Die brasilianische Zentralbank hat still und leise eine klare Grenze zwischen Kryptowährungen und ihren offiziellen grenzüberschreitenden Zahlungssystemen gezogen. Eine neue Regelung verbietet Banken und Zahlungsdienstleistern nun, Kryptowährungen – einschließlich Stablecoins – zur Abwicklung von Überweisungen innerhalb des regulierten elektronischen Devisenhandelssystems des Landes, bekannt als eFX, zu verwenden.
Was die neue eFX-Regelung tatsächlich bewirkt
Am 30. April veröffentlichte die Banco Central do Brasil die Resolution BCB Nr. 561, mit der die Vorschriften für Unternehmen aktualisiert wurden, die regulierte eFX-Dienste anbieten. Diese Dienste wickeln bestimmte grenzüberschreitende Zahlungen und Überweisungen im Rahmen des brasilianischen Devisenrahmens ab.
Nach der neuen Regelung müssen alle Zahlungen oder Zahlungseingänge zwischen einem regulierten eFX-Anbieter und einem ausländischen Geschäftspartner nun über eine traditionelle Devisentransaktion oder ein brasilianisches Real-Konto eines Gebietsfremden abgewickelt werden. Der Text verbietet ausdrücklich die Verwendung von „virtuellen Vermögenswerten“ für diese Abwicklungen, wozu Kryptowährungen und Stablecoins gehören. Infolgedessen können Kryptowährungen nicht mehr als Abwicklungsmittel innerhalb des beaufsichtigten eFX-Kanals Brasiliens verwendet werden.
Die Maßnahme ist jedoch kein pauschales Krypto-Verbot. Brasilianer können weiterhin Kryptowährungen über Börsen oder Wallets senden und empfangen, die außerhalb des regulierten eFX-Kanals liegen. Die Zentralbank hat stattdessen ihr offizielles grenzüberschreitendes Zahlungssystem abgegrenzt und erzwingt, dass diese Zahlungsströme ausschließlich auf Fiat-Basis abgewickelt werden.
Warum Brasilien die Regeln für Krypto-Transaktionen verschärft
Die Regulierungsbehörden reagieren auf den rasanten Anstieg von Stablecoins im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr. Nach Angaben der Zentralbank machen Stablecoins rund 90 % der gemeldeten kryptobasierten internationalen Überweisungen aus Brasilien aus. Die Behörden befürchten, dass dieser Trend die Aufsicht schwächen könnte, insbesondere bei Steuer- und Geldwäschekontrollen.
Die Zentralbank hat zudem Bedenken hinsichtlich der Währungshoheit geäußert. Viele der in Brasilien verwendeten Stablecoins werden im Ausland ausgegeben und unterliegen keiner lokalen Aufsicht. Die Behörden befürchten, dass die Zulassung dieser Token im regulierten eFX-System die staatliche Kontrolle über die Zahlungsinfrastruktur und die Kapitalströme untergraben könnte.
Allerdings hat Brasilien generell keine Anti-Krypto-Haltung eingenommen. Das Land hat in den letzten Jahren zusätzliche Meldepflichten für Börsen entwickelt, ein Lizenzsystem für Anbieter von Dienstleistungen im Bereich virtueller Vermögenswerte eingeführt und Stablecoin-Überweisungen den Devisenvorschriften unterstellt. Diese umfassenderen Bemühungen, Kryptowährungsaktivitäten transparent zu halten und mit der herkömmlichen Bankenaufsicht zu verknüpfen, spiegeln sich in der eFX-Entscheidung wider.
Die Änderung betrifft vor allem, wie grenzüberschreitende Zahlungen über offizielle Kanäle abgewickelt werden. Wer über regulierte eFX-Dienste Geld ins Ausland schickt, wird nun erleben, dass diese Überweisungen in Fiat-Währung abgewickelt werden – auch wenn er weiterhin anderswo Kryptowährungen kauft oder hält.
WEITERLESEN: NVIDIA-Aktienkurs könnte auf 250 $ steigen, da sich ein neuer Katalysator im Wert von 725 Milliarden $ abzeichnet