Am 17. Juli sind die Crypto-Kurse, vorrangig von Bitcoin, innerhalb kürzester Zeit von 6.700 auf knapp 7.400 US-Dollar gestiegen. Die Gründe dafür sind verschwommen. Sie könnten auf der einen Seite durch die vielen positiven Nachrichten der letzten Tage und Wochen ausgelöst worden sein. Hierzu ein B58 Update im Video.
Auf der anderen Seite lässt sich der rasante Anstieg durch einen Short Squeeze auf Bitcoin erklären. Was ist ein Short Squeeze, wie funktioniert er, was hat das mit BitMEX zu tun und wie steht er mit den positiven Meldungen in Abhängigkeit?

Bitcoin Chart 1 Woche
Bitcoin Kurs (Wochenansicht: 17.07-23.07). Quelle: https://coinmarketcap.com/currencies/bitcoin/

Die Short-Position

Der Besitzer einer Short-Position leiht sich quasi einen Basiswert (hier: Bitcoin), welcher sich nicht in seinem eigenen Besitz befindet und verpflichtet sich gleichzeitig diese Position in Zukunft zurückzugeben.
Der Basiswert wird zum aktuellen Marktpreis veräußert (Leerverkauf). Diese Verkaufsposition wird als Short-Position bezeichnet.

Um die zukünftige Lieferverpflichtung erfüllen zu können, muss bis zum Erfüllungszeitraum der Rückkauf des Basiswertes vollzogen werden (Deckungskauf). Ein Gewinn wird dann erwirtschaftet, wenn der Kurs sinkt und der Basiswert zu einem geringeren Preis „zurückgekauft“ werden kann. Oder anders ausgedrückt: Der Investor spekuliert mit einer Short-Position auf fallende Kurse.
Die Transaktion, welche zur Schließung der offenen Position führt, wird als Glattstellung bezeichnet.

Bitcoin Short-Position: Ein Beispiel

Zur Verdeutlichung einer Bitcoin Short-Position – ein vereinfachtes Beispiel:
Person A leiht sich über von Person B über eine Exchange E einen Bitcoin, in der Hoffnung, dass der Kurs sinkt. Dieser wird zum aktuellen Marktpreis leerverkauft (nehmen wir an 5.000 US-Dollar). A geht short.
Sinkt der Kurs nun – sagen wir auf  2.500 US-Dollar – kann A 5.000 US-Dollar für den Kauf von zwei Bitcoin investieren und seine offene Short-Position schließen. Einen Bitcoin gibt A zurück, um die Verbindlichkeit zu tilgen.
Ergebnis: Person A hat einen Gewinn von 2.500 US-Dollar erzielt.

Future-Short Positionen am Beispiel von BitMEX

BitMEX ist eine People-2-People (P2P) Tradingplattform. Sie ermöglicht gegen eine Transaktionsgebühr die Ausgabe von Bitcoin-Future-Kontrakten.

Eine Future-Short-Position entsteht durch den Verkauf eines Future-Kontraktes. Der Verkäufer verpflichtet sich in Zukunft zum Erfüllungszeitpunk einen vereinbarten Basiswert (Bitcoin) zu einem heute vereinbarten Preis zu liefern.
Dieser Short-Position muss immer auch eine Long-Position gegenüberstehen. Also ein Anleger, welcher sich mit dem Kauf eines Future-Kontraktes dazu verpflichtet den Basiswert zu einem vereinbarten Preis zu übernehmen.
Da sich Bitcoin-Futures  als eine Art Wette bezüglich des zukünftigen Bitcoin-Kurses beschreiben lassen, ist abzuleiten, dass es in dieser Spekulation immer einen Gewinner und einen Verlierer gibt.

Margin-Trading auf BitMEX

BitMEX bietet eine bis zu 100-fache Hebelwirkung für ihre Kontrakte an. Ein Hebel (engl.: leverage) ist die Möglichkeit,  Aufträge zu platzieren, welche das Wallet-Guthaben übersteigen. Das bedeutet, dass mit einer Einlage von einem Bitcoin bis zu 100 Bitcoin erworben werden können. Dies kann zu einem höheren Gewinn führen, als wenn man nur mit dem verfügbaren Guthaben handelt (Margin Trading).

