Die EU hat bisher 244 MiCA-Krypto-Lizenzen erteilt, wobei Deutschland und Frankreich zusammen mehr als ein Drittel davon ausmachen. Dieser Cluster zeigt, wie sich Europas neues MiCA-Regime (Markets in Crypto-Assets) im Vorfeld einer wichtigen Frist im Juli ungleichmäßig entwickelt. Während einige Länder mittlerweile klare Zentren für regulierte Krypto-Dienstleistungen sind, haben andere noch keine einzige Lizenz erteilt.
Deutschland und Frankreich geben das Tempo vor
Laut dem vorläufigen Register der ESMA führt Deutschland die EU mit 57 unter MiCA zugelassenen Krypto-Asset-Dienstleistern (CASPs) an. Diese Lizenzen machen etwa 23 % der Gesamtzahl in der EU aus und umfassen große Börsen, Broker und Verwahrstellen, die ihre Dienste unionsweit anbieten wollen. Frankreich liegt mit 26 Lizenzen – das sind rund 11 % der Gesamtzahl – auf Platz zwei, nachdem dort Ende Juni die Genehmigungen beschleunigt wurden.
Zusammen machen Deutschland und Frankreich mehr als ein Drittel aller derzeit gültigen MiCA-Lizenzen aus. Aufsichtsbehörden und Analysten weisen darauf hin, dass diese Länder zusammen mit den Niederlanden, Luxemburg und Irland etwa 72 % der Finanzanlagen der EU halten. Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele globale Krypto-Unternehmen sie als Standort für ihre MiCA-Zulassung gewählt haben.
Fünf Länder stehen noch bei Null
Die ESMA-Daten zeigen auch eine Gruppe von Nachzüglern. Griechenland, Ungarn, Polen, Portugal und Rumänien haben bis zum 29. Juni noch keine MiCA-CASP-Lizenzen erteilt. Im Falle Polens haben die Gesetzgeber das Lizenzierungssystem für Börsen noch nicht endgültig festgelegt, und der Präsident hat entsprechende Gesetzesentwürfe mehrfach mit seinem Veto blockiert.
Diese uneinheitliche Einführung bedeutet, dass der Zugang zu regulierten Krypto-Diensten selbst nach dem vollständigen Inkrafttreten von MiCA je nach Land stark variieren wird. Händler in Staaten ohne lizenzierte Anbieter müssen sich möglicherweise auf Unternehmen verlassen, die über eine Pass-Regelung aus anderen EU-Ländern zugelassen sind – sofern diese Unternehmen sich entscheiden, sie zu bedienen. Andernfalls könnten lokale Plattformen ihren Betrieb einstellen oder Funktionen einschränken, wenn die Vorschriften verschärft werden.
Jetzt läuft die Uhr für jedes Krypto-Unternehmen, das noch keine MiCA-Zulassung erhalten hat. Gemäß der Gesetzgebung müssen Unternehmen bis zum 1. Juli mindestens eine MiCA-Lizenz von einer EU-Aufsichtsbehörde erhalten, um relevante Dienste weiterhin in der gesamten Union anbieten zu können. Diese Genehmigungen dienen dann als Pass, der es CASPs ermöglicht, in allen 27 Mitgliedstaaten tätig zu sein, ohne in jedem Land eine separate Lizenz einholen zu müssen.
Die ESMA hat erklärt, dass Krypto-Unternehmen ohne MiCA-Lizenz ab dem 1. Juli die Erbringung der betroffenen Dienstleistungen in der EU einstellen müssen.
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