Moody’s Ratings hat die „Token Integration Engine“ (TIE) eingeführt, ein System, das seine Kreditanalysen in Echtzeit in Blockchain-basierte Märkte einspeist. Der erste Live-Einsatz läuft auf dem Canton Network, einer für den institutionellen Finanzsektor entwickelten Permissioned-Blockchain.
Moody’s betreibt nun einen eigenen Canton-Knoten und kann unabhängige Bonitätsbewertungen und Risikosignale direkt an die Teilnehmer der Blockchain veröffentlichen. Das Unternehmen möchte tokenisierten Vermögenswerten das gleiche Maß an Transparenz und Governance bieten, das Anleihe- und Kreditmärkte bereits außerhalb der Blockchain erwarten.
Was die Token Integration Engine eigentlich macht
Die Token Integration Engine fungiert als Integrationsschicht zwischen den traditionellen Ratingsystemen von Moody’s und Blockchain-Anwendungen. Sie ruft analytische Daten über Emittenten und Instrumente ab und stellt diese Informationen dann autorisierten Nutzern innerhalb von Canton-basierten Workflows zur Verfügung.
Emittenten auf Canton können wählen, ob ihre Moody’s-Ratings auf der Blockchain veröffentlicht werden sollen, vorbehaltlich bestehender Governance- und Compliance-Regeln. Der Zugriff ist genehmigungsbasiert, sodass nur zugelassene Institutionen und Anwendungen alle Details einsehen können, entsprechend der üblichen Datenlizenzierung von Moody’s.
Laut Yuval Rooz, CEO von Digital Asset, schafft diese Konfiguration eine „überprüfbare Vertrauenskette“ zwischen realen Emittenten, Blockchain-Assets und Investoren. On-Chain-Ratings und Risikodaten können manuelle Überprüfungen überflüssig machen und Reibungsverluste bei Transaktionen verringern, die rund um die Uhr automatisch abgewickelt werden.
Warum Canton ganz vorne mit dabei ist
Canton Network ist eine datenschutzkonforme institutionelle Blockchain, die von Banken, Vermögensverwaltern und Marktinfrastrukturunternehmen genutzt wird. Tradeweb, HSBC, Goldman Sachs, BNP Paribas, DTCC, Euroclear und Shell testen oder nutzen Canton für Tokenisierungs-Workflows. Sie setzen Canton auch für das Sicherheitenmanagement und verschiedene Handelsprozesse ein.
Durch den Start auf Canton trifft Moody’s große Finanzinstitute dort, wo sie bereits mit tokenisierten Anleihen, Krediten und Fonds experimentieren. Das genehmigungsbasierte Design von Canton ermöglicht es Moody’s, Ratings in bestimmte Workflows einzubinden, ohne sensible Daten im öffentlichen Internet offenzulegen.
Moody’s betont, dass TIE „netzwerkunabhängig“ ist und dass das Unternehmen plant, das System im Laufe der Zeit auf weitere Blockchains und Anlageklassen auszuweiten. Das könnte letztendlich dazu führen, dass On-Chain-Ratings in andere genehmigungsbasierte Netzwerke und möglicherweise auch in ausgewählte öffentliche Blockchains integriert werden, die an regulierte Emittenten gebunden sind.
Mit TIE auf Canton können tokenisierte reale Vermögenswerte nun die Kreditbewertungen von Moody’s direkt in Abwicklungs-, Margin- und Risiko-Engines einbinden. Analyse: Wenn sich dieses Modell verbreitet, müssen DeFi- und Tokenisierungsprojekte, die institutionelles Kapital anziehen wollen, möglicherweise auf vertrauenswürdige On-Chain-Ratings zurückgreifen, nicht nur auf Preis-Oracles.
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