Unter dem Titel „Coin-Operated Capitalism“ haben Wissenschaftler der University of Pennsylvania ein Paper veröffentlicht, laut dem viele ICOs sich durch unveröffentlichten Code eine „zentrale Kontrolle“ vorbehalten sollen.

„Coin-Operated Capitalism“

In einem insgesamt 104 Seiten langen Paper setzte sich ein interdisziplinäres Forscherteam der University of Pennsylvania detailliert mit ICOs auseinander. Genauer haben sich Shaanan Cohney, David A. Hoffman, Jeremy Sklaroff und David A. Wishnick zum Ziel gesetzt, nicht nur dessen Whitepaper zu beleuchten: „Dieser Artikel stellt die erste detaillierte Analyse des Innenlebens von Initial Coin Offerings in der juristischen Literatur dar.“

Für sein Paper nahm das Team sich die fünfzig umsatzstärksten ICOs aus dem Jahr 2017 vor und ging der Frage nach, inwieweit diese ihre Versprechen vor und während des Fundings in ihrem Code wirklich einhalten. So heißt es im Abstract:

Wir nehmen die Form auch als Beispiel für technologische Innovation ernst, bei der die Projektträger beginnen, ihre Versprechen gegenüber den Investoren durch Computercode und nicht durch traditionelle Verträge zu erfüllen.

„Code is Law“? Diese Idee setzt viel Vertrauen voraus

Das Ergebnis wirft kein gutes Licht auf viele der untersuchten ICOs. Nicht nur schützen viele ICOs ihre Investoren nicht vor „Insider-Insichgeschäft“ (ein Rechtsgeschäft also, dass jemand mit sich selbst und gleichzeitig für eine andere Seite als Vertreter eines Dritten oder weiterer Parteien abschließt), sie versprächen das nicht einmal. Das Paper sagt weiter:

Weniger noch manifestierten sich solche Verträge im Code. Überraschenderweise behielt in einer Gemeinschaft, die dafür bekannt ist, einen technolibertarischen Glauben an die Macht des „vertrauenslosen Vertrauens“ mit sorgfältig gestaltetem Code zu vertreten, ein erheblicher Teil der Emittenten die zentrale Kontrolle durch einen zuvor nicht veröffentlichten Code, der eine Änderung der Regierungsstrukturen der Unternehmen erlaubt.

Investoren bekamen so also keine Garantie, dass die Tokens nicht von Insidergeschäften oder anderen Marktmanipulationen gepumpt oder entsorgt werden. Auch ausgewiesene Versprechen und Features von Token seinen im Code nicht wiedergegeben worden.

Kann mehr Regulierung von ICOs Investoren schützen?

Insgesamt kommt das Forschungsteam zu dem Schluss, dass Investoren mit blindem Vertrauen in Versprechen von ICOs nicht gut beraten sind, zumal die wenigsten selbst in der Lage sind, dessen Code zu überprüfen.

Diese Ergebnisse bieten Rechtswissenschaftlern, Ökonomen und Politikern wertvolle Lehren über die Rolle von Gatekeepern, über den Wert von Regulierung und die Möglichkeiten einer sozial wertvollen privaten Ordnung in einem relativ anonymen, dezentralen Umfeld.

Der Ruf nach mehr Regulierung auf dem ICO-Markt ist wohl eines der meistdiskutierten Themen überhaupt. Experten warnen Investoren und Anleger immer wieder davor, blind in ICOs zu investieren. Wie sich staatliche Regulierung international entwickelt, steht weiter unter aller Beobachtung.

[Bild: Dragon Images/ Shutterstock]

 

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Autor
Lara zieht als als Product Ownerin und Redakteurin die Fäden hinter den Kulissen von Base58. Als Marketing- und Content-Managerin für einen Coworking Space und Startup-Hub mit Fokus auf Innovation, fand sie ihre Begeisterung für die Blockchain-Technologie und Kryptowährungen. Lara studierte Islamwissenschaften, Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen und arbeitete als Dozentin sowie an interdisziplinären Forschungsinstituten.