Base58 traf Yanislav Malahov, Gründer und CEO von Aeternity auf der Crpyto Assets Conference (CAC) in Frankfurt. Das Interview führte Stefan Hiecker.

B58: Hallo Yanislav. Erzähle uns etwas zu eurem Projekt Aeternity. Was macht ihr? Was ist euer Ziel?

Wir bauen eine neue Blockchain. Eine neue Blockchain als eine Art besser skalierbare Smart Contract-Plattform, die auch besser verwaltbar ist. Wir versuchen grundsätzlich jedes einzelne Teil des ganzen Blockchain-Systems zu verbessern. Angefangen von Smart Contract-Sprachen, über Consensus-Algorithmus, zum Money-Algorithmus und vieles mehr. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen und Unternehmen mit den Möglichkeiten moderner Kryptotechnologie auszustatten, ihnen die Möglichkeit zu geben, Tokens zu kreieren, für was auch immer sie sie eben benötigen.

Base58: Das kennt man von Ethereum. Aber ihr sagt, dass ihr besser als Ethereum sein wollt.

Genau, das ist unser Ziel. Wir wollen besser als Ethereum und wir wollen skalierbarer und besser governable sein. Ethereum ist jetzt schon ein paar Jahre alt und hat am Anfang eine ziemliche Basisfunktionalität gehabt, ohne ausreichende graphische User-Oberfläche. Es gab quasi fast gar keine Standards, wie man Smart Contracts macht. Auch ein Namingsystem gab es am Anfang nicht. Aber das wird es bei uns geben. Ebenso haben wir Developer Tools und ein Set von sogenannten App Essentials, bei denen wir Mobile First Approach verwenden.

Die Blockchain selber ist eher eine Infrastruktur, wo Developer darauf aufbauen können, um eben Applikationen für den User zu entwickeln. Wir kickstarten diesen Prozess um die Technologie – um die quasi nackten Bits und Bytes. Aber wir wollen auch die Menschen drum herum fördern und aufbauen, indem wir mit Coworking-Spaces kollaborieren und in Vaduz einen eigenen aufbauen. Mit Inkubatoren und Universitäten wollen wir zusammenarbeiten, die Beziehung stärken und ein Ökosystem kreieren.

Base58: Gibt es bei Aeternity auch Standards wie den ERC20-Token?

Standardkomponenten, die wichtig sind, um einen Smart Contract zu developen werden Oracle oder Namen sein. Das Namingsystem, als quasi wie so eine Art DNS. Aber auch Tokens, die man im Contract Code drin hat. Für die Basisfunktionen brauchst du nicht noch einen ERC20 oder einen anderen Standard zu benutzen. Das wird vorgegeben sein, damit man mit den Smart Contracts die extra functionalities selber bilden kann.

Man kann allerdings auch komplett einen neuen Standard kreieren, also wie z. B. so einen ERC20 Token Contract. Es soll auch möglich sein, dass man Solidity Codes auf unserer Virtual maschinenkompiliert und dann ausführen lässt. Es wird vermutlich nicht in allen Fällen nahtlos funktionieren, aber in vielen Fällen wird es funktionieren. Für einen Developer soll es einfacher und sicherer werden Smart Contracts zu entwickeln.

Wir arbeiten an mehreren Sprachen. Eine Sprache wird sehr ähnlich zur Meta-Language, der funktionalen Programmiersprache, sein. Es hat sich bewährt, dass man die funktionalen Programmierparadigmen verwendet, sodass es z.B. keine Seiteneffekte von Funktionen gibt, sondern dass immer quasi die gesamten Daten gegeben, dann bearbeitet, dann wieder zurückgegeben werden als Rückgabewert. Das führt zu weniger Programmierfehlern und macht verschiedene Sachen einfacher beweisbar.

Base58: Welche weiteren Sprachen wird es geben? Können bestehende Solidity Contracts bei euch auf der Blockchain bzw. euren EVM (Ethereum Virtual Machine) deployed werden?