Durch die  hohe Hebelwirkung ergeben sich beschleunigte Gewinne aber im Umkehrschluss auch das Potential zu  hohen Verlusten.
Während der Kurs nicht unter einen bestimmten Wert Null fallen kann, ist der Anstieg eines Kurses – zumindest hypothetisch – nicht begrenzt. Das bedeutet auch, dass sich die Verbindlichkeit der Short-Position theoretisch unendlich ausweiten kann. Aus diesem Grund könnte man eine Short-Position auch als risikoreicher bezeichnen.

Wenn der Bitcoin-Kurs entgegen der Erwartungen steigt

Wenn der Bitcoin-Kurs entgegen der Erwartungen steigt, verliert der „Shortie“ relativ gesehen Geld. Denn es wird immer teurer den ursprünglichen Basiswert zurückzukaufen. Gegebenenfalls muss Eigenkapital zum Ausgleich investiert werden.

Auf Exchanges wie BitMEX können sogenannte Margins gesetzt werden. Hierbei handelt es sich um ein Kollateral (engl. collateral), welches der  Besitzer der Short-Position hinterlegt, um das Kreditrisiko zu decken.
Dieses Kollateral ist eine gewisse Menge Geld – oder Crypto, die hinterlegt wird, falls der Kurs steigen sollte. Man kann auch von einer Art Sicherungseinlage sprechen.

Um kollaterale Schäden zu vermeiden, wird zu einem gewissen Liqauidationspreis, zu welchem die Margin aufgebraucht ist, der Basiswert (hier: Bitcoin) automatisch zurückgekauft, Die Position wird zwangsliquidier oder das Kollateral muss erhöht werden (Margin Call).

Die gesamte Margin auf BitMEX ist in Bitcoin angegeben, sodass die Anleger nur mit Bitcoin über den zukünftigen Wert ihrer Kontrakte spekulieren.

Der Bitcoin Short Squeeze

Unerwartet (zumindest von den „Shorties“) steigenden Kurse könnten durch die positiven Nachrichten der letzten Tage und Wochen hervorgerufen worden sein: Mögliches Investment von BlackRock in Crypto, die Ernennung von Solomon als neuer Goldman Sachs CEO oder die Annäherung der SEC ggü. Bitcoin-ETFs. Mehr dazu gibt es hier.
Die positive Marktdynamik wird auch durch ein  Gespräch zwischen Bloomberg und Ryan Rabaglia von Octagon Strategy deutlich:

Die Märkte reagierten auf eine Reihe positiver Neuigkeiten, welche sich um große Namen wie bspw. BlackRock drehten […] Mit jedem Anzeichen von institutionellem Interesse entsteht in diesem Bereich ein positives Kursverhalten, auch wenn es in der Natur unklar ist.

Am 17. Juli schien ein Margin-Limit durchbrochen worden zu sein. Bei 6.850 US-Dollar stieg der Bitcoin-Kurs stark an. Die offenen Short-Positionen, welche aus den Leerverkäufen resultierten, wurden glattgestellt. Oder anders ausgedrückt: Das Erreichen des Liquidationspreises führte dazu, dass die offenen Short-Positionen zwangsliquidiert wurden.

Diese Zwangsliquidierung führt zu einer erhöhten Nachfrage, da eine große Anzahl an Investoren die verbindlichen Basiswerte möglichst verlustbegrenzt zurückkaufen muss. Diesem plötzlichen Nachfrageansteig müssen Angebote gegenüberstehen. Sofern wenig Volumen im Markt ist und  Vorhinein eine große Anzahl an Basiswerten leerverkauft (geshortet) wurde, ergibt sich daraus eine Angebotsknappheit am Markt (Short Squeeze).  Das Resultat sind steigende Preise.

Die positiven Marktentwicklung kann auf eine Trendwende hindeuten und setzt eine Art  Teufelskreis in Gang. Denn nach und nach werden weitere Margins durchbrochen, Short-Positionen werden automatisch geschlossen, der Nachfrageüberhang setzt sich fort – ebenso der Kursanstieg.

