Die Republik Sierra Leone in Westafrika hat bei ihrer aktuellen Präsidentschaftswahl die Blockchain bei der Auszählung eingesetzt. Dies ist das erste Mal in der Geschichte, dass die Blockchain bei einer staatlichen Wahl eingesetzt wurde.

Das Land wird hierbei von Agora unterstützt, einem Unternehmen, das sich auf Abstimmungstechnologie via Blockchain spezialisiert hat. Während der Abstimmung hat Agora mit der Europäischen Kommission zusammengearbeitet und die Blockchainnodebetreiber unterstützt, die vom Roten Kreuz, dem Schweizer Bundesinstitut für Technologie sowie der Universität Freiburg kommen.

Frühere Wahl-Hochrechnungen durch Blockchain

Laut Agora-CEO Leonardo Gammar konnten die ersten Hochrechnungen über ihre Methodik rund zwei Stunden früher veröffentlicht werden als die des Nationalen Wahlausschusses und aller NGO. Agora-COO Jason Lukasiewicz verriet dem Cointelegraph, wie es zur Zusammenarbeit kam: Die Regierung von Sierra Leone hatte den Wunsch, die Transparenz ihrer Wahlen zu verbessern.

Insgesamt 16 Kandidaten standen in Sierra Leone zur Wahl, so dass eine zweite Wahlrunde nahezu sicher ist – um die Wahl für sich zu gewinnen, müsste der Kandidat 55 Prozent aller Stimmen auf sich verbuchen.

Update 21.3.: 

Wie die Wahlaufsicht von Sierra Leone bekannt gegeben hat, wurde an keiner Stelle des Wahlvorgangs Blockchaintechnologie verwendet, im Gegensatz zu dem, was Agora vollmundig kommuniziert hat. Abgabe und Auszählung der Stimmen wurden wie gehabt per Hand vorgenommen. Tatsächlich wurde eine andere Technologie verwendet: Eine Kombination aus C++ und MySQL. Diese Form der Datenbank ist bereits seit 2012 im Einsatz.

Was also hat Agora mit der Wahl in Sierra Leone am Hut? Das Unternehmen hatte Zugriff auf die Daten von 250 Wahllokalen in Sierra Leone (für die Relationen: insgesamt konnte in 11.200 Wahllokalen abgestimmt werden), die Daten wurden unabhängig ausgewertet, angeblich mit Hilfe einer Blockchain. Dies hatte aber keinerlei Einfluss auf den eigentlichen Ablauf der Wahl.

[Bild: Alexandru Nika/Shutterstock.com]
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Kathrin ist Redakteurin für Base58. Kathrin hat Anglistik und Literaturwissenschaften an der Ruhr-Universität in Bochum studiert und entdeckte schon früh ihr Interesse an journalistischer Arbeit. Seit über zehn Jahren arbeitet sie für verschiedene Verlage und ist spezialisiert auf Themen aus den Bereichen Forschung, Wissenschaft und Technik. Auf Grund ihres technischen Hintergrunds interessiert sie sich vor allem für Blockchain-Anwendungsfälle.