Die Trusted IOT Alliance vereint durch den Zusammenschluss von mehreren Unternehmen die Entwicklung des auf Blockchain basierten, vertrauenswürdigen Internet of Things. Zu ihren Mitgliedern gehören diverse Blockchain und Distributed Ledger Firmen (Qtum, Iota), Vorreiter der Industrie (Bosch, Cisco), Banken (UBS) und IOT Technologieunternehmen (Paradox Engineer). Executive Director Zaki Manian verriet uns mehr über die Allianz. Das Interview führte Tobias Latzke.

Base58: Hallo Zaki, du bist im September 2017 als Executive Director der „Trusted IOT Alliance“beigetreten. Was war der Ausschlag für diesen Schritt?

Meine Hauptmotivation entstammte der Frage nach der Erschaffung von Ökosystemen. Ein wirtschaftliches Ökosystem, um einen Use Case zu kreieren, ist oft etwas, in dem Start-ups traditionell nicht gut sind. Sie sind meist gut darin, Produkte zu bauen, Use Cases zu entwickeln und diese an Firmen zu verkaufen. Sie sind aber nicht gut darin, ein Ökosystem von Grund auf zu erschaffen. 

Ich habe gesehen, dass Arbeit an der Schaffung von Ökosystem im Blockchain- und vor allem im Blockchain & IoT-Bereich dringend nötig war. Darum habe ich beschlossen, dass dies eine interessantere Herausforderung ist, als die Supplychain- oder Finanzprobleme, mit denen ich mich die letzten Jahre beschäftigt habe.

Base58: Handelte es sich dabei also eher um eine Herausforderung für ein Konsortium, als für ein einziges Start-up?

Ja, genau. Es war eine interessante und neue Sammlung von Herausforderungen. In der Vergangenheit war ich hauptsächlich Entwickler und Tech-Leiter für Produkte. Das war eine gute Schule, da man diese Form der technischen Expertise in einem konsortiumschaffenden Umfeld braucht.

Wir versuchen ein unterstützendes Umfeld für alle Unternehmen in unserer Allianz zu schaffen und ihnen zu helfen, ein Ökosystem rund um ihre IoT-Blockchain Systeme zu erstellen.

Base58: In einem deiner Vorträge erwähnst du die perfekte Beziehung zwischen Blockchain und IOT Systemen. Wo siehst du da Potenzial?

Das offenkundigste kurzfristige Potenzial ist der Prozess, IoT-Ökosysteme mit Smart Contracts zu verknüpfen.

Es könnte zum Beispiel ein System wie eine Hardware Wallet sein, das auf ein Signing Oracle zugreift oder auf eine Proxy für die eigene Identität, welches sicherer ist als z.B. ein Laptop.

Der größte Use Case ist allerdings ein Smart Contract, welcher mit der realen Welt reagiert und interagiert. Zum Beispiel um den Standort von Schiffscontainer nachzuvollziehen oder aber auch um die Freigabe eines Fonds zu verifizieren.

Diese Art von direkten und durch Smart Contracts getriebenen Unternehmensmethoden sind natürliche Anwendungen für Distributed Ledger Technologien. Diese können aber nicht entstehen, ohne ein sicheres IoT-Gerät, das zwischen realer und virtueller Welt vermittelt.

Base58: Derzeit sehen wir oft die Blockchainifizierung von Prozessen. Wie lange werden Unternehmen deiner Meinung nach bloß Prozesse und Technologien durch Blockchain ersetzen? Was sind Formen von Businessinnovationen, die du in naher Zukunft siehst?

Firmen experimentieren über das gesamte Ökosystem verteilt und produzieren „Blockchain Applikationen“. Ein englisches Sprichwort lautet: „Liquidität herrscht über all das, was es überblickt.“ Ich denke häufig darüber nach. Letzten Endes ist Liquidität etwas sehr mächtiges und ganz sicher ist es das mächtigste Anreizmittel für Unternehmen. 

Blockchains werden zu unglaublichen Quellen, um auf Liquidität zuzugreifen und es kommen Fragen auf, warum man zu Beispiel seine Versicherung über eine Blockchain laufen haben möchte oder warum man seinen Unternehmensprozess mit einer Public-Ledger verbinden möchte. Die einfachste Antwort dazu lautet Liquidität.

Blockchain ermöglicht es im Fall von Supplychains, dass jeder Abschnitt einer solchen dem Liquiditätspool von potenziellen Blockchain-Investoren ausgesetzt ist. Das wird potenziell zur komplett neuen Erfindung dieser Systeme führen.