Liquidierung von Short-Positionen auf BitMEX

Visuell ist der Bitcoin Short Squeeze an dem Twitter Account BitmexRekt zu erkennen. Es handelt dabei um einen BitMEX-Bot, welcher die Auflösung von Short-Positionen anzeigt.  Ein Ausschnitt der BitmexRekt Twitter-Timeline vom 17.Juli zeigt einige sehr große Schließungen von Short-Positionen (also den „Rück“Kauf von Bitcoin).

In einem Interview mit CNBC wird dies auch durch den BitMEX CEO, Arthur Hayes, bestätigt. In kürzester Zeit seien auf BitMEX Short-Positionen im Wert von 230 Millionen US-Dollar glattgestellt worden. Auch Cointrust spricht von  liquidierten Short-Positionen im Wert von ca. 180 Millionen US-Dollar  auf BitMEX innerhalb eines Zeitraums von  20 Minuten.

Bitmex Short-Positionen Schließung
Ausschnitt BitmexRekt Twitter Account (17. Juli 2018). Quelle: https://twitter.com/bitmexrekt?lang=de

Starke Zunahme von Bitcoin-Futures in Q2

Eine kürzlich veröffentlichter Twitterpost von der Chicago Mercantile Exchange (CME) zeigt, dass sich das durchschnittliche, tägliche Handelsvolumen von Bitcoin-Futures in Q2 im Vergleich zu Q1 2018 um 93% zugenommen haben. Auch die absolute Anzahl an geschlossener Kontrakte ist um 53% gestiegen.

Ein solch eindeutiger Anstieg sowohl der Anzahl der Kontrakte als auch des Handelsvolumens ist ein deutliches Anzeichen für wachsendes Interesse in Bitcoin-Futures.

Point & Figure Chart des Bitcoin-Kursverlaufs

Point & Figure Charts sind für langfristige Investitionen ausgelegt. Als ein System zur besseren Bestimmung solider Ein- und Ausstiegspunkte im Börsenhandel. Das System überwacht Angebot und Nachfrage jeder Ausgabe und behält dabei Trends im Auge.

Der Fokus von Point & Figure Charts liegt auf der Darstellung des Schlusskurses einer Emission. Geringfügige, tägliche Auf- und Abbewegungen werden ausgeblendet.
Ein Hauptmerkmals der Point & Figure Diagramme, ist die Ausblendung der zeitlichen Variable. Der Chart beinhaltet keine Zeitachse – nur eine Preisachse. Während die Nullen sinkende Kurse und die Kreuze steigende Kurse suggerieren, ist weiterhin darauf zu achten, dass Kursbewegungen nur angezeigt werden, wenn sie über drei Preisabschnitte (hier jeweils in 50iger Preisstufen) ausschlagen.

Anhand des abgebildeten Graphs (siehe Abbildung 2) lässt sich eindeutig erkennen, dass der Markt (am 17. Juli) bei 6850 US-Dollar scheinbar eine imaginäre Grenze überschritten hat. Die Kursbewegung hat sich nicht über drei negative Preisabschnitte nach unten bewegt.
Zu erkennen ist, dass Bitcoin die 7.400 USD-Grenze testet. Auch die vorherige Uneinigkeit des Marktes lässtsich durch die in der Tendenz häufig abwechselnden Kursbewegungen erkennen.

Point & Figure Chart von Bitcoin
Point & Figure Chart Bitfinex BTC/USD (bis 18. Juli 2018). Quelle: http://cryptopnf.com/

Bild: [nartawut/Shutterstock]

Geza Krimmel
Autor
Géza arbeitet bei Base58 als strategischer Produktmanager und Redakteur. Mit seinem Master in Volkswirtschaftslehre und seiner Erfahrung als Brand- and Produkt-Manager, begeistern ihn vor allem die vielversprechenden, wirtschaftlichen Fähigkeiten der Blockchain in dem sich schnell entwickelnden, technologischen Wirtschaftsumfeld.

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