Wie wir bereits berichtet haben, wird das Upgrade Konstantinopel Mitte Januar 2019 live geschaltet. Bei Konstantinopel handelt es sich tatsächlich um eine Hard Fork und die Bezeichnung Hard Fork hinterlässt bei vielen einen bitteren Beigeschmack. Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass vergangene Hard Forks mit einer Reihe an Negativschlagzeilen einhergingen. Ein Musterbeispiel hierfür ist mit Sicherheit die erst jüngste Hard Fork von Bitcoin Cash und der damit einhergehende Schlammschlacht zwischen den Frontmännern Craig Wright und Roger Ver.

Mit diesem Artikel wollen wir etwas Klarheit inmitten der Verwirrung schenken und unsere Leserschaft darüber aufklären, was mit der Hard Fork von Ethereum tatsächlich zu erwarten ist. Wir erklären euch, welche Veränderungen durch Konstantinopel eingeführt werden und was diese genau zu bedeuten haben.

Die Gefahren, die von Hard Forks für das Netzwerk und die Blockchain ausgehen

Hard Forks sind durchaus mit Vorsicht zu genießen. Sie können eine Belastung für sich entwickelnde Crypto-Netzwerke und Blockchains sein und die Massenakzeptanz behindern.

Frühere Bemühungen Ethereum mit einer Hard Fork auf Konstantinopel aufzurüsten, scheiterten teilweise daran, dass Miner nicht gemint haben. Das Ergebnis waren leere Blöcke und der Umstand, dass für etwa 2 Stunden kein Konsens erzielt wurde. Dies führte zudem zu der Erkenntnis, dass Wochenenden nicht optimal für ein solches Umrüsten sein könnten.

Clients, die untereinander keinen Konsens erzielen, erschweren die Aufrechterhaltung eines vollständig funktionierende Netzwerke und Blockchains. Die Lösung solcher Probleme wird für Ethereum daher von großer Bedeutung sein. Bislang haben sich die Ethereum-Entwickler sehr kompetent bei der Einführung von Updates gezeigt, dennoch stellt jede Änderung eine ernstzunehmende Herausforderung dar. Vor allem aber zeigt eine Hard Fork auf, wie einig sich eine Community über die Veränderungen ist.

Wie eine Hard Fork die Bitcoin Cash-Community zweigeteilt hat

Erst letzten Monat haben wir darüber berichtet, dass sich aufgrund von fehlendem Konsens die Bitcoin Cash-Community am 15. November in zwei Lager aufgespalten hat. Das Ergebnis sind zwei seperate Bitcoin Cash-Blockchains mit jeweils ihren eigenen Coins gewesen.

Durch die Hard Fork wurde Bitcoin ABC und Bitcoin SV gegründet. Bitcoin SV steht dabei für Satoshi’s Vision unter der Leitung von Craig Wright. Sein Ziel war es, die Blockgröße auf 128 MB zu erhöhen. Bitcoin ABC hingegen wurde von Craig Wright unterstützt und steht für Adjustable Blockchain Cap, welche dem Benutzer die Möglichkeit gewährt, seine Blockgröße anzupassen.

Roger Ver und Craig Wright unterstützten in der Vergangenheit beide zusammen Bitcoin Cash, bis ihre unterschiedlichen Vorstellungen die gesamte Bitcoin Cash-Community gespalten hatte. Die Trennung endete in einer wahren Schlammschlacht zwischen Bitcoin Cash SV und ABC. Unmengen an Ressourcen wurden dafür aufgewendet, sich gegenseitig zu diskontieren, anstatt das Bitcoin Cash-Netzwerk als solches auszubauen.

Eine Hard Fork und ein dadurch entstehender Disput ist nicht zwingend etwas Schlechtes, da es zu unvorhersehbaren Ergebnissen führen kann. Zum Beispiel könnten beide Gemeinschaften stärker werden. Oder aber eine Blockchain setzt sich als die bessere durch, während die andere abgeschwächt wird und schließlich verschwindet.

Allerdings kann eine Hard Fork ein Netzwerk auch schwächen. So ist es einem Forscher vor wenigen Tagen gelungen, in einem Video zu demonstrieren, wie jedermann eine Doppel-Ausgabe (Double Spending) auf der Bitcoin Cash SV-Blockchain auszuführen kann. Dadurch ist es möglich die gleiche Anzahl an BSV Coins doppelt auszugeben.

