In dieser Woche gibt es ein Thema, das die News und Schlagzeilen beherrscht: Libra, der kommende Stablecoin von Facebook. Nachdem es am Dienstag die ersten Ankündigungen, sowie den Release der Whitepaper gab, gibt es nun eine breite Basis an Informationen, über die sich rege diskutieren und streiten lässt. Und nicht nur der Cryptospace fragt sich: Wird der Facebook Coin Fluch oder Segen für Bitcoin sein?

In unserem Talk mit Florian und Roman, besser bekannt als Blocktrainer, haben wir uns ausführlich dem Thema Facebook Coin respektive Libra gewidmet. Den ersten Teil des Interviews findest du direkt hier. Den Link zum zweiten Teil des Videos findest du am Ende des Artikels – viel Spaß!

In dem heutigen Artikel möchten wir einige der wichtigsten Aussagen des Talks nochmals festhalten.

 

Learning #1: Bank the Unbanked

Libra präsentiert sich als Coin, dessen Ziel es auch sein soll, Menschen ohne Bankkonto ein Konto zu geben (engl. bank the unbanked). Dieses Ziel ist nicht gerade neu. Dennoch ist es einer der größten Slogan, mit denen Facebook respektive Libra sich nun inszeniert.

Betrachtet man die enorme Größe von 2,7 Mrd. Facebook und WhatsApp Nutzern im Verhältnis zu 1,7 Milliarden Menschen ohne Bankzugang, so könnte Libra wirklich einiges ändern und gerade Menschen aus ärmeren Verhältnissen eine Art Bankkonto/-zugang geben.

Learning #2: Libra wird nicht nur durch den US-Dollar gedeckt

Wie wir bereits in unserem Artikel Was du jetzt schon über den Facebook Coin Libra wissen solltest berichtet haben, wird Libra als Stablecoin nicht nur durch ein underlying asset (dt. zugrunde liegender Vermögenswert) gedeckt werden. So ist es viel mehr an einen Korb verschiedener low-volatility assets (Vermögenswerte, die eine niedrige Volatilität aufweisen – beispielsweise kurzfristige Staatsanleihen) gedeckt. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass es zukünftig auch durch weitere nicht fiat abhängige Assets, wie beispielsweise Gold oder Bitcoin gedeckt werden könnte.

Learning #3: Die Frage nach dem Zahlungsverkehr und Blacklisting

Noch ist es unklar, wie genau der Verifizierungsprozess für ein Libra-Wallet ablaufen wird. Bisher steht lediglich fest, dass dafür ein nationaler Personalausweis benötigt wird. Wie schnell die Verifizierung dann abläuft und ob es Länder gibt, in denen die Nutzung verboten sein wird, ist ebenfalls unklar.

Eine spannende Frage, die in diesem Zusammenhang auftaucht, ist die Frage nach dem Blacklisting. Wird es bestimmte Konten, Personen oder gar Länder geben, die komplett von der Nutzung Libras ausgeschlossen sind? Was passiert beispielsweise bei einer Zahlung von Deutschland in den Iran? Wird es Iranern überhaupt möglich gemacht werden, sich für Libra zu verifzieren? Und falls ja, müsste sich Facebook an geltende US-Sanktionen halten und den Zahlungsverkehr in den Iran einschränken?


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Learning #4: Eine Smart-Contract Plattform mit offenem Source Code

Libra soll nach eigenen Aussagen frei, offen und zugänglich sein. Der Source-Code von Libra wird also veröffentlicht und für jeden zugänglich. Noch ist unklar, wie die Nutzung oder Arbeit mit diesem ausgestaltet sein wird. Wahrscheinlich wird es Möglichkeiten geben, Änderungsvorschläge am Quellcode zu äußern welche dann – nach Validierung – übernommen werden könnten.

Möglicherweise bezieht sich die Aussage frei, offen und zugänglich jedoch mehr auf die Möglichkeit, Libra in bestehende Systeme zu integrieren. So soll es ein Developer-Kit und eine API (engl. advanced programming interface) geben, mit Hilfe derer Libra in Onlineshops oder Ähnliches integriert werden kann. Damit könnten Entwickler neue Apps kreiren und weitere Innovationen schaffen.