Es wird mehrere Virtual Machines geben. Die eine ist quasi wie die EVM, aber es ist eine AEVM. Ae wie Aeternity. Und diese wird z.B. keine Kill-Funktionalität besitzen. So ein Fall, wo wir gesehen haben, wie schlecht das ist, war beim Parity-Bug Teil 2, bei der ein Typ aus Versehen knappe 300 Millionen Ether vernichtet hat.

Base58: Euer Testnet läuft schon. Ist es online und kann man es einfach runterladen, ausprobieren, rumspielen und einfach mal schauen wie es läuft?

Das Testnet läuft. Der Code ist auf GitHub und vollständig Open sSurce. Sogar das Management-Tool, das im Core Development verwendet wird, ist komplett öffentlich und da kann jeder reingucken, was gerade heute quasi entwickelt oder verworfen wurde.

Base58: Was habt ihr für einen Consensus Algorithmus? Und wie überzeugt ihr die Miner dazu, euren Aeternity-Token zu minen? Und was sind die Incentives?

Der Consensus Algorithmus ist ein hybrider Consensus Algorithmus in dem Sinne, dass es Proof of Work gibt. So ähnlich wie es auch bei Ethereum oder Bitcoin Proof of Work gibt. Allerdings basiert unser Proof of Work auf einem Graphen-Algorithmus und ist dadurch quasi indirekt nützlich. Es wird ein zufälliger Graph erzeugt, dann wird versucht durch diesen Graphen einen Pfad zu finden und der, der am schnellsten diesen Pfad findet, der gewinnt dieses Mining-Puzzle in dem Fall. Es ist nicht hash-based. Alles, was am Computer gemacht wird, ist irgendwie Number Crunching, aber es ist doch deutlich anders als wie es eben bei normalem Hashing passiert.

Base58: Kann man dieses Verfahren auch für Daten verwenden, gibt es ist da einen Mehrwert? Oder gibt es einen Grund, warum ihr diesen Algorithmus verwendet?

Der Hauptgrund war, dass zu dem Zeitpunkt, wo wir uns dafür entschieden haben, es so aussah, als ob man auch von Smartphones relativ leistungsfähig minen kann. Der Ansatz war, dass das ein Mining-Algorithmus ist, der von CPUs in Verbindung mit Speicher, also Memory-Performanz, gelöst werden kann. Und bei Smartphones ist das gegeben. Mittlerweile hat jemand herausgefunden, dass es mit GPUs um ein paar Faktoren schneller geht. Aber ich glaube nicht, dass es um den Faktor 10 schneller geht, also nicht mal eine Größenordnung schneller. Zum Launch des Mainnets wollen wir einen Mobile Miner haben, wo man dann quasi als Spielerei am Mining teilnehmen kann. Natürlich ist das keine professionelle Mining-Farm, aber genau das soll es ja nicht sein, sondern es soll jeder daran teilnehmen können, also gleichberechtigt für alle User.

Base58: Ihr wollt auch ASIC-Mining ausschließen, da diese Form momentan nur aus Hardware aufrüsten besteht. Im Bitcoin und Ethereum Netzwerk geschieht das gleiche mit den GPUs. Euer Ansatz ist, von diesen energieintensiven Systemen Abstand zu nehmen.

Genau. Es wäre toll, wenn unser Mining-Algorithmus General Purpose Computation fördert und dass man die Hardware dann auch für andere Sachen, z.B. für Wettervorhersagen oder Genomberechnung in der Zukunft verwenden kann. Und nicht, dass irgendwann gewaltige Hardware-Schrottberge entstehen, da schon wieder der schnellere ASIC-Miner rausgekommen ist und eben nur für den einen Zweck verwendet werden kann. Das wollen wir auch damit vermeiden.
Proof of Work ist ein Faktor, also klassisches Mining. Wir wollen auch die Leute voten lassen, mit Delegated Weighted Voting: Man bekommt pro Token einen Vote, den man an Leute delegieren kann, denen man zutraut das sie, für gewisse Abstimmungen, eine bessere Entscheidung treffen.

