Decentralized Finance oder kurz DeFi. Dieser Begriff ist wohl das neue Hype-Wort und viele sehen in dem Thema DeFi den nächsten Trend für das kommende Jahr. Ein Paradebeispiel für eine bereits bestehende Anwendung von DeFi auf der Ethereum Blockchain ist MakerDAO. MakerDAO ist genauer gesagt ein dezentrales Protokoll hinter dem (weltweit ersten) dezentralen Stablecoin DAI, dessen Wert an den US-Dollar gebunden ist.

Die Idee hinter dezentralen Projekten liegt wohl darin, dass es eben keine zentrale Entität gibt, die das Geschehen bestimmt. Im Falle von MakerDAO hat sich nun jedoch ein einzelner Whale 97% der Voting Power angeeignet, als es um eine Abstimmung zur Stability Fee ging. Auch wenn das System als solches dezentral bleibt, war es zumindest diese Entscheidung nicht. Mehr dazu aber später!

DeFi – DAI einfach erklärt

Im Gegensatz zu Stablecoins wie dem TrueUSD oder Tether (USDT) ist DAI ein dezentraler Stablecoin. Er basiert auf der Ethereum Blockchain und ermöglicht – auch dies ist eine Besonderheit von MakerDAO – durch Smart Contracts die automatische Vergabe von Krediten. Um ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen: über 319 Millionen US-Dollar an Krediten in DAI wurden bereits emittiert und vergeben.

Für alle, die der englischen Sprache mächtig sind, hier nochmals das eigene Erklärvideo von MakerDAO selbst:

Kredite mit DAI – Volatilität der Zinsen

Wie bei gewöhnlichen Krediten fällt auch bei DAI-Krediten, die über MakerDAO vergeben wurden, eine Zinsgebühr an. Und auch hier gilt wie in der „normalen Ökonomie“ – die Zinsgebühren des Schuldners sind die Erträge des Gläubigers. Ohne zu tief in’s Detail gehen zu wollen, muss jedoch noch eine Sache betrachtet werden. Dadurch dass DAI immer 1:1 dem USD entsprechen soll, gibt es regelmäßige Anpassungen bei den Zinsgebühren. Diese Gebühr lag vor wenigen Monaten noch (Mai 19) bei 19.5 Prozent, was für dementsprechende Unruhe in der Community gesorgt hat. Eine Änderung der Zinsgebühr ist jedoch kein Automatismus: so erfolgt ein Vorschlag (engl. proposal) von dem Maker Foundation Team über die Zinsänderung. Darüber muss die Community jedoch in einem Wahlprozess abstimmen.


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DeFi und MakerDAO – das Stability Fee Voting

Der letzte Vorschlag zur Änderung der Stability Fee (=Zinsgebühr) erfolgte nun zum 25. Oktober mit der Ankündigung, das eigentliche Voting am 28. Oktober durchzuführen. Hierbei ging es um eine Reduzierung der Gebühr von 9.5 auf 5.5%. Um am Voting teilzunehmen, müssen wiederum über den Maker Voting Contract MKR Token gestaked werden – hierbei gilt: 1 MKR = 1 Vote. Die prozentuale Verteilung und somit das Gewicht einer einzelnen Person ergibt sich damit logischerweise dadurch, dass man die MKR, die eine einzelne Person gestaked hat, in’s Verhältnis zur gesamten Anzahl setzt.

Idealerweise sind solche Prozesse dann auch transparent und nachvollziehbar, so dass man am Ende eines Entscheidungsprozesses auch einen Überblick der Verteilung und Gewichtung hat. Und genau hierbei ist dieses Mal die Besonderheit aufgetreten. Denn ein einziger Whale hat durch seine Dominanz die Anzahl der Stimmen von 2.489 auf 44.539 erhöht und sich somit 97% der Voting Power gesichert! Der folgende Tweet sollte mehr Klarheit schaffen:

Maker (MKR) Whale besitzt 7.5% des gesamten Angebots

Twitter-User @Julien Thevenard fand hierbei heraus, dass der Maker-Whale 41.900 MKR seiner insgesamt 75.516 MKR für das Voting benutzt. Dies ist nicht zu unterschätzen, gegeben die Tatsache, dass der maximale MKR Supply bei gerade einmal 1.000.000 MKR liegt. Damit besitzt der Whale ca. 7.5% des Gesamtangebots und hat somit (auch zukünftig) eine gewichtige Stimme was Entscheidungen angeht.

Binance CEO Changpeng Zhao (kurz CZ) kommentierte dies in ironischer Manier und sagte nur:

Willkommen in der „Dezentralisierung“, wo alles möglich ist und niemand etwas unter Kontrolle hat, nicht einmal eine Re-Zentralisierung.

Nochmals: das aktuelle Voting und die zentrale Verteilung bei der Voting Power heißt nicht, dass das System als solches nun nicht mehr dezentral wäre oder das DAI plötzlich ein zentraler Stablecoin wurde. Dennoch zeigt es sehr gut einen Kritikpunkt an Staking und Proof-of-Stake Systemen: mit der Zeit werden „die Reichen immer reicher und die Verteilung zentralisierter“. Einen kleinen Vorgeschmack haben wir jetzt bereits gesehen. Wir sind also gespannt auf DeFi im kommenden Jahr!

Wie denkst du über die Tatsache, dass ein einzelner Whale 97% der Voting Power an sich reißen konnte? Ist ein solches System etwa doch nicht so dezentral wie gedacht?

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[Bildquelle: Shutterstock]
QUELLETwitter-Account @onggunhao
Daniel Wenz
Autor
Daniel ist 24, hat einen Bachelor of Science als Wirtschaftsingenieur und ist als Content Creator bei Cryptomonday tätig. Seit 2014 ist er aktiv im Krypto-Sektor unterwegs. Dass es dazu kam, hat er einer Vorlesung zu verdanken, in der über das disruptive Potenzial der Blockchain unterrichtet wurde. Seine Interessen umfassen die Technik und das breite Anwendungsgebiet der Technologie – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Um den Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern, hat er selbst ein kleines Startup gegründet. Er beschäftigt sich mit der Verbreitung von BTC-Automaten in Deutschland und wirkte maßgeblich an Videos und Büchern mit.