ICO Exit Scams sind eines der größten Probleme des ICO-Marktes. Die Frage, welche Projekte vertrauenswürdig sind, beschäftigen die Crypto-Community konstant. Ohnehin oft mit einem schlechten Ruf kämpfend, bekommen ICOs erneut einen Nackenschlag: knapp 100 Millionen Dollar sollen bislang durch Exit Scams gestohlen worden sein.

ICOs: Fluch und Segen zugleich

Initial Coins Offerings haben sich in den letzten Jahren durchaus entwickelt. Wie in unserem Artikel „ICOs – Der Niedergang des klassischen Crowdsales?“ nachzulesen, waren besonders die letzten vier Jahre turbulent:

ICOs etablierten sich relativ schnell als alternative Methode zur klassischen Unternehmensfinanzierung. Sie ermöglichten es Gründern von Blockchain-Start-ups, ihre Idee einer breiten Masse zu präsentieren, sowie schnell und einfach das zur Verwirklichung der Idee benötigte Kapital in Form von Kryptowährungen einzusammeln.

Der Tokensale während der Finazierungsrunden ist längst nicht mehr nur beschränkt auf Kryptowährungsprojekte, sondern eine echte Alternative zur Projekt- oder Unternehmensfinanzierung. Und das nicht nur für Blockchainprojekte.

Doch nach wie vor haben ICOs mit einem teils durchaus schlechten Ruf zu kämpfen. Zu viele Projekte, dessen Gründer nach Beenden der Finanzierung mit dem Geld verschwunden sind. In diesem Fall spricht man von sogenannten Exit Scams.

Um welche Summe gestohlenen Geldes es sich dabei handeln soll, berichtet nun diar.

ICO Exit Scams: Knapp 100 Millionen Dollar gestohlen?

Ursprung des diar-Berichtes ist einer der größten Exit Scams, die die ICO-Geschichte bislang zu verzeichnen hat. Die chinesische Shenzhen Puyin Blockchain Group hatte nach drei ICOs eine stattliche Summe von knapp 60 Millionen Dollar über Crowdsale eingesammelt.

Bei den drei Projekten handelte es sich um ACChain, Puyin Coin und BioLifeChain. Momentan ermittelt die staatliche Marktregulierungsbehörde Chinas (SMRA) in den Betrugsfällen.

Der chinesische Fall ist einer der größeren, doch auch bei „kleineren“ Projekten kommen schnell große Summen zusammen.

ICO Exit Scams Summe
Quelle: diar

Das Problem: Fehlende Regulierung auf dem ICO-Markt

Der Ruf nach stärkerer Regulierung des ICO-Marktes ebbt nicht ab. Mehr Investoren- und Anlegerschutz ist eines der größten Anliegen in der Community. So heißt es auch bei diar:

Die Gesamtsumme der erfolgreichen Exit Scam ICOs nähert sich nun 100 Mio. $. Es überrascht nicht, dass die eklatanten Ausstiegsbetrügereien weiterhin den weitgehend unregulierten ICO-Sektor plagen, in dem die Gründer keine vertragliche Verpflichtung haben, ein Produkt zu liefern. Nach dem Aufbringen von Millionen von Dollars ohne Bindung sind die Anreize der Gründer, ein wertvolles Unternehmen aufzubauen, sehr begrenzt. Selbst wenn die Gründer ein wertvolles Unternehmen aufbauen sollten, ist es bestenfalls unklar, ob der Preis des Utility-Tokens den Erfolg des Unternehmens widerspiegeln würde.

Exit Scam als Marketing Kampagne: Der Fall Savedroid

Einer der polarisierendsten Fälle der letzten Monate war sicherlich der des kurzzeitig vorgetäuschten ICO Exit Scams des Startups Savedroid, über den auch Base58 berichtete.

Nach Beenden der Finanzierungsrunde war die Homepage des Unternehmens kurzweilig nicht mehr erreichbar, Investoren tappten im Dunklen und Gründer Yassin Hankir twitterte aus dem Urlaub.

Der Exit Scam des Frankfurter Unternehmens stellte sich als Marketing Kampagne auf. Die Gründer hätten auf fehlende Regulierung und Sicherheit auf den ICO-Märkten aufmerksam machen wollen.

Ein Gefallen tat sich das Startup mit der Aktion nicht. Zwar entschuldigte sich Gründer Hankir für die drastische Kampagne. Savedroid verlor dennoch das Vertrauen vieler Investoren und Teilen der Crypto-Community.

[Bild: knipsdesign/ Shutterstock]
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Lara zieht als als Product Ownerin und Redakteurin die Fäden hinter den Kulissen von Base58. Als Marketing- und Content-Managerin für einen Coworking Space und Startup-Hub mit Fokus auf Innovation, fand sie ihre Begeisterung für die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen. Lara studierte Islamwissenschaften, Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen und arbeitete als Dozentin sowie an interdisziplinären Forschungsinstituten.