Base58: Meines Wissens nach ist dies auch einer der Gründe, warum die „Trusted IOT Alliance“ einen Fokus von Beginn darauf gelegt hat, mehrere Blockchains zu unterstützen. Daher stellt sich im Rahmen von Skalierbarkeit die Frage, welche Diskussionen innerhalb der Allianz stattfinden, zu public und private Blockchains und anderen Distributed Ledger Technologien, wie zum Beispiel Tangle von IOTA. Seid ihr agnostisch?

Wir sind agnostisch. Aber nicht durch Neutralität, sondern durch Ignoranz. Wir akzeptieren unsere eigene Ignoranz. Wir kennen die richtige Antwort nicht und nehmen aber doch oft an, dass wir dies tun.

Klar ist aber, dass wir nicht wissen welche Distributed Ledger Architektur die Beste ist. Ich denke jedoch, dass wir dies als Community gemeinsam erforschen und unsere Ergebnisse teilen sollten, um uns so hoffentlich gegenseitig als Community fortzubilden.

Base58: Bleiben wir bei der Community. Warum sollte ich als Unternehmen dem Konsortium beitreten?

Nehmen wir zum Beispiel die Referenzarchitektur. Die meisten Unternehmen unserer Allianz haben diese herausgefunden, indem sie kumuliert Millionen von Dollar in isolierte Projekte investiert haben, um genau diese eine richtige Referenzarchitektur zu finden. Jetzt kann man der Allianz beitreten und weiß dann wie man weiter vorgehen muss.

Der Vorteil ist in anderen Worten kollektives Lernen.

Eine andere Sache ist, dass wenn man ein Produkt auf den IoT-Markt bringen will und keine Community und Ökosystem hat, in dem das Produkt getestet werden kann um Feedback zurückzubekommen, dann wird dieses Produkt nicht erfolgreich sein.

Die Trusted IOT Alliance stellt ein Umfeld zur Verfügung, in dem Diskussionen und Interaktionen gefördert werden, sodass Firmen herausfinden können, was die Leute eigentlich wollen und was die Probleme löst.

Man kann einen kleinen Teil dessen erhalten, wenn man an Blockchainkonferenzen teilnimmt und Feedback bekommt. In diesem Kontext verkauft man aber. In der Trusted IOT Alliance versucht niemand nur zu verkaufen. Die Firmen interagieren, kritisieren und geben Feedback aus ihrer Perspektive. Für die Ausgaben wenn man an einer Blockchainkonferenz teilnimmt, bekommt man also viel mehr durch Beitritt in der Allianz.

Base58: Eine letzte Frage. In der Allianz sind viele deutsche Mitglieder wie zum Beispiel Bosch, Telekom und IOTA. Sehen sie besondere Standortvorteile Deutschlands, welche IT und Blockchain zusammenbringt?

Wir hatten unser Membermeeting in Berlin. Es gibt viele neue deutsche Mitglieder und Berlin ist ein Ort, an dem sich Blockchaininnovationen bündeln. Ein Vorteil Deutschlands ist, dass sie viele Dinge schaffen und dass ist ein guter Anfangspunkt, wenn man das Internet der Dinge schaffen möchte.

Ein zweiter Grund warum Blockchain in Deutschland so erfolgreich ist, ist dass die amerikanischen Internetkonzerne keine großen Entwicklungszentren in Deutschland haben, obwohl der deutschen Erziehung und Open Source Community viele sehr talentierte Entwickler entsprungen sind.

Diese Talente schauen sich nach Möglichkeiten um und sehen das Potenzial von Blockchain. Es ist definitiv ein Spielfeld in dem die Vorteile von amerikanischen Internetmonopolen nicht vorhanden ist. Ich denke, dass dies einer der Gründe für soviel Aktivität in Deutschland und Europa ist.

Trotzdem sind Asien, Nordamerika und Europa wesentlicher Bestandteil der Blockchainrevolution.

Wenn man also ein vollständiger Teil von allen derzeit entstehenden Innovationen sein möchte, braucht man in seinen Aktivitäten einen globalen Fußabdruck.

Base58: Danke für das Interview, Zaki.

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Lara zieht als als Product Ownerin und Redakteurin die Fäden hinter den Kulissen von Base58. Als Marketing- und Content-Managerin für einen Coworking Space und Startup-Hub mit Fokus auf Innovation, fand sie ihre Begeisterung für die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen. Lara studierte Islamwissenschaften, Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen und arbeitete als Dozentin sowie an interdisziplinären Forschungsinstituten.