Droht Ethereum durch Konstantinopel also die Gefahr einer Konsens-Krise?

Die Frage, die sich nun manch einer stellen mag, ist, was durch die kommende Hard Fork der Ethereum-Blockchain mit dem Netzwerk und der Blockchain selbst passieren wird. Wird sich ein Teil der Community abspalten, so wie es damals bei Ethereum Classic der Fall war? Wird das Ergebnis eine neue Coin sein?

Die Antwort auf beide Fragen lautet: Das ist sehr unwahrscheinlich.

Eine Hard Fork ist nicht zwingend ein Ereignis, welches eine Community in zwei Lager spaltet. Wenn über die Durchführung der Hard Fork allgemeiner Konsens herrscht, dann stellt sie tatsächlich lediglich ein irreversibles Update dar.

Moneros Entwickler Team beispielsweise führte in der Vergangenheit bereits regelmäßige Hard Forks durch, ohne dabei seine Community in mehrere Lager aufzuspalten. Jede Hard Fork stellte lediglich ein Update dar.

Gleiches ist ebenfalls für die Einführung von Konstantinopel geplant, da der Konsens für diese Hard Fork weitreichend ist.

Welche Erneuerungen durch das Update dürfen wir für Ethereum erwarten?

Lasst uns gleich am Anfang klarstellen, was nicht im Januar 2019 zu erwarten ist. Große Veränderung zur Lösung des Skalierungsproblems von Ethereum wie Casper, Sharding und Proof of Stake werden nicht durch Konstantinopel auf der Blockchain im Januar implementiert.

Das Upgrade Konstantinopel ebnet allerdings den Weg, um das Netzwerk effizienter zu gestalten. Gleichzeitig schafft es mehr Möglichkeiten Off-Chain-Transaktionen und -Interaktionen durchzuführen. Diese Veränderung ist beispielsweise signifikant für Ethereums Plasma.

Was genau die interessantesten Verbesserungen (EIPs) bedeuten, gucken wir uns jetzt genauer an:

  • Mit EIP 145 wird durch das Update die bitweise Verschiebung eingeführt. Die Tragweite dieser Erneuerung ist für den Otto-Normal-Verbraucher nur schwer fassbar. Tatsächlich stellt die Fähigkeit binäre Nummern nach links oder nach rechts zu verschieben ein wichtiges Kernmerkmal jeder Programmiersprache dar. Es fügt Solidity als Sprache mehr Effizienz und Flexibilität hinzu.
  • Durch EIP 1052 wird es möglich sein, den Hash eines Smart Contracts zu lesen. Dieser Umstand ist wichtig, wenn mehrere Smart Contracts miteinander interagieren. Beispielsweise kann es manchmal nötig sein, dass ein Smart Contract in Erfahrung bringen muss, welche Version von einem anderen Smart Contract supportet wird. Diese Information kann bereits durch den Hash erlangt werden, ohne dabei den ganzen Kode des Smart Contracts auslesen zu müssen. Es stellt also eine effizientere Lösung für die Interaktion von Smart Contracts untereinander dar, deren Durchführung weniger Gas kostet.
  • EIP1014 soll es Off-Chain-Transaktionen und -Operationen erleichtern, durchgeführt zu werden. Genauer gesagt ermöglicht es Interaktionen tatsächlich und kontrafaktisch in Channels mit Adressen auszuführen, die noch nicht auf der Blockchain existieren. Was genau beutet das nun? Wenn eine tatsächliche Transaktion auf dem Mainnet durchgeführt wird, ist diese für jeden verständlich. Kontrafaktische Transaktionen hingegen werden Off-Chain durchgeführt, die sich zwar de facto nicht auf der Mainchain befinden, die aber jeder Zeit auf dieser bereitgestellt werden können. Durch diesen EIP wird also ermöglicht, mit Daten zu interagieren, die sich noch nicht auf der Mainchain befinden, aber Off-Chain bereits durchgeführt wurden und valide sind.
  • Zuletzt wird durch EIP 1234 der Mining Reward von 3 ETH auf 2 ETH reduziert. Diese Änderung schmälert die Inflation von Ether und könnte eine Vorbereitung für die Einführung von dem Proof of Stake-Algorithmus für Ethereum darstellen.

Wie man sieht, ist keine dieser Veränderung ein Game-Changer, allerdings signifikant für die zukünftige Weiterentwicklung der Etherum-Blockchain.

 

 

 

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