung der Blockgröße eben nicht von den Unterzeichnern des New York Agreements angestrebt wurde. Und so war die Tatsache, dass 6 CEOs, die in Verbindung mit dem New York Agreement standen, ein Upgrade auf SegWit2x (und somit eine maximale Blockgröße von 2MB) ablehnten, ein enormer Pluspunkt für Bitcoin Cash.

Die Daten von CoinMetrics (respektive das folgende Schaubild) zeigen, wie als Folge dessen der BCH Preis von 0.08333BTC auf ein Allzeithoch von 0.24613 abgehoben ist. Und wie so oft sind es rasante Kursbewegungen, die die Leute interessieren. Die Konsequenz dieses Preisanstiegs war also ein erhöhtes mediales Interesse.

bch-chart

Wie auch immer, wir befinden uns aktuell im Monat August des Jahres 2019 und Bitcoin Cash ist weit von seinem Allzeithoch im November 2017 entfernt. In US-Dollar ausgedrückt ist das nach wie vor ein Rückgang von 91%, ausgehend vom ATH (All-Time-High). Etwas besser (aber auch wirklich nur etwas) wird es, wenn man Bitcoin als Referenz nimmt; denn dann liegt BCH lediglich 87% darunter.

Genug der Vorworte und Einleitung – lasst uns einen genaueren Blick auf die möglichen Gründe werfen, warum Bitcoin Cash bisher noch keine Erfolgsgeschichte ist und vor allem keine Gefahr für Bitcoin darstellt.

1. Bitcoin wird hauptsächlich als Store of Value genutzt

Eine der Storylines von Bitcoin Cash war es immer den Anspruch zu erheben, der eigentlichen Vision von Satoshi Nakamato, Bitcoin als Peer-to-Peer Electronic Cash System einzusetzen, am Nächsten zu sein. Denn durch die erhöhte Blockgröße können mehr Transaktionen bei gleichzeitig niedrigeren Kosten verarbeitet werden. BCH soll somit eine gute Zahlungsoption darstellen.

Der folgende Satz ist streitbar und wiegt schwer, ich formuliere ihn dennoch: Was ist, wenn die Mehrheit der Leute, Krypto gar nicht für alltägliche Zahlungen verwenden wollen? Wenn man diesen Satz bejaht, dann ist dies der offensichtlichste Grund, warum Bitcoin Cash zu kämpfen hat. Was ist also, wenn die Mehrheit der Menschen, Kryptowährungen eher als Investitionsobjekt oder als Store of Value verwenden wollen und eben nicht als Zahlungsmittel?

Um ein wenig Substanz hinter diese zwei Fragen zu bringen, nehmen wir die Daten des Blockchain-Analytikunternehmens Chainanalysis als Grundlage. Diese zeigen, dass 90% der Bitcoin-Netzwerkaktivität im Zusammenhang mit Exchanges steht. Diese eben genannte Zahl bezieht sich lediglich auf die Anzahl der Transaktionen. Würde man anstatt der Anzahl, die Transaktionsvolumina nehmen, dann wäre das prozentuale Ergebnis wahrscheinlich noch höher. Denn es ist wahrscheinlich, dass die Volumina, die auf eine Exchange fließen bei Weitem höher sind als die P2P-Zahlungen zwischen Nutzern.

Um zu untermauern, dass dies keine „aus den Fingern gezogene“ Aussage ist, folgende (schmerzhafte?) Grafik.

bitcoin-activity

Und wenn man sich die aktuellen BTC-Transaktionsgebühren anschaut, dann lässt sich auch eine Korrelation zu den Handelsvolumina der Exchanges erkennen. Anders formuliert: Wenn es zu einer erhöhten Aktivität an den Börsen kommt, steigen auch die Gebühren. Die folgende Grafik, die von den Kollegen von Longhash kommt, zeigt diesen Sachverhalt deutlich:

bitcoin-transaction-volume-fee

Bitcoin und Bitcoin Cash finden kaum Verwendung als Zahlungsmittel

An dieser Stelle sind wir an dem Punkt, an dem die „harte Wahrheit“ ausgesprochen werden kann. Es ist einfach Fakt, dass kaum jemand BTC für (alltägliche) Zahlungen verwendet. Die kommende Grafik unterstreicht dies nicht nur, sondern zeigt auf, dass die Verwendung von Bitcoin als Zahlungsmittel in Shops heute sogar niedriger ist als zu Beginn des Jahres 2017.

