Fabian Vogelsteller ist nicht nur Ethereum Entwickler, er möchte auch die Brücke zwischen Blockchain und der Fashion Industrie schlagen. Wie er das machen möchte und was noch immer das Besondere an Ethereum ist, hat er uns während der Crypto Assets Conference 2018 verraten. Das Interview führte Lara Jacobs.

Base58: Wir sind von Base58 gerade in Frankfurt auf der Crypto Assets Conference und mit uns ist gerade Fabian Vogelsteller. Fabian, stell dich uns doch mal kurz vor!

Ja, also ich bin Ethereum-Entwickler seit 3 Jahren, hab in dem Ethereum Space relativ viele von den User Facing Sachen entwickelt. Ich habe z.B. das Ethereum Wallet gebaut, ein paar Ðapps  gebaut und generell viel an den Entwicklertools mitgebaut, die von der Ethereum Foundation kommen. Aktuell ist z. B. Web3.js meine Hauptaufgabe dort. Und ich habe über diesen Zeitraum natürlich auch viel in der Community mitgewirkt und habe z.B. den ERC20 Standard initiiert.

Der heißt ERC20, weil ich hab den Ethereum Request for Comments genannt und es war der GitHub Issue Nummer 20. Deswegen heißt der so. (lacht)

Base58: Du hast Web3.js erwähnt. Was ist das Spannende an dem Projekt? Das hast du ja mitentwickelt bzw. arbeitest auch immer noch daran.

Initial wurde das von anderen gebaut. Ich habe das damals mit Marek mitentwickelt und habe das jetzt sozusagen komplett refactored. Das ist eine Library, also ein Tool, das Entwickler benutzen, die mit Ethereum interagieren. Das heißt, du willst ja nicht die ganzen Encoding, Decoding Sachen selber übernehmen, das macht also diese Library. Wenn du mit Smart Contracts redest, müsstest du eigentlich mit der Ethereum Virtual Machine, mit der EVM, in Bytecode reden und damit du das nicht musst, gibt es Web3.js.

Du arbeitest dann mit den Smart Contracts, als wären das Javascript Objekte. Da gibt es mittlerweile auch schon eine Python und eine Java Version, also andere Programmiersprachen, die dasselbe Konzept übernommen haben. Diese Librarys sind ein relativ essentielles Tool, wenn du mit Ethereum arbeiten möchtest.

Base58: Hier bei der Crypto Assets Conference hast du über Blockchain in der Fashion Industrie gesprochen. Worum ging es in deinem Talk?

Da geht es um mein Projekt Lukso. Und zwar machen wir eine industriespezifische Blockchain für die Fashion Industrie. Und das ist eigentlich genau die Innovation, die wir im Blockchainspace auf Ethereum sehen, wo alle Leute mit den coolsten dezentralisierten Applikationen kommen und mit den tollsten Ideen, wie man Menschen miteinander interagieren lassen kann, in einer automatisierten Art und Weise. Das kann man sehr gut auch für die Fashion Industrie machen.

Man kann z. B. Produkte registrieren und Besitztum transferieren, man könnte die ganze Tokenization, die jetzt gerade auf der öffentlichen Blockchain stattfinden, auch hier im Fashion Bereich anwenden.

Der Punkt für eine eigene Blockchain ist, weil die Ressourcen auf der öffentlichen Blockchain einfach ausgefüllt sind und weil man einfacher Leute um ein neues Netzwerk sammeln kann, damit die alle von dem Vorteil und dem Wachstum des Netzwerkes profitieren.

Also es gibt dir einfach einen Incentive da mitzumachen, weil es noch so klein ist und du das jetzt noch mitformen und gestalten kannst. Auf der anderen Seite ist Lukso aber kein technologischer Innovator, also wir wollen hier nicht die neue Blockchain Technologie entwickeln, weil wir benutzen sehr wahrscheinlich Ethereum als Basis, mit einem anderen Konsensus Algorithmus.

Wo wir Innovation bringen ist: Das Netzwerk zusammenzukriegen, Standards zu schaffen, die Governance des Netzwerks – das wird ein kosortiumbasiertes Netzwerk sein – zu regulieren. Und das Netzwerk so offen und so transparent wie möglich zu machen. Und das wird ein öffentlicher, ein Public Permissioned Blockchain sein, das heißt jeder kann in diesem Netzwerk verifizieren und validieren. Das Konsortium kann so sozusagen die Blöcke kreieren und damit die Transaktion in das Netzwerk hinzufügen – und hat damit eine Art Gatekeeper Rolle, die es erfüllen kann.

Base58: Wie weit seid ihr mit dem Projekt?

Das ist noch relativ am Anfang. Wir bauen das Netzwerk gerade auf, also das Netzwerk von Leuten, die sich daran beteiligen. Die Technologie ist theoretisch da, die gibt es in verschiedenen Varianten und wir sind gerade daran zu entscheiden, welche Varianten wir benutzen.

Wir werden sehr wahrscheinlich im April/Juni ein ICO machen, weil ich gerne möchte, dass auch die Öffentlichkeit an dem Erfolg von diesem Netzwerk teilhaben kann.

