EU-Beamte für Cybersicherheit fliegen diese Woche nach San Francisco, um direkt mit Anthropic über leistungsstarke KI-Modelle und Sicherheit zu sprechen. Das Treffen findet nur wenige Tage nachdem Washington dem Unternehmen angeordnet hat, den Zugang aus dem Ausland zu seinen fortschrittlichsten Systemen zu sperren, statt.
ENISA trifft sich mit Anthropic
Die EU-Cybersicherheitsagentur ENISA wird sich am Donnerstag in San Francisco mit Anthropic treffen, teilte ein Sprecher der Europäischen Kommission Reportern in Brüssel mit. Der Sprecher sagte, Anthropic habe ENISA eingeladen und das Treffen angesetzt, bevor die Vereinigten Staaten die jüngste Exportkontrollverordnung verkündeten. Diese Anordnung zwingt Anthropic nun dazu, den Zugang zu seinen fortschrittlichsten KI-Modellen für ausländische Staatsangehörige, darunter viele Nutzer in Europa, auszusetzen.
Laut Reuters betrachtet die Kommission den Besuch als Teil eines „fortlaufenden, konstruktiven Dialogs“ mit Anthropic über den Einsatz fortschrittlicher KI im Bereich der Cybersicherheit. Die Beamten wollen verstehen, wie die Tools des Unternehmens EU-Behörden dabei helfen können, Softwarefehler zu finden und Netzwerke abzusichern, ohne es Angreifern dabei zu erleichtern, dasselbe zu tun. Außerdem wollen sie Klarheit darüber, wie lange die US-Kontrollen den europäischen Zugang einschränken könnten und unter welchen Bedingungen dieser Zugang wiederhergestellt werden könnte.
Mythos: Bedenken hinsichtlich Zugriff und Sicherheit
EU-Vertreter haben sich in den letzten Wochen mehrmals mit Anthropic getroffen, um über dessen Cybermodell „Mythos“ zu sprechen, das Code scannt und Schwachstellen identifiziert. Ein Sprecher der Kommission bezeichnete die Mythos-Gespräche als „sehr produktiv“ und sagte, ein spezielles Programm werde der ENISA Zugang zum System gewähren, sobald die rechtlichen Details geklärt seien. Er betonte jedoch, dass Europa „sowohl die Vorteile als auch die Risiken sorgfältig abwägen muss“, bevor es sich bei kritischen Sicherheitsaufgaben auf ein ausländisches Pioniermodell verlässt.
Gleichzeitig sieht sich Anthropic im eigenen Land mit plötzlichen Einschränkungen konfrontiert. Das Unternehmen erklärte, es werde seine fortschrittlichsten Modelle für ausländische Nutzer nach einer US-Exportkontrollverfügung „plötzlich deaktivieren“, und argumentierte, die Behörden hätten nur „dünne Beweise“ für einen möglichen Jailbreak vorgelegt, durch den das Modell Softwarefehler aufspüren könnte. Anthropic erklärte, man gehe von einem „Missverständnis“ aus und arbeite daran, den Zugang „so schnell wie möglich“ wiederherzustellen.
Die neuen KI-Exportvorschriften sind Teil einer umfassenderen US-Initiative, zu kontrollieren, wer modernste KI-Fähigkeiten nutzen darf, nachdem sich frühere Maßnahmen hauptsächlich auf Chips und Hardware konzentriert hatten. Politikanalysten sagen, Washington betrachte den Zugang zu fortschrittlichen Modellen nun als eine Frage der nationalen Sicherheit und nicht mehr nur als Innovationsfrage.
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