btc-merchant

Gründe hierfür kann es einige geben. Beispiele hierfür sind die aktuell noch ziemlich hohe Preisvolatilität, sowie die mehr oder weniger intuitiv zu bedienenden Wallet-Lösungen. Ein anderer Aspekt könnte für manche die Frage sein, wie und ob Bitcoin im Falle einer direkten Zahlung zu versteuern ist.

Und so kann man durchaus resümieren, dass die Nutzung als Zahlungsmittel und die Verwendung als Store of Value konträrer Natur sind. Denn mit der Nutzung als reiner Store of Value wird „Blockspace verschwendet“ und durch erhöhte Transaktionsgebühren, reduziert sich auf die Attraktivität als Zahlungsmittel.

Nun habe ich gerade eben Gründe genannt, warum Bitcoin aktuell noch nicht als Zahlungsmittel genutzt wird. Ich möchte jedoch nicht ausschließen, dass es in Zukunft als Zahlungs- respektive Tauschmittel genutzt werden wird. Hierzu muss die Volatilität jedoch deutlich sinken; und jetzt kommen wir zu einem interessanten Punkt. Denn wenn Bitcoin sich langfristig als Store of Value etabliert wird es automatisch (das ist der Gedanke eines Store of Values 😉 ) weniger volatil sein müssen. Und dann wiederum sind wir an einem Punkt, an dem es auch als Tauschmittel interessant sein könnte. Auch die Weiterentwicklung von Softwarelösungen zur Beschleunigung und Verbesserung der Transaktionen, wie beispielsweise durch das Lightning Network, trägt hier seinen positiven Teil bei.

Wo besteht jetzt aber der Zusammenhang zu Bitcoin Cash?

Die Botschaft dieses ersten Punktes soll folgende sein: Der eigentliche Grund für das Bestehen von Bitcoin Cash (also größere Blockgrößen und niedrigere Gebühren) scheint einfach an dem, was der Markt verlangt, vorbeizugehen. In anderen Worten: Bitcoin Cash hat zwar ein schönes Angebot, aber niemanden, der danach fragt.

Denn in diesen (immer noch „jungen“ Tagen) der Krypto-Welt, liegt der Fokus einfach nach wie vor auf dem Store of Value Feature. Zugegebenermaßen wäre es schön, wenn Bitcoin heute bereits niedrige Gebühren „unterstützen“ könnte, aber dies ist unter den aktuellen Gegebenheiten nicht so einfach möglich. Und mit den aktuellen Gegebenheiten meine ich beispielsweise die Einschränkungen bei der Skalierbarkeit und/oder die Netzwerkeffekte um das Konsensusprotokoll.

Dieses Stichwort, Netzwerkeffekte, könnte der zweite Grund sein, warum BCH dort ist, wo es aktuell ist.

2. Bitcoin hat die Netzwerkeffekte „auf seiner Seite“

BTC genießt unabstreitbar den First-Mover-Vorteil – ein Vorteil, der sich als äußerst schwierig zu überwinden erweist. Der First-Mover zu sein, bedeutet auch, die längste Zeit zu haben, sich eine „Community aufzubauen“ und die längste Zeit zu haben, die Stärke des eigenen Netzwerks zu erhöhen. Und genau diese Fundamentaldaten machen BCH das Leben schwer.