Das soll vollständig auf der Blockchain transparent sein, also quasi unleugbar und nachvollziehbar für das gesamte Netzwerk, wie sich die User, die Tokens haben, entschieden haben für die Zukunft des Systems, der Blockchain. Zusätzlich zu diesen Votes wird es einen Predictionmarket geben. Das geht in Richtung Future Key, also dass Leute abstimmen und davor gibt es dann noch Wetten, welche Abstimmung gewinnen wird und beides beeinflusst sich gegenseitig. Dies ist, zumindest der Literatur nach, eine sehr effiziente Art und Weise kollektive Entscheidungen zu treffen.

Base58: Du sagtest vorhin, dass ihr besser skalierbar als Ethereum seid: Wie löst ihr das Skalierungsproblem?

Ja, durch zwei Sachen: Zu allererst State Channels. Diese sind die Generalisierung von Payment Channels. Als Beispiel: Wir beide machen einen State Channel auf und wollen uns beide Tokens senden. Du loggst 10 Tokens ein, ich logge 100 Tokens ein und wir überweisen uns diese.Diese könnten wir in beliebig vielen Einzelschritten machen und unter beliebigen Smart Contract-Regel. Das geht quasi mit Lichtgeschwindigkeit, da es nicht jedes Mal auf die Blockchain geschrieben wird, also nicht jedes Mal durch ein weltweites Netzwerk von Minern muss.

Base58: Damit bildet ihr von Anfang einen Second Layer ab und habt dann das, was Ethereum und Bitcoin jetzt gerade mit Lightning und Raiden oder Cosmo nachholen. Bei euch geht das direkt mit ins Design!?

Genau, das vereinfacht viele Sachen, z.B. wird es nur eine Transaktion geben müssen, um eben so einen State Channel zu öffnen. Bei Bitcoin sind das für Payment-Channels ein paar Transaktionen, die man jeweils machen muss.
Die zweite Sache, mit der wir schneller und skalierbarer sein wollen, ist mit dem sogenannten Bitcoin NG (Next Generation)-Ansatz. Das ist ein Paper, das ursprünglich mal für Bitcoin geschrieben wurde. Da ist es so, dass durch Proof of Work sogenannte Keyblocks generiert werden, ganz normale Blocks. Zwischen den einzelnen Keyblocks kann dann der sogenannte Leader, der den Keyblock erstellt bzw. gemined hat, dann den Microblocks veröffentlichen. Im Intervall und so geht dann die Blocktime runter auf 3 Sekunden, eventuell sogar noch niedriger.
Wir diskutieren unsere feste Blocktime gerade noch im Developer-Team. Aber klar ist, weniger ist besser.

Base58: Wie groß ist das Team von Aeternity?

Also in London waren wir 25 Leute vor Ort, ich würde sagen, dass der Rest des Teams ist mindestens noch mal so groß ist. Das Core Development wird hauptsächlich in Schweden, Polen, Bulgarien und London gemacht.

Base58: Wie sieht eure Roadmap aus? Was kommt, nachdem ihr das Mainnet gelaunched habt? Wo seht ihr den Hauptfokus und die spannendsten, wichtigsten Aufgaben?

Im April und Mai 2017 hatten wir eine Kampagne, quasi einen Token Sell, bei dem wir einen guten Betrag an Bitcoin und Ether eingenommen haben. Jetzt befinden wir und in der Development-Phase, im Sommer 2018 soll unser Mainnet, also unser Public Blockchain-Netzwerk gelauncht werden. Es wird von Anfang an dezentral sein und es ist uns sehr wichtig, dass viele verschiedene Leute (Community-Member, Miner) an diesem Launch teilnehmen. Und letztens hatten wir gerade erst ein großes Meet-Up mit unseren Developern, die aus ungefähr 10 verschiedenen Ländern kamen.

Der Aufbau des Inkubators ist eine wichtige Aufgabe. Also das wir Projekte, Start-Ups, Teams, aber auch Open Source-Developer zusammenbringen und damit das Ökosystem stärken. Dass wir mehr Developer, mehr Produkte auf die Plattform anziehen, sodass dann mehr Verwendung für die Technologie gefunden wird.

Grundsätzlich wollen wir dann langfristig ein Standard im Internet sein, ein Standard für alle Sorten von Blockchain-Transaktionen, sei es monetär oder sei es Identities oder Governance. Jetzt kommt der Security Review und dann kommt der Mainnet-Launch im Sommer, wenn alles nach Plan geht.

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