Das Schürfen von Gold kostet pro Jahr ein vielfaches vom Schürfen von Bitcoin. Während Bitcoin-Mining stets ein hoher Stromverbrauch nachgesagt wird, wird für Goldgewinnung ein zwanzigfaches an Energie aufgewendet.

Laut dem Blockchain-Inkubator LongHash werden jährlich über 87,3 Milliarden US-Dollar für die Gewinnung von Gold ausgegeben. Zum Vergleich: Für Bitcoin-Mining werden pro Jahr 4,3 Milliarden Dollar an Gesamtkosten fällig.

Wichtig sei in diesem Bezug vor allem der Energieverbrauch: Bislang galt Bitcoin als wahrer Stromfresser. LongHash ist auf Basis von Daten der Barrock Gold Corporation, dem größten Goldabbau-Unternehmen der Welt, dieser Frage nachgegangen.

2017 hat Barrick 5,3 Millionen Unzen Gold produziert, pro Unze fallen laut Jahresreport des Unternehmens pro Unze 794 Dollar für den Abbau an. Dies entspricht Gesamtkosten von 4,2 Milliarden allein für Barrock Gold. Wichtig sind außerdem die Kosten für Diesel, die pro Jahr bei rund 288 Millionen Dollar liegen.

Weltweit haben Goldproduzenten im Jahr 2017 88 Millionen Unzen Gold abgebaut. Geht man von einer ähnlichen Kostenstruktur aus, entspräche dies Gesamtkosten von 4,8 Milliarden Dollar an Energiekosten. LongHash weist außerdem darauf hin, dass Barrick primär mit kostengünstigen Minen arbeite, viele andere Unternehmen hätten höhere Kosten.

In der Gesamtrechnung ergibt dies eine Schätzung von Gesamtkosten in Höhe von 87,3 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Berechnung von Stromkosten für Bitcoin schwierig

Die Berechnung für Bitcoin fällt da etwas schwerer. Mining wird üblicherweise dezentral abgewickelt und nur wenige Unternehmen legen öffentlich ihre Kosten für den Betrieb dar. Zwei Methoden erlauben allerdings einen groben Einblick.

Im Top-Down-Ansatz wird der Stromverbrauch auf Basis der Block Rewards berechnet. Mit jedem neuen Block gehen 12,5 Bitcoin an die Miner. Rechnet man 10 Minuten Abstand zwischen den Blöcken, kommt man auf einen Gesamtbetrag von 75 Bitcoin in der Stunde – dies entspräche bei einem Preis von 7500 Dollar pro Bitcoin 562.500 Dollar pro Stunde. Rund 30% von diesem Betrag werden laut LongHash für Stromkosten fällig. Etwa 100 Dollar kostet eine Megawattstunde im Durchschnitt. 1688 MWh benötigt man also, um die Bitcoin-Blockchain zu betreiben.

Eine andere Herangehensweise ist die Bottom-Up-Methode. Hier wird die Hashrate beobachtet. Auf Basis aktueller Hardware wie dem Bitmain Antminer S9 sind pro Sekunde 14.5 Terahashes pro Sekunde möglich. Das ganze Bitcoin-Netzwerk verfügt über eine Hashrate von 50 Exahashes pro Sekunde (kurz für eine Milliarde Billionen). Demnach wären 3,45 Millionen Antminer S9 nötig. Jeder verbraucht 1650 Watt, die entspräche einem Gesamtwert von 5693 Megawattstunden. Rechnet man ältere Mininghardware mit ein, käme man auf einen Verbrauch von 7000 Megawattstunden für den Betrieb der Blockchain.

Als Mittelwert beider Herangehensweisen ergibt sich ein Verbrauch von 4344 MWh. Abhängig von der jeweiligen Stromerzeugungs-Methode kämen die Kosten in diesem Fall auf 4,3 Milliarden US-Dollar.

Stromkosten für Goldgewinnung nur ein Teil der Wahrheit

Analysten sehen den großen Unterschied in den Energiekosten weniger kritisch: Während der gesamte Krypto-Markt aktuell rund 200 Milliarden Dollar an Wert hat, entspricht der Goldmarkt 7,8 Billionen US-Dollar. Was dabei unter den Tisch fällt sind die Zusatzfunktionen von Bitcoin und anderen Kryptowährungen. Dabei werden auch die Transaktionen mitberücksichtigt. Korrekterweise müssten beim Gold also zusätzlich noch die Kosten für den Handel mitberechnet werden.

Aktuell werden für Bitcoin-Mining oft erneuerbare Energien eingesetzt, zum Beispiel in Form von Windparks oder Solarfarmen. Dies ist allerdings vor allem in China noch fern ab der Realität: Kohlekraftwerke sind im Betrieb deutlich günstiger. Angesichts dessen, dass Goldabbau meist fossile Brennstoffe zum Einsatz kommen, kann man dieses Argument allerdings vernachlässigen.

Zudem wenden sich einige Krypto-Währungen derzeit von klassischem Mining ab: Ethereum steigt im Herbst mit dem Constantinople-Update auf einen anderen Proof-Of-Stake-Algorithmus um, bei dem Mining keine Rolle mehr spielen wird.

[Bild: Allexxandar/Shutterstock.com]
QUELLELongHash.com
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Kathrin ist Redakteurin für Base58. Kathrin hat Anglistik und Literaturwissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum studiert und entdeckte schon früh ihr Interesse an journalistischer Arbeit. Seit über zehn Jahren arbeitet sie für verschiedene Verlage und ist spezialisiert auf Themen aus den Bereichen Forschung, Wissenschaft und Technik. Auf Grund ihres technischen Hintergrunds interessiert sie sich vor allem für Blockchain-Anwendungsfälle.