Learning #5: Neutral wie die Eidgenossen

Die Entwicklung von Libra wird nicht durch Facebook selbst, sondern durch die Libra Foundation, die in der Schweiz ansässig ist, verwaltet und ‚kontrolliert‘. Mark Zuckerberg hat das Libra Whitepaper auch nicht unterschrieben – lediglich die an der Entwicklung beteiligten Personen haben dies getan.

Neben den Vorteilen, die die Schweiz steuerlich und als eines der globalen Finanzzentren bietet, geht es wohl auch stark darum, den Eindruck zu vermitteln, dass die Libra Foundation eine ‚wirklich neutrale Stiftung‘ sei. Und welches Land eignete sich hierfür nicht besser als die Schweiz?

Learning #6: Libra ist kein Investitionsobjekt

Libra ist kein Investitionsobjekt für Privatanleger, es ist ein Stablecoin. Bereits mehrfach kam die Frage, ob und wie Libra gekauft werden kann und mit welcher Kursentwicklung man rechnen könnte.

Die Antwort ist einfach: Libra wird ein Stablecoin sein mit dem als Privatperson kein Geld gemacht werden kann. Wer dennoch denkt, dass Libra ein potentieller Kurstreiber der darin involvierten Firmen sein wird, kann natürlich daran partizipieren, in dem er sich deren Aktien kauft.

Wie immer gilt hier: Investments in Aktien sind spekulativ und es gibt keine Garantie für Kursgewinne. Daher sollte man immer seine eigene Recherche betreiben #DYOR


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Learning #7: Facebooks Marktmacht wird weiter wachsen

Facebook besitzt jetzt bereits Unmengen an Daten über das Konsum- und Präferenzverhalten seiner Nutzer. Es weiß, wer mit wem befreundet ist, welche Dinge einem gefallen und welche Veranstaltungen man besucht. Mit der Nutzung von Libra wird es nun konkret auch wissen, welche Dinge man kauft und wie hoch beispielsweise die individuelle Zahlungsbereitschaft für gewisse Konsumgüter ist.

Dies ermöglicht Facebook natürlich einen gigantischen Spielraum an Möglichkeiten – individualisierte Werbung für Produkte, die man kürzlich gekauft hat, ist hierbei mehr als naheliegend.

Binance CEO Changpeng Zhao hat dies schön zusammengefasst

Learning #8: Entsteht eine ‚Zentralbank in der Schweiz‘?

Zu Beginn wird Libra durch diverse Währungen und Assets gedeckt sein. Was passiert aber, wenn die Libra Foundation sich dazu entscheidet, die Gesamtmenge an Libra zu erhöhen? Was passiert also, wenn weiteres digitales Geld ‚gedruckt‘ wird? Wird dieses Geld auch gedeckt sein oder wird es kein Gegenwert geben?

Diese Befürchtungen haben auch führende Politiker dazu bewegt, die Forderung zu erheben Libras Entwicklung zunächst zu stoppen bis genau diese Fragen der Regulierung geklärt sind.

Learning #9: Facebook ist zu groß für Regulierung

Laut eigenen Angaben ist Facebook in ca. 160 Ländern aktiv. Zum Vergleich: das Zahlungssystem von PayPal wird gerade einmal in ~40 Länder genutzt. Es wird also mehr als eine Herkulesaufgabe sein, eine länderübergreifende Regulierung für die Nutzung von Libra zu finden.

Und hier ist der zweite Teil unseres Interviews mit Florian und Roman.

Facebook Libra – Fluch oder Segen? Part 2

Was denkst du über Libra? Wird er einen positiven, negativen oder gar keinen Einfluss auf Bitcoin und Kryptowährungen im Allgemeinen haben? Diskutiere mit uns in unserem Telegram Chat und abonniere unseren News Kanal.

[Bild: Shutterstock]
Daniel Wenz avatar
Autor
Daniel ist 24, hat einen Bachelor of Science als Wirtschaftsingenieur und ist als Content Creator bei Cryptomonday tätig. Seit 2014 ist er aktiv im Krypto-Sektor unterwegs. Das es dazu kam, hat er einer Vorlesung zu verdanken, in der über das disruptive Potenzial der Blockchain unterrichtet wurde. Seine Interessen umfassen die Technik und das breite Anwendungsgebiet der Technologie – nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft. Um den Zugang zu diesen komplexen Themen zu erleichtern, hat er selbst ein kleines Startup gegründet. Er beschäftigt sich mit der Verbreitung von BTC-Automaten in Deutschland und wirkte maßgeblich an Videos und Büchern mit.