Wells Fargo hat am 10. März beim US-Patent- und Markenamt eine Markenanmeldung eingereicht und sich den Namen WFUSD unter der Kategorie „Kryptowährungs- und Stablecoin-Dienste” gesichert. Die Anmeldung, die von einem Reddit-Nutzer entdeckt wurde, lässt vermuten, dass die Bank vielleicht ein an den Dollar gekoppeltes digitales Asset plant, auch wenn die Struktur und der Zeitplan für so ein Produkt noch unklar sind.
Der Antrag wartet gerade darauf, einem Anwalt zur Prüfung zugewiesen zu werden. Die Prüfung von Marken beim USPTO dauert normalerweise mehr als 10 Monate, und die Genehmigung verpflichtet nicht dazu, ein Produkt auf den Markt zu bringen. Wells Fargo hat vor der Veröffentlichung nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme reagiert.
Die Klassifizierung „Kryptowährungs- und Stablecoin-Dienste” lässt die Produktdefinition bewusst offen. WFUSD könnte die Form einer traditionellen Stablecoin oder einer tokenisierten Einlage annehmen, einer von einer Bank ausgegebenen digitalen Verbindlichkeit, die den Kontostand eines Kunden auf einer Blockchain repräsentiert. Beide Modelle werden derzeit an der Wall Street aktiv untersucht, obwohl sie sich in Bezug auf regulatorische und operative Auswirkungen erheblich unterscheiden.
WEITERLESEN: DOJ untersucht mutmaßliche Umgehung iranischer Sanktionen über Binance
Wells Fargo folgt dem Beispiel von JPMorgan bei Einlagentoken
Die Anmeldung weist eine direkte Parallele zu JPMorgans früherer Markenanmeldung für JPMD auf, bei der es sich laut späterer Bestätigung der Bank um einen Einlagentoken handeln würde, der auf Base, dem Ethereum-Layer-2-Netzwerk von Coinbase, basiert. Diese Ankündigung erfolgte erst lange nach der ursprünglichen Anmeldung und bestätigte damit ein mittlerweile bekanntes Muster: Große Banken sichern sich still und leise Markennamen, bevor sie sich öffentlich zu einer Produkt-Roadmap verpflichten.
Wells Fargo hat in diesem Bereich schon Erfahrung. Im Jahr 2019 berichtete Reuters, dass die Bank intern ein Distributed-Ledger-Projekt namens Wells Fargo Digital Cash getestet hatte, um Transaktionen zwischen Niederlassungen abzuwickeln. Im selben Jahr berichtete das Wall Street Journal, dass Wells Fargo erste Gespräche mit JPMorgan Chase, Bank of America und Citigroup über ein mögliches gemeinsames Stablecoin-Projekt geführt hatte, das jedoch nie zu einem öffentlichen Angebot führte.
Die regulatorischen Rahmenbedingungen bleiben ein erhebliches Hindernis. Von Banken ausgegebene, an den Dollar gekoppelte digitale Token befinden sich in den USA in einer umstrittenen Rechtslage, wobei die Zuständigkeit zwischen der Federal Reserve, der SEC und den Aufsichtsbehörden für Banken aufgeteilt ist. Jedes WFUSD-Produkt müsste sich in diesem Rahmen bewegen und wahrscheinlich auf die Stablecoin-Gesetzgebung warten, die sich im Kongress nur schleppend vorwärtsbewegt.
Im Moment ist die Anmeldung nur ein Platzhalter und keine Zusage. Beobachter werden auf ergänzende Einreichungen beim USPTO, weitere Offenlegungen von Wells Fargo und jede Änderung in der öffentlichen Haltung der Bank zu digitalen Vermögenswerten achten.
WEITERLESEN: Robinhood-Aktienkurs trotz starker Impulse mit 50-Dollar-Crash-Risiko