Ein großes Thema im Crypto-Space ist die Zentralisierung der einzelnen Kryptowährungen. Am 5. August brachte Kyle Davies von Three Arrows Capital klar zum Ausdruck, dass er „sehr besorgt über den Crypto-Gini-Koeffizienten“ sei.

Ein Gini-Koeffizient ist normalerweise eine Metrik, die von nationalen Behörden verwendet wird, um das Ausmaß der Vermögensungleichheit in Ländern und Personengruppen zu analysieren.

Bitcoin ist ein gutes Beispiel für das Potenzial für große Ungleichheit bei Kryptowährung, denn obwohl wir glauben können und wollen, dass Satoshi Nakamoto gute Absichten hat und womöglich niemals seine Funds bewegen wird, besitzt er alleine technisch gesehen etwa 5,5 Prozent des gesamten Vorrats an BTC.

 Dasselbe gilt für viele andere Kryptowährungen, insbesondere solche, die durch ICOs verteilt oder an Unternehmen mit dem nötigen Kleingeld verkauft wurden.

Da die dezentralisierte Finanzierung (DeFi) immer beliebter wird, ist die Zentralisierung insbesondere bei diesem Segment des Crypto-Space in den Blickpunkt gerückt. Denn wem nützt schon ein vermeintlich dezentralisiertes Projekt, bei dem die Verteilung der Tokens zentralisiert ist? Insbesondere kritisch wird es, wenn es sich dabei um einen Governance-Token handelt.

YFI ist das dezentralisierteste Ethereum-DeFi-Projekt

Laut dem Leiter von DTC Capital, Spencer Noon, ist yearn.finance (YFI), was die Verteilung der Token betrifft, das am gerechtesten verteilte dezentrale Projekt, das „je“ auf der Blockchain von Ethereum lief.

Der YFI Token hat vor wenigen Wochen extrem an Aufmerksamkeit gewonnen. Wen wundert es nachdem der YFI Kurs in kürzester Zeit sage und schreibe 14.000% in die Höhe schoss, obwohl er laut seinem Erfinder und Gründer ein Token ohne einen monetären Wert darstellt. Offensichtlich ist da der Markt anderer Meinung.

Der Investor, der auch als On-Chain-Analyst fungiert, zitierte Daten, aus denen hervorgeht, wie viel Prozent des Angebots die fünf wichtigsten Adressen für jede führende Ethereum-basierte Kryptowährung besitzen. Dabei twitterte er die folgende Statistik:

  • Compund (COMP): 64,6 Prozent
  • Basic Attention Token (BAT): 24,5 Prozent
  • Maker: 23,5 Prozent
  • Ethereum: 12,9 Prozent
  • Yearn.finance: 9,5 Prozent

Noon bemerkte allerdings nach der Veröffentlichung dieser Daten, dass ein Fehler gemacht wurde, da „die erste Adresse des COMP sein Vertriebsvertrag ist, der 40,6% des Eigentums besitzt“. Dementsprechend liegt der prozentuale Anteil an COMP-Token erheblich niedriger und bewegt sich wohl eher im Bereich von rund 25%.

Wie aus den Daten überraschender Weise hervorgeht, ist YFI allerdings eine der am stärksten dezentralisierten Kryptowährungen in Bezug auf die Verteilung ihrer Token. Laut Noon ist dieser Trend für das Projekt bemerkenswert:

Es ist erst 2 Wochen alt, aber YFI ist bereits das am stärksten dezentralisierte DeFi-Projekt aller Zeiten. Das Ergebnis? Bei weitem die engagierteste Crypto-Community in der Frühphase, die ich je gesehen habe.

Vielleicht hat er Recht: In den zwei Wochen, in denen der Token existiert hat, der seinen Inhabern die Leitung des YEarn-Protokolls übertragen hat, wurde über mehr als 30 Vorschläge abgestimmt, die über die Zukunft des Projekts entschieden haben. Es gab sogar eine Governance-Diskussion darüber, ob Andre Cronje, der Gründer von yEarn, sich Ryan Sean Adams und David Hoffman für eine Episode des Podcasts „Bankless“ anschließen sollte oder nicht. Hier wird scheinbar über wirklich alles diskutiert.

Die Magie von YFI, die seine Klone nicht kopieren können

Der offensichtliche Erfolg des DeFi-Projekts, der durch den YFI Kurs und seinen kometenhaften Aufstieg sowie seinen aktiven Governance-Prozess verkörpert wird, hat nicht überraschend Nachahmer hervorgebracht. Es gibt mittlerweile YFII, YFFI, Asuka und unzählige andere Token, die versuchen, den Erfolg von YEarn nachzuahmen.

Kelvin Koh, ein Partner von The Spartan Group, wies darauf hin, dass diese Klone im Vergleich zum ursprünglichen Projekt vier deutliche Mängel aufweisen:

  1. Die Differenzierung
  2. den Gründer
  3. die Community und
  4. die Investoren.

Wie Koh in einem ausführlichen Twitter-Thread zu diesem Thema ausführte, verfügt YFI über ein dezentralisiertes Verteilungsmodell, einen starken Gründer, der nicht viele Token für sich selbst geschaffen hat, eine aufstrebende Community und eine lange Liste prominenter Investoren.

Diese vier Faktoren, die zusammenwirkten, ermöglichten es YFI, schon früh in seiner Entwicklung erfolgreich zu sein, während seine Nachahmer unter zahlreichen Problemen litten und mit äußerster Vorsicht zu genießen sind.

Letzteres gilt allerdings auch für YFI selbst, denn durch seine Funktionsweise ist das Yield Farming mittels Yearn.Finance noch erheblich risikoreicher, als die eigentliche Sache ohnehin schon ist. Auch hier ist also größte Vorsicht geboten.