Denn in Bezug auf wichtige Kennzahlen wie Hashrate und Liquidität ist BCH bei weitem nicht in der Nähe von Bitcoin. Laut Messaris OnChainFX verfügt BTC über ein kombiniertes „Real 10“ 24-Stunden-Handelsvolumen und ein bereinigtes On-Chain-Transaktionsvolumen von 1.527.098.193 $, während die gleiche Kennzahl für BCH bei 33.192.795 $ liegt. Wir sprechen hier also vom Faktor 50 (!).

transaction-volume

Darüber hinaus berücksichtigen diese Daten nicht, dass die mediane BTC-Transaktionsgebühr $0,70 beträgt, während die mediane BCH-Gebühr weit unter $0,01 liegt (zur Erinnerung: Median heißt, dass die Hälfte der Werte über dem angegebenen und die andere Hälfte unter dem angegebenen Wert liegt). Mit anderen Worten ausgedrückt: Bitcoin-Nutzer sind offensichtlich mehr als bereit, diesen Aufpreis zu zahlen, um ein stabiles, sicheres und dezentrales Netzwerk nutzen zu dürfen.

Bitcoin Cash Hashrate beträgt nur 2,5% der BTC-Hashrate

Doch wie es so schön heißt: Schlimmer geht immer. Die alarmierendste Metrik liegt wohl in der Hashrate des BCH-Netzwerks. Denn laut fork.lol liegt die Hashrate von BCH bei gerade einmal 2,5% (!) der Hashrate des Bitcoin-Netzwerks. Welche katastrophalen Folgen dies für die Netzwerksicherheit hat, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht groß ausführen. Denn wie bereits Litecoin (LTC)-Gründer Charlie gesagt hat, brechen die Sicherheitsgarantien eines Netzwerks zusammen, wenn eine Kryptowährung (in diesem Fall BCH) nur extrem wenig Prozentpunkte der Gesamthashrate (BCH + BTC) eines bestimmten Hashing-Algorithmus (in diesem Fall SHA-256) hat.

bitcoin cash und bitcoin hashrate

Legen wir den Finger noch etwas tiefer in die Wunde. Die Einnahmen, die BTC-Miner lediglich durch die Transaktionsgebühren (das heißt also explizit ohne den aktuellen Blockreward von 12,5 BTC pro Block) erzielt haben, sind bereits höher als die Einnahmen der BCH-Miner im gesamten Jahr einschließlich (!) des Blockrewards. Anders formuliert: es gibt kaum (ja eigentlich keinen) Anreiz dafür BCH im Vergleich zu Bitcoin zu minen. Und mit dem anstehenden Bitcoin Cash Halving im kommenden Jahr (April) wird dieses Problem noch verschärft.

Ein Resümé der aktuellen Ergebnisse

Dieses Spiel ließe sich jetzt noch fast endlos fortführen und so wird es wahrscheinlich einen zweiten Artikel zu dieser Thematik geben. Denn bisher wurde Bitcoin Cash fast ausschließlich mit Bitcoin verglichen; dies ist insofern sinnvoll, als dass es auch „aus dessen Rippen“ entstanden ist. Auch auf das Bitcoin CashABC vs. BitcoinSV Dilemma (wir erinnern uns an die Hash-Wars) wurde noch nicht eingegangen. Das Bitcoin Cash, Bitcoin jedenfalls in vielen Punkten unterlegen ist, wurde in diesem Artikel wohl klar. Dennoch kann eine Kryptowährung auch Erfolg haben, wenn sie besser ist, als die anderen Kryptowährungen. Und genau diesem Punkt, nämlich dem Vergleich von Bitcoin Cash zu Altcoins werden wir uns dann im nächsten Artikel widmen.

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[Bildquelle: Shutterstock, Longhash.com, Chainanalysis.com]
QUELLElonghash
Autor
Daniel ist 24, hat einen Bachelor of Science als Wirtschaftsingenieur und ist als Content Creator bei Cryptomonday tätig. Seit 2014 ist er aktiv im Krypto-Sektor unterwegs. Das es dazu kam, hat er einer Vorlesung zu verdanken, in der über das disruptive Potenzial der Blockchain unterrichtet wurde. Seine Interessen umfassen die Technik und das breite Anwendungsgebiet der Technologie – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Um den Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern, hat er selbst ein kleines Startup gegründet. Er beschäftigt sich mit der Verbreitung von BTC-Automaten in Deutschland und wirkte maßgeblich an Videos und Büchern mit.

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