Wir wollen einen Teil der Tokens, die vorgeneriert sind, an die Öffentlichkeit verkaufen und der größere Teil geht dann an die Konsortiumsmitglieder, die dann dazukommen.

base58: Du hast in einem Interview vor ungefähr einem Jahr gesagt, dass eine der größten Herausforderungen für Ethereum im Speziellen, aber auch für die ganze Blockchain Sphäre allgemein, die Skalierbarkeit ist. Was würdest du sagen hat sich seitdem getan? Was sind vielversprechende Lösungen, Stichwort State Channels als ein Beispiel. Wie ordnest du das im Moment ein?

Also was sich getan hat, ist dass sich die Aktivität auf dem Netzwerk natürlich extrem vervielfacht hat. Dadurch ist natürlich auch der Druck viel höher jetzt Lösungen zu finden. Bei Ethereum direkt arbeiten wir etwa an Non Consensus Algorithms, Proof of Stake, oder Charting. Das heißt wir machen aus den Singlethreading Computers Multithreading Computers und arbeiten einfach mehrere Blöcke gleichzeitig ab, in unterschiedlichen Charts.

Das ist aber alles noch in der Experimentation Phase. Was natürlich hier einfach sinnvoll ist, ist:

Wir haben hier nur relativ begrenzte Computer, sag ich mal. Wir müssen hier eine Architektur schaffen, die diese Probleme mit dieser Begrenzung löst.

Das heißt State Channels, wie du es genannt hast, ist z. B. eine Möglichkeit. Das heißt ich benutze die Blockchain nur als Richter, sozusagen als Endlösung, wenn ich tatsächlich jetzt ein Problem habe. Aber ich mach das meiste außerhalb der Blockchain.

Das heißt, wenn ich einen Smart Contract haben kann, dem ich sagen kann „Hey, das ist der letzte Stand“ und es eine Möglichkeit gibt für jeden, diesen Stand anzufechten und vor dem Smart Contract Richter sozusagen zu beweisen, dass er mehr Recht hat als der andere, dann hat man einen State Channel geschaffen.

Man kann also komplexe Operationen außerhalb des Netzwerkes machen, Peer-to-Peer usw., und diese immer digital signieren und der Smart Contract kann sie am Ende dann validieren und sagen „Hey, ist korrekt oder nicht“.

Also wir brauchen hier eigentlich eine bessere Architektur und zwar auf der Applikationsseite, die Applications müssen eigentlich mit diesen Lösungen kommen und das Protokoll an sich muss es nicht lösen. Das ist ein bisschen wie Computerspiele. Früher haben wir ja auch Computerspiele in 46k ausführen können und es hatte Musik und tolle Bilder und hat auf eine Floppy Disc gepasst.

Heute ist dieses gleiche Spiel, mit exakt den gleichen Assets ein Gigabyte groß, weil der Programmierer nämlich nicht mehr optimieren muss.

Wir sind heute auf dem Stand, wo wir einfach das Programm in diesem 46k Memory laufen lassen müssen, wir müssen gucken: Was führen wir wirklich auf der Blockchain aus? Wie optimieren wir den Code, der dort selbst geschrieben ist? Aber das lässt sich durchaus lösen. Und dann natürlich, wenn die Blockchain als solches immer mehr skaliert, ist das ein super Pluspunkt.

Base58: Es gibt ja nicht nur Ethereum. Du beschäftigst dich aber hauptsächlich damit. Was ist deiner Meinung nach an Ethereum spannender oder anders als an anderen Blockchains?

Also mir geht es persönlich nicht darum, eine Blockchain hier hervorzuheben.

Ethereum hat die größte Entwickler Community, ist die weitest entwickelste Smart Contract Blockchain und ist die erste Smart Contracts Blockchain, die es gibt.

Mittlerweile gibt es jetzt viele Kopien oder Blockchains, die auch Smart Contract machen wollen. Viele davon basieren auf der EVM, das heißt die nehmen tatsächlich den Kern von Ethereum, der eigentlich die wirkliche Innovation ist und benutzen den auch in ihrer Blockchain. Die haben dann irgendwie ein anderes Modell drum herum, die Transaktionen werden anders, viele gehen in diese Richtung, die wenigsten kommen mit was komplett Neuem, mit was komplett Anderem.

Also bisher ist Bitcoin immer noch der Standard. Von der Community Größe, von den Tools, die es gibt, und von der Innovation. Wenn sich das in den nächsten Jahren ändert, dann besetzte ich noch keinen Player, der eventuell da ein Challenger sein kann. Eventuell DFINITY. Aber bis jetzt ist Ethereum der Standard. Also da muss sich noch jemand beweisen, dass das wirklich Sinn macht.

Ein bisschen hat Ethereum hier den First-Move-Advantage wie Bitcoin und Bitcoin ist immer noch relativ groß.

Das heißt aber nicht, dass Ethereum für immer groß oder der Größte sein wird. Das kann auch ersetzt werden durch was anderes. Ethereum könnte auch Netscape sein und irgendwann mal dann dadurch irrelevant, wenn was Besseres da ist. Aber aktuell sehe ich das noch nicht.

Base58: Fabian, wir bedanken uns deine Zeit und das Interview!

Lara Jacobs
Autor
Lara zieht als als Product Ownerin und Redakteurin die Fäden hinter den Kulissen von Base58. Als Marketing- und Content-Managerin für einen Coworking Space und Startup-Hub mit Fokus auf Innovation, fand sie ihre Begeisterung für die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen. Lara studierte Islamwissenschaften, Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen und arbeitete als Dozentin sowie an interdisziplinären Forschungsinstituten.

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